Das Champagne-Gen beim Pferd
Champagne und Pearl werden bei den Pferdefarben ständig verwechselt, und das aus gutem Grund: Beide erzeugen goldene bis sandfarbene Pferde mit heller Haut und hellen Augen, und beide sehen auf dem Foto oft täuschend ähnlich aus. Genetisch haben sie jedoch nichts miteinander zu tun. Es sind zwei verschiedene Gene auf zwei verschiedenen Chromosomen, mit zwei völlig unterschiedlichen Erbgängen.
Der wichtigste Unterschied in einem Satz: Champagne ist dominant und muss von einem Elternteil kommen, das selbst Champagne ist. Pearl ist rezessiv und kann Generationen lang unsichtbar weitergegeben werden. Ein Champagne-Pferd hat immer einen Champagne-Elternteil. Ein Pearl-Pferd kann aus zwei völlig normal gefärbten Eltern fallen.
Dieser Beitrag erklärt, was das Champagne-Gen ist, welche Farbschläge es erzeugt, woran man es sicher erkennt, wo es herkommt und warum eine ganze amerikanische Rasse auf diesem einen Gen aufgebaut ist.
Champagne und Pearl im direkten Vergleich
Champagne sitzt im Gen SLC36A1 auf Pferdechromosom 14. Pearl sitzt im Gen SLC45A2 auf Chromosom 21, dort, wo auch Cream sitzt.
Champagne wird dominant vererbt. Eine einzige Kopie zeigt sich vollständig. Pearl wird rezessiv vererbt. Eine Kopie zeigt sich gar nicht, erst zwei Kopien oder die Kombination mit Cream werden sichtbar.
Champagne kann keine Generation überspringen. Pearl überspringt beliebig viele.
Champagne-Fohlen kommen dunkel zur Welt, mit leuchtend rosa Haut und blauen Augen, und hellen dann auf. Die Haut wird mit dem Alter zunehmend dunkel gesprenkelt, die Augen wechseln zu Bernstein oder Haselnuss. Bei Pearl ist eine solche Entwicklung nicht in vergleichbarer Weise dokumentiert; die Sprenkelung ist blasser und deutlich weniger auffällig.
Champagne kommt fast ausschließlich in amerikanischen Rassen vor. Pearl stammt von der Iberischen Halbinsel.
Wer beide Farben nebeneinander sieht, erkennt am ehesten die Haut. Champagne-Haut ist rosa mit vielen kleinen, dunklen Sprenkeln, fast wie Sommersprossen, teils mit violettem Unterton. Bei doppeltem Pearl und bei Pearl-Cream-Kombinationen ist die Sprenkelung vorhanden, aber blasser und gedämpfter.
Der Genort: SLC36A1 auf Chromosom 14
Die Farbe war lange bekannt, das Gen dahinter nicht. Sponenberg und Bowling beschrieben Champagne 1996 in Genetics Selection Evolution formal als dominante Farbverdünnung und vergaben das Kürzel Ch für ein zu diesem Zeitpunkt noch hypothetisches Gen. Zwölf Jahre später fand ein Team um Deborah Cook, Samantha Brooks, Rebecca Bellone und Ernest Bailey am Gluck Equine Research Center der University of Kentucky die Ursache und veröffentlichte sie 2008 in PLoS Genetics.
Der Weg dorthin ist ein gutes Beispiel für saubere Genetikarbeit. Drei Hengste und ihre Familien, in denen Champagne auftrat, wurden mit Mikrosatellitenmarkern durchgescannt. Damit ließ sich das Gen auf einen Abschnitt von etwa sechs Centimorgan auf Chromosom 14 eingrenzen. In dieser Region lagen vier Kandidatengene. Eines davon war in der Haut gar nicht aktiv und schied aus, die übrigen drei wurden sequenziert. In SLC36A1 fand sich genau ein Unterschied: ein Austausch von C zu G an Position 188 in Exon 2, der auf Proteinebene die Aminosäure Threonin durch Arginin ersetzt (T63R).
