Pferderasse Schimmel

Pferderasse Schimmel – gibt es das überhaupt?

Wer nach der Pferderasse Schimmel sucht, hat meist eine ganz einfache Frage: Gibt es tatsächlich eine Pferderasse, die Schimmel heißt? Die Antwort lautet eindeutig: Nein. Schimmel ist keine Pferderasse, sondern die Bezeichnung für eine Fellfarbe. Ein Schimmel kann zu ganz unterschiedlichen Pferderassen gehören – vom Lipizzaner über den Andalusier bis hin zum Deutschen Sportpferd oder Connemara-Pony.

Dass so viele Menschen nach der „Pferderasse Schimmel“ suchen, ist trotzdem völlig nachvollziehbar. Im Alltag sprechen Pferdebesitzer fast immer von „dem Schimmel“, „dem Braunen“ oder „dem Rappen“. Für Einsteiger klingt das schnell wie eine Rassenbezeichnung. Tatsächlich beschreibt der Begriff aber lediglich das Aussehen des Pferdes.

Gibt es eine Pferderasse namens Schimmel?

Nein. Eine offiziell anerkannte Pferderasse mit dem Namen Schimmel existiert nicht.

Eine Pferderasse zeichnet sich durch eine gemeinsame Abstammung, festgelegte Zuchtziele und typische Merkmale aus. Dazu gehören beispielsweise Größe, Körperbau, Charakter oder Einsatzgebiet. Bekannte Pferderassen sind etwa der Haflinger, der Friese, der Isländer oder das Deutsche Reitpferd.

Der Schimmel erfüllt keines dieser Kriterien. Der Begriff beschreibt ausschließlich die Fellfarbe eines Pferdes. Deshalb können Tiere derselben Rasse unterschiedliche Farben besitzen. So gibt es beispielsweise braune, schwarze, fuchsfarbene und schimmelfarbene Pferde innerhalb einer einzigen Zucht.

Wer also nach der Pferderasse Schimmel sucht, meint in Wirklichkeit die Pferdefarbe Schimmel.

Warum heißt ein Schimmel eigentlich Schimmel?

Der Name klingt zunächst etwas merkwürdig. Tatsächlich hat das Wort denselben sprachlichen Ursprung wie der Schimmel, den man von Brot oder anderen Lebensmitteln kennt.

Im Mittelalter bezeichnete das Wort allgemein eine grau-weiße oder fleckige Färbung. Daraus entwickelten sich später zwei verschiedene Bedeutungen: Einerseits der Schimmelpilz mit seiner weißlich-grauen Oberfläche und andererseits das Pferd, dessen Fell im Laufe der Jahre immer heller wird.

Der Name entstand also nicht deshalb, weil ein Pferd wie verschimmeltes Brot aussieht. Beide Begriffe gehen vielmehr auf dieselbe alte Bezeichnung für eine helle, graue oder weißliche Farbgebung zurück.

Warum halten viele Menschen Schimmel für eine Pferderasse?

Der Irrtum entsteht vor allem durch die Alltagssprache. Kaum jemand sagt: „Das ist ein Pferd mit der Fellfarbe Schimmel.“ Stattdessen hört man fast immer nur: „Das ist ein Schimmel.“

Dadurch wirkt das Wort wie eine Rassenbezeichnung. Schließlich sagt man auch:

  • Das ist ein Haflinger.
  • Das ist ein Friese.
  • Das ist ein Isländer.

Wer sich noch nicht intensiv mit Pferden beschäftigt hat, kann deshalb leicht annehmen, Schimmel sei ebenfalls eine eigene Pferderasse.

Auch Filme, Bücher und Kalender tragen dazu bei. Dort werden weiße Pferde häufig einfach als Schimmel bezeichnet, ohne die eigentliche Rasse überhaupt zu erwähnen.

Kann jede Pferderasse ein Schimmel werden?

Nicht jede, aber erstaunlich viele.

Ob Schimmel geboren werden können, hängt davon ab, ob das entsprechende Gen in der jeweiligen Zuchtpopulation vorhanden ist. Ist das der Fall, können immer wieder Schimmel geboren werden. Fehlt dieses Gen vollständig, wird es in dieser Rasse auch keine Schimmel geben.

