Der leichte Sitz

Leichter Sitz beim Reiten: So lernst du ihn richtig

Der leichte Sitz beim Reiten gehört zu den Grundlagen, die eigentlich jeder Reiter beherrschen sollte. Nicht nur Springreiter. Nicht nur Vielseitigkeitsreiter. Und auch nicht erst dann, wenn irgendwann das erste Hindernis vor der Pferdenase steht.

Ein guter leichter Sitz verbessert dein Gleichgewicht, macht dein Bein unabhängiger, schult deine Körperkontrolle und erlaubt dir, dich den Bewegungen deines Pferdes anzupassen, ohne dich am Zügel festhalten zu müssen. Gleichzeitig kann dein Pferd seinen Rücken freier bewegen, weil du nicht bei jedem Bewegungsimpuls mit deinem gesamten Gewicht in den Sattel zurückkommst.

Genau deshalb gehört der leichte Sitz für mich bereits in die grundlegende Sitzschulung.

Das Interessante daran: Von außen sieht er ziemlich simpel aus.

Steigbügel etwas kürzer, Hintern hoch, Oberkörper etwas nach vorne. Fertig.

Leider nein.

Wer lediglich aufsteht und sich nach vorne beugt, sitzt noch lange nicht im Gleichgewicht. Im schlechtesten Fall hängt der Reiter anschließend über dem Pferdehals, klemmt mit den Knien, verliert seine Unterschenkel nach hinten und benutzt die Zügel als Sicherheitsgurt.

Ein wirklich guter leichter Sitz fühlt sich vollkommen anders an: Du trägst dich selbst.

Und genau darum geht es.

Was ist der leichte Sitz beim Reiten?

Beim leichten Sitz hebt der Reiter sein Gesäß aus dem Sattel und verändert gleichzeitig seine gesamte Körperposition so, dass sein eigener Schwerpunkt weiterhin über seiner Unterstützungsfläche bleibt.

Der Hüftwinkel wird kleiner, Knie und Sprunggelenke bleiben elastisch gebeugt und der Oberkörper kommt je nach Situation mehr oder weniger nach vorne.

Entscheidend ist jedoch nicht, wie weit du dich vorbeugst.

Entscheidend ist dein Gleichgewicht.

Du solltest den leichten Sitz theoretisch auch dann halten können, wenn du die Hände nicht am Pferdehals oder an den Zügeln abstützt. Dein Pferd trägt schließlich bereits dein Körpergewicht. Es sollte nicht zusätzlich dafür zuständig sein, dich über sein Maul im Gleichgewicht zu halten.

Der leichte Sitz ist deshalb weniger eine bestimmte Pose als eine bewegliche Balanceposition.

Je nach Tempo, Gelände und Aufgabe verändert sie sich.

Bei einem ruhigen Galopp über einen ebenen Weg sieht der leichte Sitz anders aus als über einem Sprung. Beim Bergaufreiten brauchst du wiederum eine andere Position. Und bei einem kleinen Cavaletti musst du dich keineswegs in eine Haltung werfen, als würdest du gerade beim CHIO über einen Zwei-Meter-Oxer fliegen.

Das Ziel bleibt immer gleich:

Du passt deinen Körper der Bewegung des Pferdes an, ohne dessen Balance unnötig zu stören.

Warum heißt der leichte Sitz eigentlich „leicht“?

Du wirst natürlich nicht plötzlich zehn Kilogramm leichter, nur weil dein Hintern den Sattel verlässt.

Der Begriff kann deshalb etwas irreführend sein.

Beim tiefen Sitz wird ein erheblicher Teil des Reitergewichts über Gesäß und Sitzbeinhöcker in den Sattel übertragen. Im leichten Sitz verändert sich diese Belastung. Mehr Gewicht wird über Oberschenkel, Kniebereich, Unterschenkel und Steigbügel aufgenommen beziehungsweise über den Sattel anders verteilt.

Vor allem aber entfällt das direkte Einsitzen des Beckens.

Das ist beispielsweise bei schnelleren Bewegungen, über Hindernissen oder in bestimmten Geländesituationen wichtig. Das Pferd kann seinen Rücken bewegen, ohne dass der Reiter jede größere Bewegung aussitzen muss.

„Leicht“ bedeutet also nicht gewichtslos.

Es bedeutet vor allem: Der Reiter nimmt sein Gesäß aus dem Sattel und passt seine eigene Bewegung so an, dass der Pferderücken mehr Bewegungsfreiheit bekommt.

Wofür braucht man den leichten Sitz?

Der leichte Sitz wird häufig mit dem Springreiten verbunden. Dort ist er unverzichtbar, aber sein Einsatzgebiet ist wesentlich größer.