Die Verbindung war eindeutig. Alle 85 untersuchten Pferde mit Champagne-Merkmalen trugen die Variante, keines der 97 Kontrollpferde ohne Champagne trug sie.
SLC36A1 kodiert das Protein PAT1, einen protonengekoppelten Aminosäuretransporter. In den Pigmentzellen sitzt es an den Melanosomen, also den Organellen, in denen das Pigment gebildet wird. Die Autoren vermuten, dass die Mutation den pH-Wert in den frühen Melanosomen verändert und dadurch die Verarbeitung von Tyrosin stört, dem Ausgangsstoff der Melaninbildung. Der genaue molekulare Ablauf ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bemerkenswert ist, dass dies der erste beschriebene Zusammenhang zwischen diesem Gen und Pigmentierung überhaupt war, in keiner Tierart war SLC36A1 zuvor als Farbgen aufgefallen.
Wichtig für das Verständnis: Champagne entfernt kein Pigment und verhindert auch nicht die Einwanderung der Pigmentzellen in die Haut, wie es Scheckungsgene tun. Es erzeugt Hypomelanismus, also weniger und schwächer ausgeprägtes Pigment. Mit Albinismus hat das nichts zu tun.
Dominant vererbt: eine Kopie genügt
Es gibt zwei Allele: das Wildtyp-Allel ch und das dominante CH.
Ein Pferd mit einer Kopie (CH/ch) zeigt die Farbe vollständig. Ein Pferd mit zwei Kopien (CH/CH) sieht praktisch genauso aus. Die Arbeit von 2008 merkt lediglich an, dass homozygote Pferde etwas weniger Sprenkelung und ein leicht helleres Fell haben können. Optisch lassen sich die beiden nicht sicher auseinanderhalten, dafür gibt es den Test.
Der Unterschied liegt in der Weitergabe. Ein homozygotes Champagne-Pferd (CH/CH) gibt das Allel an jeden Nachkommen weiter, alle Fohlen sind Champagne, egal welche Farbe der andere Elternteil hat. Ein heterozygotes Champagne-Pferd (CH/ch) gibt es an die Hälfte der Nachkommen weiter.
Daraus folgt die Regel, die im Zweifel mehr wert ist als jedes Fellfoto: Ein Champagne-Pferd hat zwingend einen Champagne-Elternteil. Ein dominantes Gen kann nicht unsichtbar durch eine Generation wandern. Steht ein goldfarbenes Pferd mit heller Haut vor einem, dessen beide Eltern nachweislich keine Champagne-Merkmale haben, dann ist es kein Champagne, sondern Palomino, Falbe, Pearl oder eine Cream-Kombination.
Woran man Champagne erkennt
Die Arbeit von 2008 hat für die Auswahl der Untersuchungspferde eine Definition verwendet, die sich bis heute als praktische Erkennungshilfe eignet. Ein Pferd galt als Champagne, wenn schwarzes oder braunes Pigment im Fell sichtbar aufgehellt war und zusätzlich mindestens zwei der folgenden drei Merkmale vorlagen:
gesprenkelte Haut um Augen, Maul oder Genitalien,
bernsteinfarbene, grüne oder hellbraune Augen,
blaue Augen und rosa Haut bei der Geburt.
Diese drei Punkte im Einzelnen.
Die Haut ist das wichtigste Merkmal. Beim erwachsenen Champagne-Pferd ist sie rosa mit zahlreichen dunklen Sprenkeln, ausgenommen unter weißen Abzeichen. Es sind viele kleine Sprenkel, nicht große Flecken, teils mit violettem Schimmer, und die Haut kann insgesamt lavendelfarben wirken. Am besten sieht man das um Augen und Maul, unter dem Schweif und am Euter beziehungsweise an der Schlauchtasche. Ein Detail, das viele Besitzer überrascht: Diese rosa Haut ist pigmentiert, anders als die pigmentfreie Haut unter weißen Abzeichen, und sie bräunt in der Sonne, statt einfach nur zu verbrennen.
