Halsring beim Pferd: Reiten ohne Zaumzeug richtig aufbauen
Ein Halsring sieht nach Freiheit aus. Ein Seil um den Hals, kein Zaum, kein Zügel, und trotzdem geht das Pferd dorthin, wo der Reiter hin will. Genau dieses Bild führt viele in die Irre, denn der Ring selbst leistet dabei erstaunlich wenig. Er ist ein Fingerzeig, kein Lenkrad. Alles, was tatsächlich lenkt und anhält, hast Du schon lange vorher trainiert.
Dieser Beitrag nimmt das Thema von Grund auf auseinander: was ein Halsring am Pferdehals wirklich auslöst, woher er kommt, wie Du ihn Schritt für Schritt aufbaust, welche Bremse Du beim zaumlosen Reiten hast, welche Größe und welches Material zu Deinem Ziel passen, wie die Rechtslage im Gelände aussieht und was auf Turnieren erlaubt ist. Dazu die Fehler, die man am häufigsten sieht, und die Lösungen dafür.
Was ein Halsring ist
Ein Halsring ist ein geschlossener Ring aus Seil, Leder oder kunststoffummanteltem Material, der locker um den Pferdehals liegt, meist an der dicksten Stelle kurz vor dem Widerrist. Er hat keinen Verschluss am Genick und wird über den Kopf gestreift oder über einen Schiebeknoten in der Weite eingestellt. Der Reiter hält ihn mit einer Hand, wechselt die Hand nach Bedarf und gibt darüber kleine Impulse an die Halsseite oder nach vorn Richtung Brust.
Das Besondere daran liegt in dem, was fehlt: Es gibt keinen Punkt am Kopf, über den Du einwirken könntest. Kein Gebiss, kein Nasenrücken, kein Genick, keine Hebelwirkung. Damit fällt jede Form von körperlicher Kontrolle über den Kopf weg. Übrig bleibt ein Signal am Hals, das Dein Pferd vorher gelernt haben muss, plus alles, was Du über Sitz, Gewicht, Schenkel und Stimme sagen kannst.
Die klassische Ausführung besteht aus steifem, kunststoffüberzogenem Lassoseil. Diese Form hält ihre Rundung, springt nach einem Impuls von selbst wieder vom Hals weg und gibt dadurch ein klares Signal mit klarem Ende. Daneben gibt es weiche Ringe aus geflochtener Baumwolle, aus Leder, aus Paracord oder aus Biothane, die sich dem Hals anschmiegen und eher wie ein dauerhaft anliegender Kontakt wirken. Beide Bauarten haben ihre Berechtigung, sie fühlen sich für das Pferd aber unterschiedlich an. Dazu weiter unten mehr.
Halsring, Reitring, Cordeo, Halsriemen: die Begriffe sauber getrennt
Im Netz laufen fünf Begriffe durcheinander, die verschiedene Dinge meinen. Die Unterscheidung lohnt sich, weil Du sonst das falsche Teil kaufst.
Der Halsring im engeren Sinn ist der weiche oder halbsteife Ring, der lose um den Hals liegt. Er eignet sich zum Reiten, zum Führen, zur Bodenarbeit und zur Freiarbeit, gibt beim Reiten allerdings ein etwas weicheres, ungenaueres Signal.
Der Reitring oder Halsring mit festem Kern hat innen ein Stahlseil oder ein anderes formstabiles Material. Er behält seine Form, liegt selbst dann rund, wenn Du ihn loslässt, und lässt sich sehr gezielt an eine Halsseite legen. Für das Reiten ist das die präzisere Variante.
Cordeo ist schlicht das lateinisch klingende Wort für dasselbe Werkzeug und kommt aus der klassischen und barocken Ecke. Im englischen Sprachraum heißt es Neck Rope oder Neck Ring. Inhaltlich meint alles dasselbe: ein Strang um den Hals.
Der Halsriemen oder Mähnenriemen ist etwas völlig anderes. Er sitzt vorn am Hals nah am Genick oder wird in die Mähne geschnallt und dient als Haltegriff, damit ein Reiter beim Springen oder beim Angaloppieren die Balance findet, ohne am Maul zu hängen. Er lenkt nichts.
Die Halsringlonge schließlich ist ein Halsring mit angesetztem Seil. Sie kommt in der Boden- und Handarbeit zum Einsatz und dient als Brücke zwischen dem geführten Arbeiten und der freien Arbeit.
Woher der Halsring kommt
Der Halsring hat zwei Wurzeln, eine amerikanische und eine deutsche.
Die amerikanische liegt im Westernreiten. Dort lernt jedes Pferd das Neck Reining: Der Zügel wird an die äußere Halsseite gelegt, das Pferd weicht davon ab und wendet in die Gegenrichtung. Das ist eine reine Lernleistung, denn ein locker am Hals liegender Zügel zieht an keinem Knochen und dreht keinen Kopf. Das Pferd verbindet die Berührung mit einer Bewegung, weil es beides über Monate gemeinsam kennengelernt hat. Wer diesen Schritt einmal verstanden hat, versteht das Halsringreiten. Der Ring nimmt genau dieses gelernte Signal und lässt das Kopfstück weg. In der Arbeitsreiterei war der Strick um den Hals außerdem lange ein praktisches Sicherungsseil beim Anreiten junger Pferde, bevor sie überhaupt etwas am Kopf trugen.
