Das Creme Gen

Cream-Gen beim Pferd: Genetik, Vererbung und welche Farben daraus entstehen

Das Cream-Gen beim Pferd gehört zu den bekanntesten Aufhellungsgenen der Pferdefarbengenetik, wird aber erstaunlich häufig missverstanden. Schon der Name verleitet dazu, Cream oder Creme für eine bestimmte Pferdefarbe zu halten, tatsächlich handelt es sich jedoch zunächst um einen genetischen Verdünnungsfaktor, der auf die vorhandene Grundfarbe eines Pferdes einwirkt und diese je nach genetischer Ausgangslage unterschiedlich verändert.

Deshalb kann man einem Pferd nicht einfach die genetische Farbe „Cream“ zuordnen. Ein Pferd besitzt zunächst eine Grundfarbe wie Fuchs, Braun oder Rappe, auf die das Cream-Allel anschließend einwirken kann. Aus einem Fuchs kann dadurch beispielsweise ein Palomino oder Cremello werden, aus einem Braunen ein Buckskin oder Perlino und aus einem Rappen ein Smoky Black oder Smoky Cream.

Und damit wird bereits deutlich, was das Cream-Gen so interessant macht: Dasselbe Gen kann völlig unterschiedlich aussehende Pferde hervorbringen.

Wissenschaftlich ist die Cream-Aufhellung mit einer Variante im SLC45A2-Gen verbunden. Das Gen liegt beim Pferd auf Chromosom 21 und war früher auch unter der Bezeichnung MATP bekannt. Die betreffende Cream-Variante beeinflusst Vorgänge innerhalb der pigmentbildenden Zellen und führt dazu, dass die Pigmentierung des Fells abgeschwächt wird. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Ist Cream überhaupt eine Pferdefarbe?

Im genetischen Sinn zunächst nein.

Cream ist ein Dilution-Gen, also ein Aufhellungsgen. Es verändert eine bereits vorhandene Grundfarbe.

Das ist ein wichtiger Unterschied, denn Begriffe wie Fuchs, Braun und Rappe beschreiben die genetische Basisfarbe eines Pferdes, während Cream gewissermaßen eine weitere Ebene darüberlegt.

Man kann sich das vereinfacht so vorstellen:

Die Grundfarbe ist die Farbe im Farbeimer.

Das Cream-Gen gibt je nach Anzahl seiner Kopien mehr oder weniger Aufheller hinein.

Es ersetzt die ursprüngliche Farbe nicht, sondern verändert ihre sichtbare Ausprägung.

Aus diesem Grund spricht man in der Pferdefarbengenetik von einer Cream dilution, also einer Cream-Verdünnung oder Cream-Aufhellung. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Welches Gen verursacht Cream beim Pferd?

Die bekannte Cream-Aufhellung wird durch eine Mutation im SLC45A2-Gen verursacht. Die betreffende Variante wird genetisch üblicherweise mit Cr bezeichnet.

Das normale Allel ohne Cream-Aufhellung wird häufig als N angegeben.

Ein Pferd kann deshalb grundsätzlich drei Cream-Genotypen besitzen:

N/N
kein Cream-Allel

N/Cr
eine Kopie des Cream-Allels

Cr/Cr
zwei Kopien des Cream-Allels

Entscheidend ist nun, dass diese drei Genotypen nicht gleich aussehen.

Cream wird unvollständig dominant vererbt. Das bedeutet, dass bereits eine einzige Kopie des Cream-Allels sichtbar sein kann, zwei Kopien die Farbe jedoch wesentlich stärker verändern. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Genau deshalb unterscheidet man häufig zwischen Single Dilutes und Double Dilutes.

Eine Kopie Cream: N/Cr

Besitzt ein Pferd nur eine Cream-Kopie, spricht man von einer einfachen Cream-Aufhellung.

Das Cream-Gen wirkt dabei besonders stark auf das rote Pigment, das sogenannte Phäomelanin. Schwarzes Pigment, Eumelanin, wird bei nur einer Cream-Kopie wesentlich schwächer beeinflusst.