Du brauchst ihn unter anderem:

  • beim Springen und in der Vorbereitung darauf,
  • über Cavaletti und Bodenricks,
  • beim Galoppieren im Gelände,
  • auf längeren Galoppstrecken,
  • bei höherem Tempo,
  • beim Bergaufreiten,
  • auf wechselndem oder unebenem Boden,
  • bei der Ausbildung junger Pferde,
  • zur zeitweisen Entlastung des Pferderückens,
  • zur Sitzschulung des Reiters,
  • zur Verbesserung von Gleichgewicht und Beinlage.

Gerade für Freizeitreiter ist der leichte Sitz deshalb keineswegs irgendeine Spezialtechnik aus dem Springsport.

Wer regelmäßig ausreitet, sollte ihn sicher beherrschen.

Der leichte Sitz im Galopp

Besonders häufig begegnet uns der leichte Sitz im Galopp.

Und hier zeigt sich sehr schnell, ob der Reiter tatsächlich ausbalanciert ist.

Das Pferd bewegt seinen Körper im Galopp deutlich anders als im Schritt oder Trab. Wer dabei tief im Sattel bleibt, muss diese Bewegung mit Becken und Rumpf geschmeidig begleiten können.

Im leichten Sitz löst du dein Gesäß dagegen vom Sattel. Deine Gelenke übernehmen einen Teil der Bewegung.

Dabei solltest du nicht stocksteif über dem Pferd schweben.

Hüfte, Knie und Sprunggelenke bleiben beweglich. Dein Körper federt die Bewegung des Pferdes ab, ohne ständig sichtbar hoch und runter zu wippen.

Das Bild eines Stoßdämpfers passt hier ziemlich gut: Ein Stoßdämpfer ist weder weich wie Pudding noch starr wie eine Eisenstange.

Genau diese Mischung brauchst du.

Der leichte Sitz im Gelände

Im Gelände wird der leichte Sitz besonders wertvoll.

Ein Reitplatz ist vergleichsweise vorhersehbar. Ein Feldweg eher nicht. Dort kommen Bodenwellen, kleine Gräben, Steigungen, Gefälle, tiefere Stellen oder plötzlich veränderte Bodenverhältnisse hinzu.

Ein ausbalancierter leichter Sitz ermöglicht dir, deinen eigenen Schwerpunkt schnell anzupassen.

Besonders bei einem flotteren Galopp solltest du nicht versuchen, jede Bewegung tief auszusitzen. Je stärker die Bewegung des Pferdes wird, desto wichtiger wird die Fähigkeit, dich selbst zu tragen.

Dabei bedeutet leichter Sitz keineswegs:

Oberkörper auf den Hals und ab dafür.

Gerade im Gelände muss dein Schwerpunkt kontrolliert bleiben. Wenn dein Pferd plötzlich langsamer wird, einen Satz zur Seite macht oder über eine Unebenheit springt, solltest du nicht sofort auf seinem Hals landen.

Ein einfacher Test lautet deshalb:

Könntest du aus dieser Position heraus eine unerwartete Bewegung des Pferdes abfangen, ohne dich am Zügel festzuhalten?

Wenn die Antwort Nein lautet, bist du wahrscheinlich zu weit vor deinem eigenen Schwerpunkt.

Leichter Sitz beim Bergaufreiten

Beim Bergaufreiten verändert sich die Lage des Pferdekörpers. Der Reiter muss darauf reagieren.

Je stärker die Steigung wird, desto mehr solltest du darauf achten, den Rücken des Pferdes nicht durch einen schweren, nach hinten wirkenden Sitz zusätzlich zu belasten.

Dein Oberkörper kommt entsprechend nach vorne, während dein Schwerpunkt weiterhin ausbalanciert bleibt.

Ein häufiger Fehler besteht darin, einfach den gesamten Oberkörper nach vorne zu werfen.

Das ist keine Entlastung, sondern eine Schwerpunktverlagerung Richtung Pferdeschulter.

Stell dir stattdessen vor, dass sich deine Gelenkwinkel verändern, während du über deinen Füßen beziehungsweise Steigbügeln ausbalanciert bleibst.

Dein Gesäß bewegt sich dabei eher nach hinten, während sich dein Oberkörper nach vorne neigt.

Dadurch entsteht Balance.

Leichter Sitz und Entlastungssitz: Was ist der Unterschied?

Hier wird es sprachlich etwas unordentlich.

Die Begriffe leichter Sitz und Entlastungssitz werden in Reitlehre und Reitunterricht nicht überall vollkommen einheitlich voneinander abgegrenzt. Teilweise wird der Entlastungssitz als weniger ausgeprägte Form beschrieben, bei der das Gesäß noch sehr leichten Kontakt zum Sattel behält. Andere Lehrsysteme beschreiben verschiedene Abstufungen des leichten Sitzes beziehungsweise verwenden die Begriffe etwas anders.

Für den Reiter ist deshalb wichtiger, das Prinzip zu verstehen als über Zentimeter zwischen Reithose und Sattel zu diskutieren.

Beim tiefen Sitz befindet sich das Gesäß deutlich im Sattel.

Bei einer zunehmenden Entlastung wird der Druck über das Gesäß reduziert.

