Weißes Pferd: Wie heißen weiße Pferde und gibt es Albino-Pferde?
Ein schneeweißes Pferd auf einer grünen Wiese fällt auf. Weißes Fell, vielleicht sogar rosafarbene Haut und sehr helle Augen, und schon liegt für viele Menschen eine Erklärung nahe: Das muss ein Albino sein.
Bei Pferden ist die Sache allerdings wesentlich interessanter. Denn ein Pferd, das weiß aussieht, kann genetisch etwas völlig anderes sein als das nächste weiße Pferd daneben. Schimmel können nahezu weiß werden, Cremellos erscheinen fast weiß und manche Pferde kommen tatsächlich bereits weiß zur Welt. Ein echter Albino ist deshalb aber noch lange keines von ihnen.
Und genau hier beginnt die kleine Farbdetektivgeschichte.
Wie nennt man ein weißes Pferd?
Für ein weißes Pferd gibt es nicht einfach einen einzigen korrekten Farbnamen. Entscheidend ist, warum das Pferd weiß aussieht.
Ein tatsächlich weiß geborenes Pferd kann als Weißgeborener beziehungsweise dominant weißes Pferd bezeichnet werden. Daneben gibt es sehr helle Cremellos, Perlinos und Smoky Creams, die insbesondere auf Fotos beinahe weiß wirken können. Und natürlich gibt es Schimmel, die im Laufe ihres Lebens immer heller werden.
Wenn du also vor einem weißen Pferd stehst und fragst: „Welche Farbe hat dieses Pferd eigentlich?“, reicht ein Blick auf das Deckhaar nicht unbedingt aus. Interessant werden Haut, Augenfarbe, die Farbe bei der Geburt und im Zweifelsfall die Genetik.
Weiß geboren: Diese Pferde sind tatsächlich von Anfang an weiß
Das ist der entscheidende Unterschied zum klassischen Schimmel: Ein weißgeborenes Pferd kommt bereits mit weißem Fell zur Welt und bleibt weiß.
Typisch sind weißes Fell und eine rosa beziehungsweise unpigmentierte Haut. Die Augen sind jedoch normalerweise dunkel beziehungsweise braun. Ursache können verschiedene Varianten aus dem Bereich des sogenannten Dominant White beziehungsweise White Spotting sein.
Und damit sind wir bei einem Punkt, den viele vereinfachte Artikel über weiße Pferde unterschlagen: „Dominant White“ ist nicht einfach das eine Gen für weiße Pferde.
Mittlerweile sind zahlreiche unterschiedliche W-Varianten bekannt. Sie können ganz unterschiedliche Ausprägungen verursachen, von größeren weißen Bereichen bis hin zu einem nahezu oder vollständig weißen Pferd. Einige Varianten kommen nur in bestimmten Linien oder Rassen vor, andere sind weiter verbreitet. Die Genetik dahinter ist also erheblich vielfältiger, als der Begriff „weißes Pferd“ vermuten lässt.
Weiße Fohlen bleiben weiß
Gerade bei einem weißen Fohlen lohnt deshalb der Blick auf die Haut.
Ein wirklich weißgeborenes Pferd besitzt unter dem weißen Fell überwiegend rosa, unpigmentierte Haut. Das ist etwas anderes als bei einem später sehr hell gewordenen Schimmel.
Das weiße Fohlen muss also nicht erst „ausschimmeln“. Seine weiße Farbe ist bereits bei der Geburt vorhanden.
Gibt es Albino-Pferde?
Hier wird es besonders spannend, denn „Albino Pferd“ wird zwar sehr häufig gesucht, ist fachlich aber in aller Regel die falsche Bezeichnung.
Echter Albinismus bedeutet einen sehr weitgehenden beziehungsweise vollständigen Ausfall der Pigmentbildung. Bei einem echten Albino fehlen Pigmente nicht lediglich im Fell und in der Haut, sondern auch in den Augen.
Bei Pferden ist ein solcher echter Albinismus bislang nicht beschrieben worden. Weiß geborene Pferde sind daher keine Albinos. Auch wissenschaftliche Veröffentlichungen grenzen weißgeborene Pferde ausdrücklich vom echten Albinismus ab.
Das ist wichtig, weil im Internet immer noch von „Albino-Pferden“ gesprochen wird, sobald ein Pferd weißes Fell und rosa Haut besitzt.