Die Augen sind beim erwachsenen Pferd bernsteinfarben, haselnussbraun oder grünlich. Beim neugeborenen Fohlen sind sie leuchtend blau bis blaugrün, und dieses Blau wirkt cremiger als das klare Blau, das man bei manchen Schecken sieht.
Der Farbverlauf im Fohlenalter ist bei Champagne umgekehrt zu dem, was man bei den meisten Pferdefarben kennt. Champagne-Fohlen werden dunkel geboren, mit knallrosa Haut und blauen Augen, und hellen dann beim ersten Fellwechsel deutlich auf. Gleichzeitig dunkelt und sprenkelt die Haut, und die Augen werden bernsteinfarben. Die meisten anderen Pferde kommen hell zur Welt und werden dunkler.
Dazu kommen zwei unzuverlässige Hinweise, die man kennen, aber nicht überbewerten sollte: Champagne-Fell hat oft einen auffälligen Glanz, der es schwer fotografierbar macht, und es zeigt gelegentlich eine umgekehrte Apfelung. Beides kommt auch bei Pferden ohne Champagne vor.
Die vier Grundfarbschläge
Champagne hellt rotes Pigment zu Gold auf und schwarzes Pigment zu Schokoladenbraun. Was dabei herauskommt, hängt von der Grundfarbe ab. Vier Schläge sind die Basis der amerikanischen Nomenklatur.
Gold Champagne entsteht auf einem Fuchs. Der Körper ist golden, Mähne und Schweif meist elfenbeinfarben. Es gibt dunklere Varianten, dann spricht man von Dark Gold, das Pferd wirkt insgesamt apricotfarben und das Langhaar ist nicht mehr deutlich heller. Gold Champagnes wurden früher „Palominos mit Kürbishaut“ genannt.
Amber Champagne entsteht auf einem Braunen. Der Körper ist golden, die Abzeichen sind schokoladenbraun statt schwarz. Die Beine sind oft heller als Mähne und Schweif, und das Langhaar kann hell umrandet sein, was man auch von Falben und manchen Buckskins kennt.
Sable Champagne entsteht auf einem Dunkelbraunen. Es ist von Classic Champagne optisch kaum zu unterscheiden, der Nachweis läuft über den Agouti-Test.
Classic Champagne entsteht auf einem Rappen. Der Körper ist schokoladenfarben, Mähne und Schweif dunkler, teils auch die Beine. Beschreibungen reichen von Lila über dunkles Taupe bis hin zu einem grünlichen Eindruck. Früher hieß diese Farbe „Lilac Dun“, weil man sie für einen Falben hielt.
Champagne in Kombination mit anderen Genen
Weil Champagne dominant ist und unabhängig von allen anderen Farbgenen wirkt, entsteht ein ganzer Katalog von Kombinationsfarben. Die wichtigsten:
Champagne mit einem Cream-Allel ist die häufigste Kombination. Die beiden Gene verstärken sich. Solche Pferde haben hellere, oft gelbliche oder bläuliche Augen und blassere, schwächer gesprenkelte Haut. Die Namen folgen dem Grundschema: Gold Cream (früher Ivory Champagne) auf Fuchsbasis, Amber Cream auf Braunbasis, Sable Cream, Classic Cream. Ein Amber Cream unterscheidet sich vom Perlino dadurch, dass seine Abzeichen deutlich dunkler sind.
Champagne mit zwei Cream-Allelen ist der Sonderfall, bei dem die Champagne-Merkmale verschwinden. Die Haut ist klar rosa ohne Sprenkel, die Augen sind hellblau. Von einem echten Cremello oder Perlino ist ein solches Pferd optisch nicht mehr zu unterscheiden, es kann das Champagne-Gen aber an die Hälfte seiner Nachkommen weitergeben.
Champagne mit dem Falbgen ergibt Pferde, die alle Wildzeichnungen mitbringen, also Aalstrich und oft Zebrastreifen, dazu die Champagne-Merkmale an Haut und Augen. Sie sind heller als normale Falben, und das schwarze Pigment ist schokoladenbraun statt schiefergrau. Die Namen laufen parallel: Gold Dun, Amber Dun, Sable Dun, Classic Dun.