Die deutsche Wurzel führt nach Reken im Münsterland. Ursula Bruns, geboren 1922 in Bocholt, gestorben 2016, hat den Halsring in der deutschen Freizeitreiterei bekannt gemacht. Sie gründete 1958 die Zeitschrift Pony-Post, aus der 1969 die Freizeit im Sattel wurde, war 1973 Mitgründerin der Vereinigung der Freizeitreiter und Freizeitfahrer und baute ab 1978 in Reken ein Reitzentrum auf, das für Zehntausende Erwachsene der Einstieg ins Reiten war. Gemeinsam mit der Erwachsenenpädagogin Inge Behr entwickelte sie die Bruns-Behr-Methode, aus der die Reitweise Leichtes Reiten hervorging. Zu den Lehrern in Reken gehörten unter anderem Linda Tellington-Jones und Jean-Claude Dysli.
Der Gedanke dahinter passt genau zum Halsring: Der Reiter sollte lernen, im ausbalancierten Sitz zu reiten und die Richtung über Gewicht und Schenkel anzugeben, statt sich am Zügel festzuhalten. Ein Ring um den Hals ist dafür das ehrlichste Werkzeug, das man einem Reitschüler in die Hand geben kann. Aus dieser Ecke stammt auch das Bild vom Halsring als Prüfstein: Er zeigt in zwei Minuten, wie viel von Deiner Hilfengebung tatsächlich aus dem Körper kommt.
Ab den 1990er Jahren kam die dritte Welle dazu, die Show- und Freiheitsarbeit. Seitdem gehört der Halsring fest zur Kür, zur Zirzensik und zu Vorführungen, und über Videoplattformen hat er ein Publikum weit außerhalb der Reitställe gefunden.
Wie ein Halsring wirkt: Signal statt Zug
Hier liegt der wichtigste Punkt des ganzen Themas. Ein Zügel am Gebiss wirkt körperlich. Ziehst Du, entsteht Druck auf Laden, Zunge und Maulwinkel, und das Pferd weicht diesem Druck aus. Der Halsring wirkt anders: Er löst eine gelernte Antwort aus.
Legst Du den Ring an die linke Halsseite, spürt Dein Pferd eine Berührung am Fell und an der Muskulatur. Diese Berührung enthält von sich aus keine Richtung. Sie bekommt ihre Bedeutung erst dadurch, dass Du sie in der Anfangsphase immer gemeinsam mit einer Hilfe gibst, die Dein Pferd bereits kennt, also Blick, Gewicht, Schenkel und in der Aufbauphase auch der Zügel. Nach vielen Wiederholungen reicht der Berührungsreiz allein, weil das Pferd gelernt hat, was danach kommt.
Daraus folgen drei Dinge für die Praxis.
Erstens zählt die Reihenfolge. Der Ring kommt als letzte Hilfe, nach Blick, Gewicht und Schenkel. Kommt er zuerst, lernt Dein Pferd, auf den Ring zu warten und Deine Körperhilfen zu überhören. Genau das willst Du beim Halsringreiten vermeiden.
Zweitens zählt das Nachgeben mehr als der Impuls. Ein Signal braucht einen Anfang und ein Ende. Legst Du den Ring an und lässt ihn dort liegen, verliert die Berührung ihre Aussage, weil das Pferd sich an einen Dauerreiz gewöhnt. Kurz anlegen, Reaktion abwarten, weich werden lassen: das ist das ganze Handwerk.
Drittens bringt Ziehen nichts ein. Ein Pferd wiegt ein Vielfaches von Dir, und die Halsmuskulatur gehört zum Kräftigsten, was es hat. Ein kräftiger Zug am Ring nach hinten löst deshalb keine Bremse aus, sondern drückt den Ring vorn gegen Luft- und Speiseröhre, stört die Balance und gibt Deinem Pferd etwas zum Dagegendrücken. Diesen Punkt betonen Ausbilder, die mit dem Halsring arbeiten, geschlossen: Der Ring wird angelegt, nicht gezogen.
Interessant ist eine Beobachtung aus der Ausbildungspraxis, die man selten hört. Wird ein Pferd am Gebiss schnell und der Reiter zieht, hat das Pferd einen festen Widerpart und kann sich daran festbeißen. Der Halsring bietet diesen Widerpart nicht in gleicher Weise, und manche Pferde werden dadurch tatsächlich eher wieder ansprechbar. Als Argument fürs Ausreiten ohne Zaum taugt das trotzdem nicht, denn es setzt ein Pferd voraus, das die Signale sicher kennt.
Wo der Ring liegt und was die Lage verändert
Die Standardposition ist die dickste Stelle des Halses kurz vor dem Widerrist. Dort sitzt der Ring stabil, Du erreichst ihn bequem, ohne Dich nach vorn zu lehnen, und Dein Sitz bleibt aufrecht. Für den Anfang ist das die richtige Wahl.
Je weiter Du den Ring Richtung Kopf schiebst, desto größer wird der Hebel und desto deutlicher spürt das Pferd jeden Impuls. Damit steigt auch das Risiko. Weiter oben liegt weniger Muskulatur über der Luftröhre, und ein unglücklicher Zug wirkt entsprechend härter. Für ein feines Signal brauchst Du diesen Hebel nicht, denn das Signal wirkt über die gelernte Bedeutung und nicht über Kraft.