So einfach ist es nicht.
Ein weißes Pferd mit rosa Haut ist nicht automatisch ein Albino.
Woran würde man einen echten Albino erkennen?
Gerade die Augen sorgen häufig für Verwirrung.
Bei einem weißgeborenen Pferd können Fell und Haut sehr hell beziehungsweise unpigmentiert sein, während die Augen weiterhin pigmentiert und damit dunkel erscheinen. Genau das spricht bereits gegen vollständigen Albinismus.
Bei sehr hellen Cream-Pferden wiederum sind blaue Augen vollkommen normal. Auch blaue Augen machen ein Pferd also nicht zum Albino.
Deshalb taugt die verbreitete Faustregel
weißes Fell + rosa Haut + helle Augen = Albino
beim Pferd nicht.
Cremello: Fast weiß, aber ebenfalls kein Albino
Und jetzt kommt der Kandidat, der wahrscheinlich für einen erheblichen Teil der Google-Suchen nach „Albino Pferd“ verantwortlich ist: der Cremello.
Ein Cremello kann derart hell sein, dass er auf den ersten Blick praktisch weiß erscheint. Tatsächlich ist sein Fell meist cremeweiß bis sehr hell cremefarben. Dazu kommen rosa Haut und blaue Augen.
Genetisch handelt es sich jedoch um etwas völlig anderes.
Ein Cremello ist vereinfacht gesagt ein Fuchs mit zwei Kopien des Cream-Gens. Die ursprüngliche rote Grundfarbe wird durch die doppelte Aufhellung extrem stark verdünnt. Die Pigmente fehlen also nicht aufgrund eines Albinismus.
Deshalb ist ein Cremello kein weißes Pferd im genetischen Sinne und erst recht kein Albino.
Nicht jedes fast weiße Cream-Pferd ist ein Cremello
Hier lohnt sich noch eine kleine Genauigkeit, denn auch das wird im Internet gern verkürzt.
Die doppelte Cream-Aufhellung kann auf unterschiedlichen Grundfarben liegen:
Cremello entsteht auf der Grundfarbe Fuchs.
Perlino entsteht auf der Grundfarbe Braun.
Smoky Cream entsteht auf schwarzer Grundfarbe.
Alle drei können ausgesprochen hell erscheinen und besitzen typischerweise rosa Haut und blaue Augen. Gerade bei extrem hellen Tieren lässt sich deshalb nicht immer zuverlässig mit bloßem Auge bestimmen, welche Grundfarbe unter der doppelten Cream-Aufhellung steckt.
Das macht die Sache wesentlich spannender als „das weiße Pferd ist ein Cremello“.
Und der Schimmel?
Den Schimmel erwähnen wir hier nur der Vollständigkeit halber, denn über Schimmel und ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen findest du bei uns einen eigenen ausführlichen Beitrag.
Der wichtigste Unterschied für unser weißes Pferd lautet:
Ein Schimmel wird normalerweise nicht weiß geboren.
Er kommt mit einer Grundfarbe zur Welt und bekommt aufgrund des Grey-Gens im Laufe seines Lebens zunehmend weiße Haare. Unter dem immer heller werdenden Fell bleibt seine Haut grundsätzlich dunkel pigmentiert.
Genau deshalb kann ein alter, fast schneeweißer Schimmel äußerlich zwar wie „ein weißes Pferd“ aussehen, genetisch ist er jedoch etwas völlig anderes als ein weißgeborenes Pferd.
Hier würde ich dann deine interne Verlinkung auf die Schimmel-Seite setzen und das Thema bewusst beenden. Mehr braucht der Schimmel in diesem Beitrag wirklich nicht.
Weißes Pferd erkennen: Schau unter das Fell
Wenn du wissen möchtest, was für ein weißes Pferd vor dir steht, ist das Deckhaar ausgerechnet der Teil, der dich am ehesten auf die falsche Fährte führen kann.
Viel interessanter sind Haut, Augen und die ursprüngliche Fohlenfarbe.
Ein weiß geborenes Pferd besitzt weißes Fell und überwiegend rosa Haut, während seine Augen normalerweise dunkel sind.
Ein sehr heller Cremello besitzt ebenfalls rosa Haut, hat aber typischerweise blaue Augen und bei genauer Betrachtung häufig einen cremefarbenen Ton.