Daraus entstehen abhängig von der Grundfarbe drei klassische Kombinationen:

Fuchs + eine Cream-Kopie = Palomino

Brauner + eine Cream-Kopie = Buckskin

Rappe + eine Cream-Kopie = Smoky Black

Diese drei Pferde tragen genetisch dasselbe Cream-Allel, sehen aber vollkommen unterschiedlich aus, weil das Gen auf unterschiedliche Ausgangsfarben trifft. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Ein Fuchs mit Cream wird zum Palomino

Hier lohnt sich eine kleine sprachliche Korrektur, weil man häufig hört, ein Fuchs könne das Cream-Gen „tragen“.

Genetisch stimmt natürlich, dass die Grundfarbe eines Palominos Fuchs ist. Ein Fuchsgenotyp kann also durchaus mit Cream kombiniert sein.

Eine einzelne Cream-Kopie bleibt auf einer Fuchsgrundfarbe aber normalerweise nicht unsichtbar.

Der genetische Fuchs mit einer Cream-Kopie wird zum Palomino.

Seine rote Grundfarbe wird deutlich aufgehellt, während Mähne und Schweif meist stark aufgehellt bis nahezu weiß erscheinen.

Ein äußerlich normaler Fuchs ist deshalb unter den üblichen genetischen Bedingungen nicht einfach ein versteckter Cream-Träger.

Das unterscheidet Cream beispielsweise von manchen rezessiven Farbgenen, die über Generationen unsichtbar weitergegeben werden können.

Natürlich kann die Beurteilung eines Pferdes durch andere Farbgene, Schimmelung oder ungewöhnliche Farbtöne erschwert werden, weshalb bei Zweifeln ein Gentest zuverlässiger ist als das bloße Auge.

Braun plus Cream ergibt Buckskin

Beim Braunen ist die Wirkung besonders gut zu erkennen.

Ein Brauner besitzt einen roten beziehungsweise braunen Körper, während schwarzes Pigment durch das Agouti-System vor allem in Mähne, Schweif und unteren Beinen konzentriert wird.

Trägt dieser Braune eine Cream-Kopie, wird hauptsächlich der rote Körper aufgehellt. Die schwarzen Points bleiben dagegen weitgehend dunkel.

Das Ergebnis ist der Buckskin.

Typisch sind goldene, gelbliche, sandfarbene oder beige Körperfarben bei dunkler Mähne, dunklem Schweif und dunklen Beinen.

Buckskin ist deshalb keine völlig eigenständige genetische Grundfarbe, sondern:

Braun + Cream.

Gerade daran lässt sich hervorragend erkennen, dass man Agouti, Extension und Cream nicht getrennt voneinander betrachten darf.

Was macht eine Cream-Kopie beim Rappen?

Hier wird es besonders spannend.

Ein Rappe besitzt überwiegend schwarzes Eumelanin. Genau dieses Pigment wird durch eine einzelne Cream-Kopie nur vergleichsweise schwach beeinflusst.

Ein Rappe mit N/Cr wird als Smoky Black bezeichnet.

Und nun entsteht eine Besonderheit: Manche Smoky Blacks sehen einem normalen Rappen ausgesprochen ähnlich.

Das Cream-Gen kann hier äußerlich so wenig auffallen, dass sich ein Smoky Black allein anhand seines Erscheinungsbildes nicht zuverlässig erkennen lässt. Auch UC Davis weist ausdrücklich darauf hin, dass eine einzelne Cream-Kopie auf schwarzer Grundfarbe nur einen sehr subtilen Effekt haben kann. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Das ist einer der Fälle, in denen man durchaus von einem beinahe „versteckten“ Cream sprechen könnte.

Ein vermeintlicher Rappe kann also genetisch N/Cr besitzen.

Zwei Cream-Gene verändern die Farbe erheblich stärker

Besitzt ein Pferd zwei Cream-Kopien, also Cr/Cr, verändert sich die Pigmentierung wesentlich stärker.

Jetzt werden sowohl rotes als auch schwarzes Pigment deutlich aufgehellt.

Aus den drei klassischen Grundfarben entstehen wiederum drei unterschiedliche Farben:

Fuchs + Cr/Cr = Cremello

Braun + Cr/Cr = Perlino

Rappe + Cr/Cr = Smoky Cream

Diese Pferde werden zusammen häufig als Double Dilutes bezeichnet.

Typisch sind sehr helle, cremefarbene bis fast elfenbeinfarbene Haare, rosafarbene beziehungsweise sehr helle Haut und blaue Augen. (Equine Genetics Research Centre)

Die ursprüngliche Grundfarbe ist dabei mit bloßem Auge teilweise erstaunlich schwer zu erkennen.