Champagne mit Silver hellt zusätzlich nur das schwarze Pigment auf. Ergebnis sind oft überraschend rötlich oder buttrig wirkende Pferde mit hellem Langhaar.
Champagne mit dem Leopard-Komplex, also mit Tigerschecken-Anlagen, ergibt einen interessanten Effekt: Die champagne-typische Haut findet sich nur dort, wo die Haut sonst schwarz wäre.
Champagne mit Schimmel ist der auffälligste Fall. Solche Fohlen werden dunkler geboren als sonstige Champagne-Fohlen, haben aber die typischen blauen Augen und die rosa Haut. Die Sprenkelung, die sich später entwickelt, ist besonders dunkel und dicht. Und wenn diese Pferde im Alter die Fliegenschimmel-Sprenkelung entwickeln, sind die eingestreuten Härchen nicht rot, sondern champagnefarben, oft sehr dicht. Auch Vitiligo, also fortschreitender Pigmentverlust der Haut, scheint bei dieser Kombination häufiger aufzutreten.
Abgrenzung zu ähnlichen Farben
Palomino gegen Gold Champagne: die häufigste Verwechslung überhaupt. Beide sind golden mit hellem Langhaar. Beim erwachsenen Pferd entscheidet die Haut. Palominos haben graue bis schwarze Haut und braune Augen, Gold Champagnes rosa gesprenkelte Haut und Bernsteinaugen. Fohlen sind trügerisch, weil auch Palominos und sogar manche Füchse mit rosa Haut und blauen Augen geboren werden können. Bei ihnen dunkelt beides innerhalb von Tagen bis Wochen nach.
Buckskin und Falbe gegen Amber Champagne: Alle drei haben einen helleren Körper mit dunkleren Abzeichen. Entscheidend sind erstens Haut und Augen, zweitens die Farbe der Abzeichen. Beim Buckskin und beim Falben sind Mähne, Schweif und Beine schwarz, beim Amber Champagne schokoladenbraun. Der Falbe hat zusätzlich Aalstrich und Wildzeichnung.
Grullo gegen Classic Champagne: Beides sind aufgehellte Rappen mit graublauem bis taupefarbenem Eindruck. Der Grullo hat schwarze Haut, dunkle Augen, schwarze Abzeichen und Wildzeichnung. Der Classic Champagne hat gesprenkelte rosa Haut, helle Augen und braune Abzeichen ohne Aalstrich.
Rotfalbe gegen dunkles Gold Champagne: Der Rotfalbe hat Aalstrich und Wildzeichnung, dunkle Augen und dunkle Haut.
Cremello und Perlino gegen Champagne: Doppelcreams haben von Geburt an blasse blaue Augen und rosa Haut mit höchstens ein paar wenigen dunklen Tupfen, aber nicht die dichte Sprenkelung. Champagne-Fohlen haben kräftiger blaue Augen, die später auf Bernstein wechseln.
Tigerschecke gegen Champagne: Die Sprenkelung beim Leopard-Komplex besteht aus großen, blockigen Flecken zwischen normal pigmentierter und rosa Haut, dazu weiße Lederhaut ums Auge. Die Champagne-Sprenkel sind klein und zahlreich.
Pearl gegen Champagne: siehe oben. Homozygote Pearls und Pearl-Cream-Kombinationen haben ebenfalls gesprenkelte Haut, aber blasser, und der Erbgang ist der entscheidende Unterschied.
In allen Zweifelsfällen gilt: Der Blick auf die Eltern klärt schon die halbe Frage, der Gentest den Rest.
Geschichte: Champagne Lady Diane und die Zeit davor
Den Namen bekam die Farbe von einer Stute. Champagne Lady Diane, ein Tennessee Walking Horse, wurde 1969 geboren und war ein Classic Champagne. Ihre Besitzerin fand die Farbe wie Champagner, und Haarproben der Stute gingen an mehrere Universitäten, wo man sie als eine Art genetischen Farbunfall einordnete. Von dort stammt die Bezeichnung, die sich später weltweit durchgesetzt hat.