Ein ausgeschimmelter Schimmel kann nahezu reinweiß aussehen, besitzt darunter jedoch dunkle Haut und wurde nicht weiß geboren.
Und ein vermeintliches Albino-Pferd entpuppt sich damit fast immer als etwas ganz anderes.
Gibt es Pferderassen, die weiß geboren werden?
Weiße Pferde sind keine eigene Pferderasse. Die entsprechenden genetischen Varianten können in unterschiedlichen Rassen und Zuchtlinien auftreten.
Besonders bekannt wurden beispielsweise die Camarillo White Horses aus den USA, deren charakteristische weiße Farbe über Generationen gezielt erhalten wurde. Aber auch bei anderen Rassen sind verschiedene Varianten des White Spotting beziehungsweise Dominant White bekannt.
Das ist gleichzeitig der Grund, weshalb die Frage „Welche Pferderasse ist weiß?“ ein wenig in die Irre führt.
Weiß ist keine Rasse.
Genauso wenig wie Fuchs oder Rappe eine Pferderasse ist.
Ein weiß geborenes Pferd kann einer ganz normalen Pferderasse angehören und lediglich eine entsprechende genetische Farbvariante tragen.
Sind weiße Pferde empfindlicher gegen Sonne?
Hier muss man ebenfalls unterscheiden. Entscheidend ist weniger das weiße Haar als die Pigmentierung der darunterliegenden Haut.
Melanin übernimmt in der Haut einen wichtigen Schutz gegenüber UV-Strahlung. Unpigmentierte beziehungsweise sehr schwach pigmentierte Haut ist deshalb empfindlicher gegenüber intensiver Sonneneinstrahlung. Das betrifft nicht nur weißgeborene Pferde, sondern beispielsweise auch die rosafarbenen Hautbereiche von Schecken sowie sehr helle Cream-Pferde.
Bei Pferden mit viel unpigmentierter Haut sollte man deshalb besonders auf ausreichend Schatten und mögliche Hautreaktionen achten.
Ein weißer Schimmel ist wiederum ein gutes Gegenbeispiel dafür, weshalb die Fellfarbe allein wenig aussagt: Unter seinem weißen Fell befindet sich überwiegend dunkle, pigmentierte Haut.
Warum werden weiße Pferde so häufig Albinos genannt?
Weil unser Auge zunächst nur das Offensichtliche sieht.
Weißes Fell, rosa Nase, vielleicht blaue Augen. Fertig ist der vermeintliche Albino.
Die Pferdefarbengenetik macht uns diese einfache Erklärung allerdings kaputt. Und das ist eigentlich das Interessante daran.
Ein weißes Pferd kann weiß geboren sein. Ein anderes wurde erst im Laufe seines Lebens weiß. Ein drittes ist genetisch überhaupt nicht weiß, sondern besitzt eine so stark aufgehellte Grundfarbe, dass unser Auge sie kaum noch als Farbe wahrnimmt.
Drei weiße Pferde können nebeneinanderstehen und genetisch drei vollkommen unterschiedliche Geschichten erzählen.
Kurz gesagt
Wenn jemand fragt „Wie heißt ein weißes Pferd?“, lautet die korrekte Antwort deshalb nicht automatisch „Schimmel“ und auch nicht „Albino“.
Ein Pferd kann tatsächlich weiß geboren werden. Solche Pferde besitzen häufig weißes Fell, rosa Haut und dunkle Augen und können genetisch beispielsweise Varianten aus dem Bereich Dominant White beziehungsweise White Spotting tragen. Ein sehr heller Cremello, Perlino oder Smoky Cream kann ebenfalls beinahe weiß aussehen, beruht aber auf einer starken genetischen Aufhellung der Grundfarbe.
Und das berühmte Albino-Pferd?
Das begegnet uns erstaunlich oft in Google.
Im Pferdestall dagegen nach heutigem Kenntnisstand nicht.
SEO-seitig gefällt mir das Thema ziemlich gut. Wir bekommen damit deine wichtigsten Begriffe weißes Pferd, Pferde weiß, Albino Pferde, weiße Fohlen, Pferderasse weiß, wie heißen weiße Pferde, wie nennt man weiße Pferde und wie heißt ein weißes Pferd natürlich in den Text, ohne acht Absätze lang dieselbe Frage umzudrehen. Und „Schimmel“ würde ich tatsächlich klein halten, sonst verwässern wir genau die Suchintention, die deine Daten zeigen.