Ein zu weit vorn gerutschter Ring hat außerdem eine praktische Tücke: Senkt Dein Pferd den Kopf zum Grasen, kann er nach vorn über den Hals rutschen. Deshalb gehört die richtige Weite zum Sicherheitsthema und nicht zum Modethema.
Was Du und Dein Pferd mitbringen solltet
Die ehrliche Eingangsfrage lautet: Kannst Du Dein Pferd anhalten, ohne die Zügel zu benutzen? Wenn Du das mit einem klaren Ja beantwortest und es an drei verschiedenen Tagen in drei verschiedenen Stimmungen zeigen kannst, bist Du auf der richtigen Spur.
Bei Dir sollte stehen: ein zügelunabhängiger Sitz, der auch bei einer Wendung im Trab ausbalanciert bleibt, saubere Gewichtshilfen, ein Schenkel, der treibt statt zu klammern, und die Fähigkeit, eine Hilfe zu geben und danach wirklich loszulassen.
Bei Deinem Pferd sollte stehen: Es geht in allen drei Grundgangarten sicher und losgelassen, es kennt Halten und Rückwärtsrichten aus dem Sitz, es reagiert auf ein Stimmsignal, und es kann in der Halle oder auf dem Platz ruhig arbeiten, auch wenn nebenan etwas passiert.
Erfahrene, gefestigte Pferde sind die besten Kandidaten. Ein Pferd, das seit Jahren dieselben Hilfen kennt, hat einen großen Vorrat an gelernten Antworten, auf den Du zurückgreifst. Junge Pferde, sehr schreckhafte Pferde und Pferde, die sich gerade in einer Korrekturphase befinden, gehören in eine spätere Etappe. Ihnen fehlt die Grundlage, auf der ein Ring am Hals überhaupt Bedeutung tragen kann.
Ein Punkt, den die meisten Ratgeber auslassen: Auch Deine Anlage entscheidet mit. Ein Reitplatz ohne Zaun, eine Halle, durch die andere Reiter jederzeit einreiten, ein Stall mit hoher Betriebsamkeit an der Bande, das alles sind schlechte Startbedingungen. Ein Roundpen oder eine leere, geschlossene Halle sind gute.
Deine Bremse beim Halsringreiten
Beim Reiten mit Zaum hast Du eine Notlösung, die fast immer funktioniert: einen Zügel aufnehmen, den Kopf zur Seite holen, das Pferd auf einen engen Kreis schicken. Diese Möglichkeit fällt mit dem Halsring weg. Deshalb baust Du Deine Bremse vorher auf, und zwar in drei Stufen.
Die erste Stufe ist das Stimmsignal. Ein einziges, immer gleiches Wort, immer in derselben tiefen, ruhigen Färbung, über Wochen an der Longe, an der Hand und im Sattel mit Zaum gefestigt, bis es allein steht. Alizée Froment, die ihre Lusitanos bis in die schwersten Lektionen gebisslos und mit Kordel reitet, nennt genau das als wichtigste Absicherung. Ein Stimmsignal wirkt auch dann noch, wenn Dein Pferd bereits in Bewegung ist und Deine Sitzhilfe untergeht.
Die zweite Stufe ist die Bahnfigur. Ein Pferd, das schneller wird, lässt sich über einen enger werdenden Zirkel wieder einfangen, weil eine Wendung Tempo kostet. Das setzt voraus, dass Deine Wendehilfe sitzt, und es ist der Grund, warum Wenden vor Anhalten trainiert wird.
Die dritte Stufe ist die Sicherungszäumung. Du reitest mit Trense oder Sidepull, die Zügel hängen lose durch, und Du fasst sie nur an, wenn es wirklich nötig wird. Stacy Westfall, die 2006 auf dem All American Quarter Horse Congress die Freestyle Reining ohne Zaum und ohne Sattel gewann, beschreibt genau dieses Vorgehen für die Trainingsphase: Zügel als Sicherheitsnetz, das man liegen lässt und im Zweifel aufnimmt. Wenn eine Reiterin auf diesem Niveau so arbeitet, ist es für den Rest von uns kein Zeichen von Zaghaftigkeit.
Ein Helfer am Boden mit Halfter und Strick ist die vierte Variante und eignet sich besonders für die ersten Einheiten ohne Zaum.
Der Aufbau in sechs Stufen
Rechne in Wochen, nicht in Tagen. Wie lange jede Stufe dauert, entscheidet Dein Pferd. Die Reihenfolge entscheidest Du.
Stufe eins: der Ring als bekanntes Ding. Lege Deinem Pferd den Ring beim Putzen um den Hals und lass ihn dort liegen, während Du Deine gewohnte Arbeit machst. Es soll ihn spüren, ohne dass etwas passiert. Manche Pferde reagieren beim ersten Mal empfindlich auf die Berührung am Hals, besonders Pferde mit dünnem Fell im Sommer.
Stufe zwei: Führen am Ring. Führe im Schritt, halte an, gehe wieder an, wende in beide Richtungen. Der Impuls kommt an die äußere Halsseite, Deine Körpersprache geht voraus, das Nachgeben folgt sofort. Wenn Halten und Wenden am Boden zuverlässig laufen, hat Dein Pferd die Grundbedeutung verstanden. Für viele Pferde sind das zwei bis vier Wochen mit kurzen Einheiten.