Ein sehr heller Cremello, Perlino und Smoky Cream können sich optisch ähneln, obwohl genetisch unterschiedliche Grundfarben darunterliegen.

Cremello ist genetisch ein aufgehellter Fuchs

Ein Cremello besitzt als Grundfarbe Fuchs und trägt zwei Cream-Kopien.

Genetisch betrachtet steckt unter dem sehr hellen Fell also weiterhin die Fuchsgrundfarbe.

Die Kombination lässt sich vereinfacht schreiben als:

Fuchsgrundfarbe + Cr/Cr = Cremello

Das rote Pigment wird durch die doppelte Cream-Wirkung extrem stark verdünnt.

Perlino ist genetisch ein aufgehellter Brauner

Ein Perlino basiert dagegen auf Braun.

Das Pferd besitzt also weiterhin die genetischen Voraussetzungen für schwarzes Pigment und Agouti, trägt zusätzlich jedoch zwei Cream-Kopien.

Vereinfacht:

Braun + Cr/Cr = Perlino

Die früher schwarzen Bereiche wie Mähne, Schweif und Beine können bei Perlino noch etwas dunkler oder rötlicher wirken als der übrige Körper, allerdings können die Unterschiede sehr fein ausfallen.

Smoky Cream basiert auf Rappe

Die dritte Double-Dilute-Variante ist Smoky Cream.

Hier liegt als Grundfarbe Rappe vor.

Rappe + Cr/Cr = Smoky Cream

Durch die doppelte Cream-Wirkung wird nun auch das schwarze Pigment stark reduziert, weshalb von der ursprünglich schwarzen Grundfarbe äußerlich nur noch wenig übrigbleibt.

Gerade bei Double Dilutes kann deshalb ein genetischer Test notwendig sein, wenn die genaue Grundfarbe sicher festgestellt werden soll. Das Equine Genetics Research Centre weist darauf hin, dass sich Cremello, Perlino und Smoky Cream rein äußerlich nicht immer eindeutig voneinander unterscheiden lassen. (Equine Genetics Research Centre)

Was genau macht Cream mit rotem und schwarzem Pigment?

Die Wirkung von Cream ist nicht auf beide Pigmentarten identisch.

Beim Pferd gibt es im Wesentlichen zwei Pigmenttypen, die für die klassischen Fellfarben entscheidend sind:

Phäomelanin erzeugt rote bis gelbliche Farbtöne.

Eumelanin erzeugt schwarze bis dunkelbraune Farbtöne.

Eine einzelne Cream-Kopie reduziert vor allem das rote Pigment deutlich.

Deshalb verändert sich ein Fuchs so eindrucksvoll zum Palomino und ein Brauner zum Buckskin, während ein Rappe mit einer Cream-Kopie als Smoky Black optisch teilweise kaum verändert erscheint.

Zwei Cream-Kopien wirken wesentlich stärker und hellen auch schwarzes Pigment deutlich auf. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Das erklärt praktisch das gesamte klassische Cream-System.

Cream ist dosisabhängig

Der Fachbegriff dafür lautet unvollständige Dominanz beziehungsweise incomplete dominance.

Das bedeutet, dass die Wirkung davon abhängt, ob ein Pferd:

keine,

eine

oder zwei Cream-Kopien besitzt.

Bei einem vollständig dominanten Gen würden eine und zwei Kopien weitgehend denselben sichtbaren Effekt erzeugen.

Bei Cream ist das gerade nicht der Fall.

Ein Palomino mit N/Cr sieht deutlich anders aus als ein Cremello mit Cr/Cr.

Ein Buckskin mit N/Cr sieht deutlich anders aus als ein Perlino mit Cr/Cr.

Genetisch macht die zweite Cream-Kopie deshalb einen erheblichen Unterschied.

Wie wird Cream vererbt?

Jedes Pferd bekommt für diesen Genort eine Variante von der Mutter und eine vom Vater.

Ein Pferd mit N/N besitzt kein Cream-Allel und kann folglich auch keines weitergeben.

Ein Pferd mit N/Cr besitzt eine Cream-Kopie. Bei jedem Fohlen besteht statistisch eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass genau diese Cream-Kopie weitergegeben wird.

Ein Pferd mit Cr/Cr besitzt zwei Cream-Kopien und gibt deshalb an jedes Fohlen ein Cr weiter. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jedes Fohlen gleich aussehen wird.