Besonders häufig trifft man Schimmel unter anderem bei:

  • Lipizzanern
  • Andalusiern (PRE)
  • Lusitanos
  • Camargue-Pferden
  • Arabern
  • Connemaras
  • Welsh Ponys
  • vielen Warmblutrassen

Andere Rassen sind dagegen fast ausschließlich in bestimmten Farben bekannt. Friesen sind beispielsweise nahezu immer schwarz, Haflinger fast ausschließlich fuchsfarben mit hellem Langhaar. Dort gehören Schimmel nicht zum typischen Erscheinungsbild der Rasse.

Deshalb lässt sich die Frage nicht pauschal beantworten. Schimmel kommen bei vielen Pferderassen vor, aber längst nicht bei allen.

Fazit: Schimmel ist eine Pferdefarbe und keine Pferderasse

Die Suchanfrage „Pferderasse Schimmel“ gehört zu den häufigsten Missverständnissen rund um Pferde. Tatsächlich existiert keine Pferderasse mit diesem Namen. Schimmel bezeichnet ausschließlich die Fellfarbe eines Pferdes.

Je nach Abstammung kann ein Schimmel also ein Lipizzaner, Andalusier, Araber, Connemara, Welsh Pony oder Warmblut sein. Die Rasse verrät, woher das Pferd stammt und welche Eigenschaften es besitzt. Der Begriff Schimmel beschreibt dagegen nur sein Aussehen.

Wenn du mehr über die Entstehung der Fellfarbe, die verschiedenen Schimmelarten oder die genetischen Hintergründe erfahren möchtest, findest du alle ausführlichen Informationen in unserem großen Ratgeber „Schimmel (Pferd)“, der das Thema umfassend erklärt, dazu Berühmte Schimmel und Krankheiten beim Schimmel

Ein typischer Schimmel

Wie alt werden Schimmelpferde?

Die Fellfarbe hat grundsätzlich keinen Einfluss auf die Lebenserwartung eines Pferdes. Ein Schimmel wird also nicht älter oder jünger als ein braunes, schwarzes oder fuchsfarbenes Pferd. Entscheidend sind vielmehr die Pferderasse, die Haltung, die Fütterung, die tierärztliche Versorgung und die genetische Gesundheit.

Viele Reitpferde erreichen heute problemlos ein Alter von 25 bis 30 Jahren. Robuste Ponyrassen oder besonders widerstandsfähige Pferde können sogar deutlich älter werden. Die Schimmelfarbe selbst verändert daran nichts.

Eine Besonderheit gibt es allerdings: Ältere Schimmel entwickeln häufiger sogenannte Melanome. Dabei handelt es sich um Hauttumoren, die vor allem unter der Schweifrübe, rund um den After oder an den Lippen auftreten können. Viele dieser Tumoren wachsen über Jahre sehr langsam und bereiten lange Zeit keine Beschwerden. Dennoch sollten Schimmel regelmäßig kontrolliert werden, damit Veränderungen frühzeitig erkannt werden.


Ist ein Schimmelpferd männlich oder weiblich?

Weder noch. Der Begriff Schimmel sagt ausschließlich etwas über die Fellfarbe aus und nichts über das Geschlecht.

Ein männlicher Schimmel kann je nach Geschlecht ein Hengst, Wallach oder Junghengst sein. Ein weiblicher Schimmel ist eine Stute.

Man kann also beispielsweise von einem Schimmelhengst, einem Schimmelwallach oder einer Schimmelstute sprechen. Die Bezeichnung Schimmel ersetzt niemals die Angabe des Geschlechts, sondern ergänzt sie lediglich.

Haben Schimmelpferde einen besonderen Charakter?

Nein. Die Fellfarbe eines Pferdes hat keinen Einfluss auf seinen Charakter. Ob ein Pferd ruhig, temperamentvoll, mutig oder sensibel ist, hängt vor allem von seiner Rasse, seiner Veranlagung, seiner Aufzucht und seinem Training ab – nicht davon, ob es ein Schimmel ist.

Dass Schimmel oft als besonders edel, stolz oder temperamentvoll gelten, liegt vor allem daran, dass bekannte Schimmelrassen wie Lipizzaner, Andalusier oder Araber viele Menschen geprägt haben. Diese Rassen besitzen jeweils typische Eigenschaften, die fälschlicherweise häufig der Fellfarbe zugeschrieben werden.

Ein Schimmel kann deshalb genauso gelassen oder nervenstark sein wie ein Brauner oder Fuchs. Ebenso gibt es sensible, arbeitsfreudige oder temperamentvolle Schimmel. Die Fellfarbe allein verrät nichts über das Wesen eines Pferdes.

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