Stufe drei: Ring plus gewohnter Zaum im Sattel. Du reitest wie immer, hast den Ring zusätzlich am Hals und nimmst ihn in eine Hand. Jede Wendung bekommt jetzt die neue Reihenfolge: Blick, Gewicht, Schenkel, Ring, und erst danach, falls nötig, der Zügel. Über die Wochen brauchst Du den Zügel immer seltener.
Stufe vier: Zügel am Hals ablegen. Die Zäumung bleibt am Kopf, die Zügel hängen lose oder liegen locker um den Hals. Du reitest ganze Bahn, Zirkel, große Wendungen, Übergänge Schritt zu Trab und zurück, alles über Sitz und Ring. Sobald etwas nicht klappt, nimmst Du die Zügel auf, reitest die Sache sauber zu Ende und beginnst neu. Diese Stufe ist die längste und die wichtigste.
Stufe fünf: Zaum weg, Roundpen oder kleine geschlossene Halle. Erste Einheiten im Schritt, sehr kurz, mit Helfer am Boden, mit Helm. Beende die Einheit, solange sie gut ist. Fünf Minuten reichen für den ersten Tag.
Stufe sechs: mehr Raum, mehr Tempo. Trab erst, wenn der Schritt in allen Wendungen sitzt. Galopp erst, wenn der Trab sitzt. Größere Bahn erst, wenn die kleine sicher läuft. Draußen erst, wenn Du alles davor auch an einem windigen Tag mit fremdem Pferd auf dem Nachbarplatz hinbekommst, und dann mit Sicherungszäumung.
Die Hilfen im Einzelnen
Wenden. Du schaust in die neue Richtung und drehst den Oberkörper leicht mit. Dein Gewicht geht auf den inneren Gesäßknochen und in den inneren Steigbügel. Der äußere Schenkel liegt verwahrend hinter dem Gurt, der innere treibt am Gurt. Erst danach legst Du den Ring an die äußere Halsseite und gibst sofort wieder nach. Nach rechts heißt: Ring an die linke Halsseite. Nach links heißt: Ring an die rechte Halsseite.
Anhalten. Du atmest aus, wirst im Sitz ruhig und schwer, hörst mit der Bewegung des Beckens auf und gibst gleichzeitig Dein Stimmsignal. Der Ring kommt leicht nach vorn Richtung Brust, mehr als Erinnerung denn als Einwirkung. Bleibt Dein Pferd stehen, gib den Ring sofort frei und lobe.
Antraben und Angaloppieren. Hier arbeitet der Ring kaum mit. Du treibst wie gewohnt aus Sitz und Schenkel und lässt den Ring ruhig in der Hand liegen. Viele Pferde werden im ersten Galopp ohne Zaum schneller, weil ihnen die gewohnte Begrenzung nach vorn fehlt. Deshalb gehört der Galopp ans Ende des Aufbaus und in eine Umgebung, in der Tempo unkritisch bleibt.
Tempo im Trab. Verkleinere die Bewegung Deines Beckens, atme aus, denke langsamer. Ein Pferd, das den Trab über den Sitz reguliert bekommt, ist reif für den Halsring. Ein Pferd, das dafür bisher immer die Hand gebraucht hat, braucht noch Zeit.
Seitwärts und Lektionen. Schulterherein, Travers und Traversalen lassen sich am Halsring reiten, weil Seitengänge ohnehin überwiegend aus Sitz und Schenkel kommen. Es ist eine Frage der Ausbildungsstufe, keine Frage der Ausrüstung.
Typische Fehler
Der häufigste Fehler ist Ziehen. Es fühlt sich richtig an, weil die Hand es vom Zügel kennt, und es funktioniert am Hals nicht. Wer zieht, bekommt ein Pferd, das dagegen drückt, sich auf die Vorhand legt und schneller wird.
Der zweitgrößte Fehler ist der Dauerkontakt. Ein Ring, der ständig anliegt, sagt nichts mehr. Denke an einen Wecker, der pausenlos klingelt.
Der dritte Fehler ist die falsche Reihenfolge. Wer mit dem Ring anfängt und den Sitz nachschiebt, bildet ein Pferd aus, das ausschließlich auf den Ring hört. Damit hast Du den Zügel gegen ein Seil getauscht und sonst nichts gewonnen.
Der vierte Fehler ist zu viel auf einmal. Zaum weg, Sattel weg, Halle raus, alles am selben Tag: Das ist der klassische Weg zum Zwischenfall.
Der fünfte Fehler ist ein zu langer Ring. Ein Ring, der schlackert, gibt unklare Signale, rutscht bei gesenktem Kopf nach vorn und kann sich verhaken.
Der sechste Fehler betrifft die Nachbarn. Wer im vollen Abteilungsbetrieb ohne Zaum reitet, riskiert nicht nur die eigene Sicherheit. Kläre das mit dem Stall und such Dir eine ruhige Zeit.