Welche Farbe entsteht, hängt weiterhin von der genetischen Grundfarbe und von weiteren Farbgenen ab.

Was entsteht aus N/Cr × N/N?

Wird ein Pferd mit einer Cream-Kopie mit einem Pferd ohne Cream angepaart, ergibt sich theoretisch:

50 Prozent N/N

50 Prozent N/Cr

Die Hälfte der Fohlen erhält also statistisch Cream, die andere Hälfte nicht.

Welche Farbe die Cream-Fohlen anschließend zeigen, hängt wiederum von Fuchs, Braun oder Rappe als genetischer Basis ab.

Was entsteht aus Cr/Cr × N/N?

Ein Cr/Cr-Pferd gibt immer ein Cr weiter.

Das N/N-Pferd kann nur N weitergeben.

Alle Fohlen werden deshalb:

N/Cr

sein.

Sie besitzen also jeweils eine Cream-Kopie.

Auch hier können allerdings je nach Grundfarbe Palominos, Buckskins oder Smoky Blacks entstehen.

Was entsteht aus N/Cr × N/Cr?

Bei zwei Pferden mit jeweils einer Cream-Kopie ergibt sich theoretisch:

25 Prozent N/N

50 Prozent N/Cr

25 Prozent Cr/Cr

Damit besteht bei jeder solchen Anpaarung statistisch eine Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent für einen Double Dilute.

Welche Double-Dilute-Farbe entsteht, hängt wiederum von der darunterliegenden Grundfarbe ab.

Was entsteht aus Cr/Cr × N/Cr?

Ein Cr/Cr-Elternteil gibt immer Cream weiter, das N/Cr-Elternteil entweder N oder Cr.

Damit entstehen theoretisch:

50 Prozent N/Cr

50 Prozent Cr/Cr.

Ein Fohlen ohne Cream kann bei dieser Kombination nicht entstehen.

Kann Cream versteckt getragen werden?

Bei dieser Frage muss man unterscheiden.

Auf Fuchs und Braun zeigt eine einzelne Cream-Kopie normalerweise eine deutliche Wirkung.

Der genetische Fuchs wird Palomino, der genetische Braune Buckskin.

Beim Rappen dagegen kann eine einzelne Cream-Kopie ausgesprochen unauffällig sein. Smoky Blacks können so dunkel aussehen, dass sie für normale Rappen gehalten werden.

Hinzu kommt, dass andere Farbgene die sichtbare Farbe überlagern können.

Ein Schimmel kann beispielsweise eine Cream-Grundfarbe im Laufe seines Lebens zunehmend verdecken.

Auch Scheckungen, weitere Dilution-Gene oder Kombinationen mehrerer Farballele können die optische Einschätzung erschweren.

Deshalb lässt sich „Cream vorhanden oder nicht?“ nicht in jedem Fall zuverlässig am Fell erkennen.

Kann ein Schimmel Cream besitzen?

Ja.

Schimmelung und Cream sind genetisch völlig unterschiedliche Vorgänge.

Ein Pferd kann beispielsweise als Palomino, Buckskin, Smoky Black, Cremello, Perlino oder Smoky Cream geboren werden und zusätzlich das Schimmel-Gen besitzen.

Mit zunehmendem Alter werden die Haare dann immer stärker depigmentiert, sodass die ursprüngliche Farbe äußerlich schließlich kaum noch erkennbar sein kann.

Cream bleibt genetisch trotzdem vorhanden und kann weiterhin vererbt werden.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum sichtbare Farbe und genetische Farbe beim Pferd nicht immer dasselbe sind.

Kann ein geschecktes Pferd Cream tragen?

Selbstverständlich.

Scheckungsmuster und Cream wirken auf unterschiedlichen genetischen Ebenen.

Ein Paint Horse kann beispielsweise gleichzeitig Buckskin und Tobiano sein.

Ein anderes Pferd könnte Palomino und Tobiano kombinieren.

Auch Cremello oder Perlino können theoretisch mit Scheckungsmustern zusammentreffen.

Das Cream-Gen sagt also zunächst nichts darüber aus, ob ein Pferd zusätzlich weiße Abzeichen oder großflächige Scheckung besitzt.

Ist Cream dasselbe wie Dun?

Nein.

Cream und Dun sind zwei verschiedene Aufhellungssysteme.

Cream entsteht durch eine Variante im SLC45A2-Gen.