Neu war die Farbe damals allerdings nicht. Sie war nur nicht als eigene Farbe erkannt worden. Weil Gold Champagnes wie Palominos aussehen und Amber Champagnes wie Buckskins, wurden solche Pferde jahrzehntelang schlicht als Palomino oder Buckskin eingetragen. Es gab dafür sogar eigene Behelfsbegriffe: „Palomino mit Kürbishaut“ für Gold Champagne, „Lilac Dun“ für Classic Champagne. Die Palomino Horse Breeders Association, die Pferde nach Aussehen registriert, hat bis heute Sonderregelungen für Palominos mit gesprenkelter Haut und haselnussfarbenen Augen, ein direkter Nachhall dieser Zeit.
Wie weit die Mutation zurückreicht, ist nicht abschließend geklärt. Belegt ist, dass sie deutlich älter ist als Champagne Lady Diane: Die Gründerstute des American Cream Draft Horse, Old Granny, geboren um die Jahrhundertwende, trug die Farbe bereits mit allen typischen Merkmalen. Weil sich alle bekannten Champagne-Pferde offenbar auf dieselbe einzelne Mutation zurückführen lassen, geht man davon aus, dass sie im 19. Jahrhundert in Nordamerika entstanden ist. Ein früherer Nachweis existiert bislang nicht.
Für die Erfassung der Farbe wurden eigene Register gegründet, das International Champagne Horse Registry und die Champagne Horse Breeders and Owners Association. Sie haben die vier Grundschläge und die Kombinationsnamen definiert, die heute international verwendet werden, lange bevor es einen Gentest gab.
Das American Cream Draft Horse: eine Rasse auf einem Farbgen
Es gibt eine Pferderasse, deren gesamtes Erscheinungsbild auf diesem einen Gen beruht, und das ist die einzige in den USA entstandene Kaltblutrasse.
Am Anfang steht eine Stute unbekannter Abstammung: Old Granny, geboren um 1900, verkauft 1911 auf einer Farmauktion in Story County, Iowa. Sie war cremefarben mit rosa Haut und bernsteinfarbenen Augen, und sie brachte diese Farbe verlässlich an ihre Nachkommen weiter. Aus heutiger Sicht war sie ein Gold Champagne. Einige Züchter in Iowa begannen, gezielt auf diese Linie zu setzen, besonders nachdem 1932 ihr Ururenkel, der Hengst Silver Lace, geboren wurde, ein Pferd von rund 1,63 Metern Stockmaß und etwa 1.000 Kilogramm.
In den 1930er Jahren wurden die cremefarbenen Kaltblüter in der Gegend um Melbourne, Iowa, populär. Mitte der 1940er Jahre entstand ein eigenes Zuchtbuch, in dem der ganz überwiegende Teil der Gründungstiere direkt auf Old Granny zurückging. Dann kam die Mechanisierung der Landwirtschaft, die Zahlen brachen ein, und das Register lag jahrzehntelang still. 1982 wurde es wiederbelebt.
Bis heute ist die Rasse extrem selten. The Livestock Conservancy führt sie in der höchsten Gefährdungsstufe, es existieren nur wenige hundert registrierte Tiere, und die Zahl der jährlichen Neueintragungen liegt im niedrigen zweistelligen Bereich. Der Rassestandard schreibt Cremefarbe, rosa Haut, bernsteinfarbene Augen und weißes Langhaar vor, also exakt die Merkmale des Champagne-Gens auf Fuchsgrundfarbe.
Ein Punkt gehört zur Ehrlichkeit dazu, wird aber oft durcheinandergebracht: In der Rasse kommt die Erbkrankheit Junktionale Epidermolysis bullosa (JEB) vor, ein rezessiver Defekt, der bei Kaltblutrassen verbreitet ist und für betroffene Fohlen tödlich endet. Seit 2002 gibt es dafür einen Gentest, und das Register testet aktiv. Mit dem Champagne-Gen hat JEB nichts zu tun, es ist ein Erbe der eingekreuzten Belgier und anderer Kaltblüter.