Wenn es hakt: die häufigsten Probleme
Dein Pferd wird schneller. Fast immer steckt Balance dahinter, seltener Übermut. Ohne die gewohnte Anlehnung fällt manches Pferd auf die Vorhand und läuft dann eiliger. Arbeite mehr auf gebogenen Linien, reite viele Übergänge und gib den Ring nach jedem Impuls wirklich frei. Ein weicher Ring, der dauerhaft anliegt, verstärkt dieses Problem, ein formstabiler Ring mit klarem Weg vom Hals hilft.
Dein Pferd wendet nicht. Prüfe zuerst Deinen Sitz und ob Du gleichzeitig mit dem äußeren Schenkel verwahrst. Geh dann zurück in die Bodenarbeit und festige das Weichen vom Ring an der Hand, bevor Du es wieder im Sattel probierst.
Dein Pferd hält nicht an. Zurück zum Stimmsignal, und zwar an der Longe. Ein Wort, immer gleich, immer belohnt. Erst wenn es dort steht, kommt es zurück in den Sattel.
Dein Pferd drückt gegen den Ring. Das ist die Antwort auf zu viel Druck. Weniger geben, früher nachgeben, öfter loben.
Dein Pferd senkt den Kopf und grast. Sehr typisch draußen, weil die gewohnte Begrenzung fehlt. Löse das über Aufmerksamkeitsarbeit am Boden und nicht über einen kräftigeren Ring, und verlege die Übung zurück auf den Platz.
Dein Pferd reagiert zu Hause gut und woanders gar nicht. Pferde lernen ortsbezogen. Ein neuer Platz ist für Dein Pferd eine neue Aufgabe, auch wenn die Hilfen dieselben sind. Nimm dort die Sicherungszäumung wieder dazu und fang eine Stufe tiefer an.
Material und Machart
Steif mit festem Kern, also klassisches Lassoseil mit Kunststoffmantel oder ein innen mit Stahlseil verstärkter Ring: Dieser Typ hält die Form, liegt auch bei loser Hand rund um den Hals und lässt sich sehr genau an eine Seite legen. Er gibt das klarste Signal und ist die erste Wahl fürs Reiten. Nachteil: Er ist unhandlich beim Verstauen und drückt bei grober Hand deutlicher.
Weich geflochten aus Baumwolle: angenehm für Fell und Haut, griffig, biologisch abbaubar, gut für Bodenarbeit, Führen und Freiarbeit. Beim Reiten fällt das Signal weicher und ungenauer aus, weil das Seil dem Hals folgt statt wegzuspringen. Baumwolle saugt sich bei Regen voll.
Leder: langlebig, edel, für Vorführungen und Kür beliebt, oft breiter geschnitten und dadurch gut in der Hand. Braucht Pflege, mag Dauerregen wenig.
Paracord und PP-Seil: wetterfest, abriebfest, günstig, in jeder Farbe zu haben. Achte auf eine glatte Oberfläche, damit die Mähne am Ansatz nicht bricht.
Biothane: pflegeleicht, abwaschbar, für Matschwetter praktisch, in der Hand etwas glatter.
Auf zwei Dinge lohnt sich der Blick unabhängig vom Material. Erstens auf die Verstellbarkeit, meist über einen Schiebeknoten oder ein verschiebbares Lederteil. Zweitens auf die Griffigkeit, denn Du hältst den Ring einhändig, oft über eine ganze Reiteinheit, und ein glattes dünnes Seil rutscht in der Hand.
Die richtige Größe finden
Miss am Pferd, nicht nach Stockmaß. Lege einen Strick genau dort um den Hals, wo der Ring später liegen soll, also kurz vor dem Widerrist parallel zur Schulter bis vorn zur Brust. Nimm die Weite so, dass der Strick vorn ohne Spannung anliegt, und miss diese Länge aus.
Zu dieser Länge kommt Spielraum dazu, damit der Ring locker liegt und Du ihn bequem in die Hand bekommst. Wie viel, hängt vom Verwendungszweck ab: Für einen Reitring, den Du gezielt an die Halsseite legen willst, reicht eine Handbreit Luft, damit der Weg vom Hals kurz bleibt und der Impuls sofort ankommt. Für einen weichen Führ- und Bodenarbeitsring darf es großzügiger sein.
Im Zweifel eine Nummer größer bestellen und über den Knoten enger stellen. Ein zu kleiner Ring drückt dauerhaft, ein zu großer schlackert, rutscht bei gesenktem Kopf nach vorn und liefert unsaubere Signale. Ponys, Kaltblüter und Pferde mit kräftigem Halskamm brauchen deutlich andere Maße als ein schmales Warmblut, deshalb ist das Ausmessen jedes Mal fällig.
Eine feste Regel gilt für alle Bauarten: An einem Halsring wird niemals angebunden. Er lässt sich nicht öffnen, das Material reißt bei einem Pferd, das sich losreißt, nicht rechtzeitig, und die Belastung liegt genau um den Hals.
Halsring selber machen
Das Grundmodell ist in zwanzig Minuten fertig und kostet ein paar Euro. Du brauchst ein Seil aus dem Baumarkt, für ein Warmblut je nach Machart etwa drei Meter, dazu ein Maßband, eine Schere und ein Feuerzeug zum Verschmelzen der Enden bei Kunststoffseil.
Leg das Seil in einen Kreis, so dass sich beide Enden ein Stück überlappen. Verknote jedes Ende um den gegenüberliegenden Seilstrang, so dass zwei verschiebbare Knoten entstehen. Durch Verschieben stellst Du die Weite ein. Das ist derselbe Knoten, den man von längenverstellbaren Lederketten kennt.