Dun hängt dagegen mit TBX3 zusammen und erzeugt typischerweise eine aufgehellte Körperfarbe bei stärker pigmentierten Bereichen sowie häufig sogenannte primitive markings wie Aalstrich oder Beinstreifen. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Ein Buckskin und ein Braunfalbe beziehungsweise Bay Dun können sich auf den ersten Blick durchaus ähneln, genetisch entstehen sie aber auf vollkommen unterschiedliche Weise.

Und natürlich kann ein Pferd auch Cream und Dun gleichzeitig besitzen.

Dann wird es farblich erst richtig interessant.

Ist Cream dasselbe wie Champagne?

Auch nicht.

Champagne ist ein eigenständiges Dilution-System, das sowohl rotes als auch schwarzes Pigment verändert und zusätzlich typische Veränderungen von Haut und Augen verursacht.

Cream und Champagne können ebenfalls gleichzeitig vorkommen.

Ein creme- oder goldfarbenes Pferd muss deshalb nicht automatisch Cream besitzen, nur weil sein Fell entsprechend aussieht. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Cream und Pearl: genetisch besonders interessant

Eine ausgesprochen interessante Verbindung besteht zwischen Cream und Pearl.

Pearl beruht ebenfalls auf einer Variante des SLC45A2-Gens, allerdings auf einer anderen Mutation.

Eine einzelne Pearl-Kopie ist üblicherweise nicht sichtbar. Zwei Pearl-Kopien können dagegen eine deutliche Aufhellung verursachen.

Besonders spannend ist die Kombination aus einer Cream- und einer Pearl-Kopie.

Da beide Varianten am selben Genort liegen, kann diese Kombination eine sehr starke Aufhellung erzeugen, die einem Double Cream äußerlich ähneln kann. Solche Pferde werden teilweise als Cream Pearl bezeichnet. (PubMed)

Genau aus diesem Grund reicht die bloße Betrachtung sehr heller Pferde nicht immer aus, um Cr/Cr sicher festzustellen.

Was macht das Cream-Gen nicht?

Cream hellt Pigment auf, aber es erzeugt nicht beliebig alles, was hell aussieht.

Es:

macht kein Pferd zum Schimmel,

erzeugt keine Scheckung,

verursacht keinen Aalstrich,

ist nicht dasselbe wie Dun,

ist nicht dasselbe wie Champagne,

ist nicht dasselbe wie Silver,

und ist auch nicht automatisch die Erklärung für jedes cremefarbene oder fast weiße Pferd.

Bei Pferdefarben führen erstaunlich viele genetische Wege zu einem ähnlichen optischen Ergebnis.

Genau deshalb ist „Das Pferd sieht cremefarben aus, also hat es Cream“ keine sichere genetische Diagnose.

Sind Cremellos Albinos?

Nein.

Dieser hartnäckige Begriff ist genetisch falsch.

Cremellos, Perlinos und Smoky Creams besitzen weiterhin Pigment. Dieses Pigment ist durch die doppelte Cream-Aufhellung lediglich stark reduziert.

Die helle Haut, die blauen Augen und das sehr helle Fell entstehen durch die Cr/Cr-Kombination und bedeuten nicht, dass das Pferd überhaupt kein Melanin bilden kann.

Double Dilutes sollten deshalb nicht als Albinos bezeichnet werden.

Ist das Cream-Gen gesundheitsschädlich?

Für das klassische Cream-Gen ist keine mit der Farbverdünnung vergleichbare tödliche Kombination bekannt, wie sie beispielsweise bei bestimmten anderen Farbgenen vorkommen kann.

Ein Cr/Cr-Pferd ist also nicht deshalb krank oder lebensunfähig, weil es zwei Cream-Kopien besitzt.

Dass Double Dilutes sehr helles Fell, helle Haut und blaue Augen besitzen, darf nicht mit sogenannten Lethal-White-Konstellationen oder vollständigem Albinismus verwechselt werden.

Das sind genetisch andere Phänomene.

Bei welchen Pferderassen kommt das Cream-Gen vor?

Cream kommt nicht nur in einer einzelnen Rasse vor, sondern in sehr vielen Pferde- und Ponyrassen.