Bei welchen Rassen Champagne vorkommt
Champagne ist im Vergleich zu Cream, das weltweit in unzähligen Rassen steckt, ausgesprochen selten und praktisch auf amerikanische Rassen beschränkt.
Belegt ist die Farbe beim American Cream Draft Horse, wo sie den Rassestandard bildet, beim Tennessee Walking Horse, beim American Saddlebred, beim Missouri Fox Trotter, beim Racking Horse, beim Kentucky Mountain Saddle Horse, beim Spanish Mustang, beim American Quarter Horse, beim American Paint Horse, beim Appaloosa und bei den Miniaturpferden.
Auffällig ist die Häufung bei den Gangpferderassen des amerikanischen Südostens. Das passt zu einer einzelnen Mutation, die im 19. Jahrhundert in einer regional begrenzten Population entstand und sich von dort über verwandte Zuchten ausbreitete.
In Europa ist Champagne selten und kommt vor allem über importierte Pferde ins Land, typischerweise über amerikanische Gangpferde, Quarter Horses, Paints und Miniaturpferde. In klassisch europäischen Rassen ist die Anlage nicht als ursprüngliches Vorkommen belegt. Wo in Anzeigen europäischer Pferde von Champagne die Rede ist, lohnt der Blick auf den Laborbefund, denn in aller Regel steckt dahinter eine Cream-, Pearl- oder Falbkombination.
Gesundheit
Für das Champagne-Gen selbst sind keine gesundheitlichen Folgen bekannt. Es ist mit keinem Defekt verknüpft, weder in einfacher noch in doppelter Ausführung, und es beeinträchtigt weder Augenfunktion noch Hufqualität. Die früher verbreitete Sorge, Pferde mit heller Haut und hellen Augen seien grundsätzlich anfälliger, hat sich für Champagne nicht bestätigt.
Zwei Punkte dazu im Detail. Erstens ist die rosa Haut des Champagne-Pferdes pigmentierte Haut und damit nicht mit der pigmentfreien Haut unter weißen Abzeichen gleichzusetzen; laut den Champagne-Registern bräunt sie in der Sonne. Das entbindet nicht davon, ein hellhäutiges Pferd bei starker Sonne im Blick zu behalten, besonders an der Nase. Zweitens hat die Hornfarbe der Hufe keinen belegten Einfluss auf deren Festigkeit, auch das eine alte Annahme, die sich in Untersuchungen nicht halten ließ.
Und noch einmal zur Klarstellung: Champagne ist kein Albinismus. Die Pigmentzellen sind vorhanden und arbeiten, sie produzieren nur weniger und blasseres Pigment.
Der Gentest
Getestet wird über ausgerissene Mähnen- oder Schweifhaare mit Wurzel, üblicherweise 20 bis 40 Stück. Der Test weist die Mutation c.188C>G in SLC36A1 direkt nach.
Angeboten wird er unter anderem vom Veterinary Genetics Laboratory der UC Davis, in Deutschland von Laboklin/Labogen und Generatio sowie von weiteren europäischen Laboren. Die Kosten für einen einzelnen Farbtest liegen je nach Anbieter meist zwischen etwa 40 und 60 Euro, weitere Tests aus derselben Probe sind günstiger.
Das Ergebnis kennt drei Varianten: kein Champagne-Allel, ein Champagne-Allel oder zwei Champagne-Allele. Da man einem Champagne-Pferd nicht ansieht, ob es eine oder zwei Kopien trägt, ist das die eigentliche Information, die der Test liefert. Ein homozygotes Champagne-Pferd bringt ausschließlich Champagne-Nachkommen, ein heterozygotes die Hälfte.