Wer es formstabil möchte, arbeitet ein gedrehtes Stahlseil in ein Hohlgeflecht ein und sichert die Enden. Wer flechten mag, arbeitet mit mehreren dünnen Schnüren in Wunschfarben. Für die Bastelrunde mit Kindern eignet sich Paracord besser als Wolle, weil Wolle verknotet.
Prüfe das Ergebnis vor dem ersten Einsatz: keine harten Kanten, keine hervorstehenden Enden, nichts, worin sich ein Huf oder ein Finger verfangen kann, und ein Knoten, der unter Belastung hält.
Der Halsring am Boden
Der Ring kann viel mehr, als nur den Zaum zu ersetzen.
Beim Führen ersetzt er das Halfter für kurze Wege auf dem eigenen Hof und schult Dein Pferd darin, Deiner Körpersprache zu folgen statt einem Zug am Kopf.
In der Handarbeit gibt er Dir eine Verbindung, die den Kopf frei lässt. Gerade bei Pferden, die am Halfter oder Kappzaum empfindlich reagieren, lohnt der Versuch.
An der Halsringlonge arbeitest Du auf dem Zirkel mit einer Verbindung am Hals statt am Kopf. Das ist die klassische Brücke zur Freiarbeit.
In der Freiarbeit dient er als Bindeglied: Du hast eine leichte Verbindung, kannst sie jederzeit weglassen, und Dein Pferd erlebt beide Formen als dasselbe Spiel.
Der Halsring zusätzlich zum Zaum
Für viele Reiter ist das die interessanteste Anwendung, weil sie den Alltag verbessert, ohne dass jemals der Zaum abgenommen wird.
Als Sitzschulung deckt der Ring gnadenlos auf, wo Deine Hilfen aus der Hand kommen statt aus dem Körper. Reite eine Runde, bei der die Zügel liegen bleiben und alle Wendungen über Sitz und Ring laufen. Was danach noch nicht klappt, ist Deine Trainingsliste für die nächsten Wochen.
Für Pferde, die sich auf die Hand legen, ist er ein Weg, wieder Selbsttragen anzubieten. Ohne festen Punkt vorn muss das Pferd seine Balance selbst finden. Das gelingt nur mit passender gymnastizierender Arbeit daneben, taugt aber als Prüfstein.
In der Lösephase und am Ende der Einheit sorgt er für ein paar entspannte Minuten mit einem klaren Ortswechsel im Kopf.
Zur Verfeinerung bekannter Lektionen taugt er ebenfalls, weil jede Hilfe kleiner werden muss, damit sie ankommt.
Für welche Pferde der Halsring passt
Gut geeignet sind erfahrene, ausgeglichene Pferde mit solider Grundausbildung, die auf Sitz und Stimme sicher reagieren. Rasse und Reitweise spielen kaum eine Rolle. Der Halsring läuft im Westernsattel genauso wie im Dressursattel, bei Isländern, Barockpferden, Warmblütern und Ponys.
Zeit brauchen dagegen junge Pferde in der Grundausbildung, sehr schreckhafte Pferde, Pferde in einer Korrekturphase und Pferde, die gerade erst gebisslos umgestellt wurden. Für all diese gilt: erst die Basis über die gewohnte Zäumung festigen, danach den Ring dazunehmen.
Ein eigener Gedanke gilt älteren Pferden. Sie sind wegen ihrer Erfahrung oft hervorragende Kandidaten. Achte gleichzeitig auf Sehkraft und Hörvermögen, denn ein Pferd, das schlechter sieht, verlässt sich stärker auf die Signale, die es sicher versteht, und braucht dafür Ruhe und einen vertrauten Platz.
Sicherheit
Helm auf, jedes Mal. Beim Reiten ohne Zaum gilt das doppelt, weil Dir eine Rückfallebene fehlt.
Umzäunter Platz, geschlossene Halle oder Roundpen. Ein offener Platz ohne Zaun ist kein Ort für die ersten Monate.
Eine zweite Person am Platz, gerade in der Anfangsphase. Sie kann eingreifen, und sie kann Dir sagen, was von außen aussieht wie eine saubere Hilfe.
Bekannte Umgebung. Neue Plätze, Turnierbetrieb, fremde Pferde und Wind gehören in eine spätere Phase.
Kurze Einheiten. Fünf bis zehn Minuten am Anfang, mit einem Abschluss, solange es gut läuft.
Sattel mit gutem Halt. Wer zusätzlich ohne Sattel reiten möchte, macht daraus einen eigenen Trainingsschritt und nicht denselben Tag.
Tagesform beachten. Rossigkeit, Sturm, Fellwechsel, Futterumstellung, erste kalte Tage nach dem Sommer: An solchen Tagen bleibt der Zaum am Kopf.
Halsring im Gelände und im Straßenverkehr
Hier wird es rechtlich ernst, und genau darüber schweigen die meisten Beiträge.