Das Veterinary Genetics Laboratory der University of California Davis führt Cream-Tests für eine ausgesprochen breite Palette von Rassen, darunter unter anderem Achal-Tekkiner, Andalusier beziehungsweise PRE, Lusitanos, Quarter Horses, Paint Horses, Connemara Ponys, Welsh Ponys, Shetlandponys, Islandpferde, Morgan Horses, Tennessee Walking Horses, Mustangs, Miniature Horses, Gypsy Cobs und zahlreiche Warmblut- und Sportpferderassen. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Das bedeutet allerdings nicht, dass Cream innerhalb jeder dieser Populationen häufig vorkommt.

In manchen Rassen ist das Allel verbreitet, in anderen selten, in bestimmten geschlossenen Populationen fehlt es möglicherweise vollständig oder bestimmte Farben werden durch Zuchtbuchregeln nicht zugelassen.

Man sollte deshalb zwischen biologisch möglichem Vorkommen und typischem Vorkommen innerhalb einer bestimmten Rasse unterscheiden.

Kann ein Haflinger Cream haben?

Gerade bei sehr hellen Füchsen entsteht diese Frage schnell.

Ein heller Fuchs mit heller Mähne ist jedoch nicht automatisch Palomino und benötigt auch kein Cream-Gen.

Flaxen, also die genetisch bedingte Aufhellung von Mähne und Schweif bei Füchsen, ist ein anderes Phänomen.

Deshalb ist die Gleichung:

„goldenes Pferd + helle Mähne = Cream“

genetisch viel zu einfach.

Äußere Ähnlichkeit bedeutet bei Pferdefarben nicht zwangsläufig dieselbe genetische Ursache.

Kann man Cream genetisch testen?

Ja.

Das Cream-Allel kann über einen DNA-Test bestimmt werden.

Das Ergebnis wird üblicherweise als:

N/N

N/Cr

oder

Cr/Cr

angegeben.

Dadurch lässt sich sicher feststellen, ob ein Pferd keine, eine oder zwei Kopien der bekannten Cream-Variante besitzt. UC Davis nennt als geeignetes Probenmaterial beispielsweise 20 bis 40 Haare mit intakten Haarwurzeln. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Besonders sinnvoll kann ein Test bei Smoky Blacks, sehr hellen Double Dilutes oder bei Pferden mit mehreren gleichzeitig wirkenden Farbgenen sein.

Welche Pferdefarben entstehen durch das Cream-Gen?

In seiner klassischen Form erzeugt Cream in Kombination mit den drei Grundfarben sechs besonders wichtige Farbtypen:

Eine Cream-Kopie:

Fuchs → Palomino

Braun → Buckskin

Rappe → Smoky Black

Zwei Cream-Kopien:

Fuchs → Cremello

Braun → Perlino

Rappe → Smoky Cream

Damit ist Cream eines der schönsten Beispiele dafür, warum Pferdefarbengenetik nicht aus isolierten „Farbgene = Farbe“-Gleichungen besteht.

Das Gen verändert vielmehr das, was bereits vorhanden ist.

Cream ist keine Grundfarbe, sondern ein genetischer Aufheller

Das Cream-Gen beim Pferd ist deshalb am besten als dosisabhängiges Verdünnungsgen zu verstehen.

Eine einzelne Kopie hellt vor allem rotes Pigment auf und erzeugt je nach Grundfarbe Palomino, Buckskin oder Smoky Black. Zwei Cream-Kopien wirken erheblich stärker auf beide Pigmentarten und führen zu Cremello, Perlino oder Smoky Cream. (Veterinärgenetik Laboratorium)

Entscheidend ist dabei immer die Grundfarbe darunter.

Ein Cremello bleibt genetisch ein Fuchs mit zwei Cream-Kopien.

Ein Perlino bleibt genetisch ein Brauner mit zwei Cream-Kopien.

Ein Smoky Cream bleibt genetisch ein Rappe mit zwei Cream-Kopien.

Und genau deshalb ist Cream streng genommen keine einzelne Pferdefarbe, sondern ein genetischer Mechanismus, aus dem gleich mehrere Pferdefarben entstehen können.

Eine Antwort zu „Das Creme Gen“

  1. Avatar von Gentest Pferdefarben – Alles über Pferde

    […] über die Genetiksparte Labogen das breiteste Spektrum ab. Getestet werden Agouti, Fuchsfarbe, Cream, Pearl, Champagne, Silver, Dun, Mushroom, Sunshine, Snowdrop, Tobiano, Sabino 1, Splashed White in […]

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