Sinnvoll ist die Kombination mit den übrigen Farbtests. Erst zusammen mit Extension, Agouti, Cream und Pearl ergibt sich das vollständige Bild, und erst dann lässt sich sicher sagen, ob ein goldenes Pferd mit heller Haut ein Gold Champagne, ein Palomino, ein Doppelpearl oder eine Cream-Kombination ist.
Häufige Fragen zum Champagne-Gen
Ist Champagne dasselbe wie Pearl?
Nein. Champagne sitzt im Gen SLC36A1 auf Chromosom 14 und wird dominant vererbt, eine Kopie reicht und ein Elternteil muss die Farbe selbst zeigen. Pearl sitzt im Gen SLC45A2 auf Chromosom 21 und wird rezessiv vererbt, eine Kopie ist unsichtbar und die Anlage kann Generationen überspringen. Optisch ähneln sich beide, die Champagne-Sprenkelung der Haut ist aber deutlich kräftiger.
Kann Champagne eine Generation überspringen?
Nein. Champagne ist dominant. Ein Pferd, das die Farbe zeigt, hat immer einen Elternteil, der sie ebenfalls zeigt. Wenn beide Eltern nachweislich kein Champagne sind, ist die Farbe des Fohlens etwas anderes.
Woran erkenne ich ein Champagne-Fohlen?
An der Kombination aus leuchtend rosa Haut und blauen bis blaugrünen Augen bei der Geburt, wobei das Fohlen selbst dunkel geboren wird und erst später aufhellt. Bei Palominos und Buckskins kann die Haut ebenfalls rosa sein, sie dunkelt aber innerhalb von Tagen bis Wochen nach, und die Augen werden braun. Beim Champagne-Fohlen bleibt die Haut rosa und beginnt zu sprenkeln, die Augen werden bernsteinfarben.
Ist ein Gold Champagne einfach ein besonders heller Palomino?
Nein, es sind zwei völlig verschiedene Gene. Palomino entsteht durch ein Cream-Allel auf Fuchsgrundfarbe, Gold Champagne durch das Champagne-Gen auf Fuchsgrundfarbe. Unterscheiden lassen sie sich beim erwachsenen Pferd an Haut und Augen: dunkle Haut und braune Augen beim Palomino, gesprenkelte rosa Haut und Bernsteinaugen beim Gold Champagne.
Gibt es Champagne-Pferde in Deutschland?
Ja, aber selten und fast ausschließlich über importierte Pferde amerikanischer Rassen, vor allem Gangpferde, Westernpferde und Miniaturpferde. In klassisch europäischen Rassen ist die Anlage nicht als ursprüngliches Vorkommen belegt.
Ist Champagne mit Krankheiten verbunden?
Nach heutigem Stand nicht. Es sind keine Defekte bekannt, die mit dem Gen zusammenhängen. Die beim American Cream Draft Horse vorkommende Erbkrankheit JEB stammt aus der Kaltblutabstammung der Rasse und hat mit der Farbe nichts zu tun.
Was bedeuten Gold, Amber, Sable und Classic?
Es sind die vier Grundschläge, je nach Grundfarbe darunter: Gold auf Fuchs, Amber auf Braun, Sable auf Dunkelbraun, Classic auf Rappe. Kommen weitere Gene dazu, wird der Name erweitert, etwa Gold Cream für Fuchs plus Champagne plus ein Cream-Allel oder Amber Dun für Braun plus Champagne plus Falbgen.
Kann ein Schimmel Champagne tragen?
Ja. Das Schimmelgen überlagert die Farbe, das Fohlen zeigt aber die typischen Merkmale, und die Haut sprenkelt später besonders dunkel und dicht. Auffällig ist die Fliegenschimmel-Sprenkelung im Alter, bei der die eingestreuten Härchen champagnefarben statt rot sind.
Sieht man einem Champagne-Pferd an, ob es eine oder zwei Kopien hat?
Praktisch nicht. Homozygote Pferde können etwas weniger Sprenkelung und ein leicht helleres Fell haben, verlässlich ist das nicht. Das beantwortet nur der Gentest.

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