Für öffentliche Straßen und Wege gilt in Deutschland die Straßenverkehrsordnung. Nach Paragraf 28 StVO dürfen Tiere am Verkehr nur teilnehmen, wenn sie von geeigneten Personen begleitet oder geritten werden, die auf sie ausreichend einwirken können. Für Reiter gelten sinngemäß dieselben Regeln wie für Fahrzeuge. Ob ein Pferd, das ausschließlich einen Ring um den Hals trägt, diese Anforderung erfüllt, entscheidet im Streitfall niemand vorab, sondern hinterher jemand, der einen Unfall bewertet. Kommt es zu einem Schaden, steht die Frage im Raum, ob Du in der Lage warst, ausreichend einzuwirken.
Dazu kommt die Tierhalterhaftung. Für Schäden, die Dein Pferd verursacht, haftest Du als Halter grundsätzlich auch ohne eigenes Verschulden. Genau dafür gibt es die Pferdehaftpflicht. Ob gebissloses Reiten, Reiten ohne Sattel und Reiten mit Halsring mitversichert sind, steht im Bedingungswerk Deines Vertrags. Manche Versicherer schließen das ausdrücklich ein, andere schweigen dazu. Ein kurzer Anruf oder eine Mail an Deinen Versicherer bringt Klarheit, und die schriftliche Antwort hebst Du auf.
Praktisch heißt das: Auf dem eigenen umzäunten Platz und in der eigenen Halle bist Du frei. Sobald Du öffentliche Wege benutzt, gehört eine Zäumung an den Kopf, mindestens als Sicherung mit durchhängenden Zügeln. Das ist keine Frage der Reitkunst, sondern die Rücksicht auf Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer, die von Deinem Trainingsstand nichts wissen.
Halsring auf dem Turnier
Auch das steht in kaum einem Ratgeber, dabei ist es eine der besseren Nachrichten für Halsringreiter.
Mit der Wettbewerbsordnung für den Breitensport von 2018 hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung einen eigenen Block mit Wettbewerben eingeführt, die ausschließlich mit gebissloser Zäumung oder mit Halsring geritten werden. Als gebisslose Zäumungen sind dort Sidepull, Bosal, also das kalifornische Hackamore, und Knotenhalfter zugelassen, also Zäumungen ohne Verengungsmechanismus und ohne Hebel. Für den Halsring gibt es eigene Wettbewerbe, getrennt von den gebisslosen.
Drei Vorgaben aus diesem Regelwerk sind auch fürs Training aufschlussreich, weil sie zeigen, wie ein Verband das Risiko einschätzt: In den Halsring-Wettbewerben ist zusätzlich eine zugelassene Zäumung vorgeschrieben, die bei Bedarf zum Einsatz kommt. Geritten wird auf einem fest umzäunten Platz. Und es wird mit Sattel geritten.
Für die Leistungsprüfungen nach LPO, also den klassischen Turniersport in Dressur, Springen und Vielseitigkeit, gilt weiterhin der Ausrüstungskatalog mit Trense beziehungsweise Kandare. Der Halsring hat dort keinen Platz.
Im Westernsport sieht es anders aus. In der Freestyle Reining, der Kür mit eigener Choreografie und Musik, ist zaumloses Reiten seit Jahrzehnten ein fester Programmpunkt. Auf Schauen, in Quadrillen und in offenen Küren für alle Reitweisen ist der Halsring ebenfalls gern gesehen.
Wer starten möchte, liest die Ausschreibung und die aktuelle Fassung des Regelwerks, denn Ausrüstungsvorgaben werden regelmäßig überarbeitet.
Reiter, die den Halsring bekannt gemacht haben
Ursula Bruns hat ihn in Deutschland aus der Kuriositätenecke geholt und in die Reitschule gebracht, mit der Begründung, dass ein Reiter erst dann wirklich reitet, wenn er die Richtung aus dem Körper angibt.
Stacy Westfall wurde 2006 weltweit bekannt, als sie beim All American Quarter Horse Congress die Freestyle Reining ohne Zaum und ohne Sattel auf der Quarter-Horse-Stute Whizards Baby Doll, genannt Roxy, gewann, mit dem höchsten bis dahin vergebenen Ergebnis. Im selben Jahr gewann sie als erste Frau den Anreitwettbewerb Road to the Horse. Ihr Video machte das zaumlose Reiten über die Reiterwelt hinaus bekannt. Bemerkenswert an ihrer Geschichte ist, dass Roxy als junges Pferd ausgesprochen schreckhaft war. Es ist eine Ausbildungsgeschichte, keine Charakterfrage.
Alizée Froment aus Frankreich reitet ihre Lusitano-Hengste, allen voran Mistral du Coussoul, seit Jahren gebisslos und in der freien Vorführung nur mit einer Kordel um den Hals, bis in die Lektionen der Hohen Schule. Sie sagt selbst, dass sie mit Gebiss und ohne dieselben Dinge trainiert und die Kandare nur benutzt, weil Turnierreglements sie verlangen.
Uta Gräf hat in Deutschland gebisslose Vorführungen auf großen Veranstaltungen geritten und damit gezeigt, dass Anlehnung eine Frage der Ausbildung ist und nicht des Materials. Und im deutschen Turnierlager taucht immer wieder der Hinweis auf, dass auch Vielseitigkeitsreiterinnen wie Ingrid Klimke den Halsring als Werkzeug zur Verfeinerung nutzen.
Was der Halsring über Deine Ausbildung verrät
Am Ende ist das der eigentliche Wert. Ein Halsring ist ein Messgerät. Er zeigt Dir in wenigen Minuten, wie viel von Deiner Verständigung mit dem Pferd tatsächlich im Körper steckt und wie viel bisher über die Hand lief.
Deshalb lohnt er sich auch für Reiter, die niemals ganz ohne Zaum reiten möchten. Nimm ihn zusätzlich, leg die Zügel hin, reite drei Wendungen und einen Übergang. Was dabei herauskommt, ist ehrlich. Der Rest ist Trainingsplan.
Häufige Fragen zum Halsring
Was bringt ein Halsring beim Pferd?
Er ersetzt beim zaumlosen Reiten Zaum und Zügel durch ein Signal am Hals und macht damit sichtbar, wie gut Sitz-, Gewichts- und Schenkelhilfen ankommen. Zusätzlich zum Zaum geritten dient er als Sitzschulung, als Prüfstein für die Feinheit der Hilfen und als Abwechslung am Ende einer Einheit.
Wie lenkt man ein Pferd mit Halsring?
In dieser Reihenfolge: Blick in die neue Richtung, Gewicht auf den inneren Gesäßknochen, äußerer Schenkel verwahrend, innerer Schenkel treibend, und erst danach der Ring leicht an die äußere Halsseite, gefolgt von sofortigem Nachgeben. Nach rechts liegt der Ring links am Hals, nach links liegt er rechts.
Wie hält man mit Halsring an?
Über Ausatmen, ruhigen und schweren Sitz, das gewohnte Stimmsignal und einen leichten Impuls des Rings nach vorn Richtung Brust. Die eigentliche Bremse ist das trainierte Halten aus dem Sitz. Kräftiges Ziehen am Ring drückt vorn auf Luft- und Speiseröhre und stört die Balance.
Kann jedes Pferd mit Halsring geritten werden?
Voraussetzung sind eine solide Grundausbildung, Losgelassenheit und zuverlässige Reaktionen auf Sitz, Schenkel und Stimme. Erfahrene, gefestigte Pferde eignen sich am besten. Junge, sehr schreckhafte Pferde und Pferde in einer Korrekturphase brauchen erst die Basis über die gewohnte Zäumung.
Wie lange dauert es, bis ein Pferd am Halsring geht?
Rechne in Wochen bis Monaten. Allein die Bodenarbeit am Ring braucht bei vielen Pferden zwei bis vier Wochen, die Phase mit Ring und Zaum im Sattel deutlich länger. Das Tempo bestimmt Dein Pferd über seine Zuverlässigkeit, nicht der Kalender.
Wie groß muss ein Halsring sein?
Miss mit einem Strick genau an der Stelle, an der der Ring liegen soll, also kurz vor dem Widerrist bis vorn zur Brust, und rechne Spielraum dazu, damit er locker liegt und gut in der Hand liegt. Verstellbare Modelle mit Schiebeknoten sind praktisch. Im Zweifel größer wählen und enger stellen.
Welcher Halsring eignet sich zum Reiten?
Zum Reiten eignet sich ein formstabiler Ring mit festem Kern am besten, weil er nach einem Impuls von selbst wieder vom Hals weggeht und dadurch ein klares Signal mit klarem Ende gibt. Weiche Baumwoll- oder Lederringe passen besser zu Bodenarbeit, Führen und Freiarbeit.
Kann man mit Halsring ausreiten?
Auf öffentlichen Wegen gehört eine Zäumung an den Kopf, mindestens als Sicherung mit durchhängenden Zügeln. Nach Paragraf 28 StVO dürfen Pferde am Verkehr nur teilnehmen, wenn die begleitende Person ausreichend auf sie einwirken kann. Dazu kommt die Frage, was Deine Pferdehaftpflicht abdeckt.
Darf man auf dem Turnier mit Halsring reiten?
In der Wettbewerbsordnung für den Breitensport gibt es seit 2018 eigene Wettbewerbe mit Halsring, dort mit zusätzlich vorgeschriebener zugelassener Zäumung, auf fest umzäuntem Platz und mit Sattel. In den Leistungsprüfungen nach LPO gilt weiterhin der Ausrüstungskatalog mit Trense oder Kandare. Im Westernsport ist zaumloses Reiten in der Freestyle Reining üblich.
Was ist der Unterschied zwischen Halsring und Cordeo?
Beides meint dasselbe Werkzeug. Cordeo ist die Bezeichnung aus der klassischen und barocken Reiterei, im Englischen heißt es Neck Rope. Ein Halsriemen oder Mähnenriemen ist dagegen etwas anderes: ein Haltegriff für den Reiter, der keine Lenkfunktion hat.
Ist Halsringreiten gefährlich?
Es ist genau so sicher wie die Vorbereitung dahinter. Auf umzäuntem Platz, mit Helm, mit Stimmsignal, mit Helfer am Boden und nach wochenlangem Aufbau ist es ein normaler Trainingsschritt. Ohne diese Vorbereitung fehlt jede Rückfallebene, und im Gelände kommt Verantwortung gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern dazu.
Kann ich meinen Halsring auch zum Anbinden nutzen?
Der Halsring wird ausschließlich zum Führen, Arbeiten und Reiten genutzt. Zum Anbinden gehört er nicht, denn er lässt sich nicht öffnen, das Material hält großen Zug aus, und die Belastung liegt rund um den Hals.

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