Im ausgeprägten leichten Sitz befindet sich das Gesäß über dem Sattel und der Reiter trägt sich deutlich stärker über Beine und Steigbügel.

Diese Positionen sind keine drei Schubladen, zwischen denen du während des Reitens herumspringen musst.

Ein guter Reiter kann stufenlos zwischen ihnen wechseln.

Genau das ist später entscheidend.

Wie sieht ein korrekter leichter Sitz aus?

Beginnen wir unten, denn dort liegt das Fundament.

Der Fuß

Der Steigbügel liegt im Bereich des Fußballens. Die Ferse darf leicht tiefer liegen, sollte aber nicht mit Gewalt nach unten gedrückt werden.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

„Absatz tief!“ gehört zu den ältesten Kommandos auf deutschen Reitplätzen. Wird daraus jedoch ein krampfhaftes Herunterdrücken der Ferse, versteift sich häufig das gesamte Bein.

Das Sprunggelenk soll federn können.

Der Unterschenkel

Der Unterschenkel bleibt möglichst ruhig am Pferd.

Er darf nicht weit nach hinten rutschen, sobald du dein Gesäß anhebst.

Genau das passiert jedoch vielen Reitern.

Der Grund liegt häufig weiter oben: Sie klappen den Oberkörper einfach nach vorne und schieben gleichzeitig das Gesäß hoch. Dadurch kippt ihr Gleichgewicht. Das Bein wandert nach hinten und die Hände suchen vorne Halt.

Ein stabiler Unterschenkel ist deshalb ein hervorragender Hinweis darauf, ob dein leichter Sitz tatsächlich ausbalanciert ist.

Das Knie

Das Knie liegt am Sattel, darf aber nicht klemmen.

Klemmst du dich mit den Knien fest, wird das Knie zum Drehpunkt deines Körpers. Der Unterschenkel verliert seinen ruhigen Kontakt und du wirst oberhalb des Knies instabil.

Das fühlt sich zunächst manchmal sogar sicher an.

Ist es aber nicht.

Ein klemmendes Knie ist ein bisschen wie der Versuch, auf einer Schaukel Sicherheit zu bekommen, indem man ein Gelenk festschraubt. Danach bewegt sich der Rest nur umso unkontrollierter.

Hüfte und Becken

Der Hüftwinkel schließt sich.

Das bedeutet: Dein Oberkörper kommt nach vorne, während dein Gesäß etwas nach hinten ausgleicht.

Wichtig ist dabei ein bewegliches Hüftgelenk.

Du sollst nicht mit rundem Rücken zusammenklappen.

Auch ein starkes Hohlkreuz ist ungünstig. Beides verhindert, dass dein Körper die Bewegung des Pferdes geschmeidig begleiten kann.

Der Oberkörper

Wie weit der Oberkörper nach vorne kommt, hängt von der jeweiligen Aufgabe ab.

Das ist ein Punkt, der beim leichten Sitz häufig falsch verstanden wird.

Es gibt keinen einzigen korrekten Winkel für jede Situation.

Je schneller das Pferd wird und je stärker sich seine Bewegung verändert, desto stärker kann sich auch die Position des Reiters verändern.

Über einem Sprung schließt sich der Hüftwinkel deutlich.

Bei einem ruhigen Arbeitsgalopp auf dem Platz kann der Oberkörper wesentlich aufrechter bleiben.

Die Grundregel lautet:

So viel Veränderung wie nötig, so wenig wie möglich.

Kopf und Blick

Der Kopf bleibt aufgerichtet und der Blick geht dorthin, wo du hinreiten möchtest.

Wer ständig auf Pferdeohren, Hals oder Hindernis schaut, verändert unbewusst seine gesamte Körperhaltung.

Ein menschlicher Kopf wiegt mehrere Kilogramm. Wo du ihn hinschickst, folgt erstaunlich gerne der Rest des Körpers.

Deshalb: Blick hoch.

Wie kurz müssen die Steigbügel für den leichten Sitz sein?

Für den leichten Sitz werden die Steigbügel normalerweise kürzer eingestellt als für einen tiefen Dressursitz.

Wie viel kürzer, lässt sich nicht seriös mit einer einzigen Lochzahl beantworten.

Es hängt unter anderem ab von:

  • deiner Beinlänge,
  • dem verwendeten Sattel,
  • der Größe und Form des Pferdes,
  • deiner Beweglichkeit,
  • der Aufgabe,
  • deinem Ausbildungsstand.

Als Ausgangspunkt können einige Löcher kürzer als die gewohnte Dressurlänge sinnvoll sein.

Viel wichtiger ist aber das Ergebnis.

Sind die Bügel zu lang, musst du dich häufig stark strecken, um dein Gesäß aus dem Sattel zu bekommen. Dein Bein wird instabil und du findest kaum eine federnde Position.

Sind sie extrem kurz, werden Knie- und Hüftwinkel unnötig eng und du kannst ebenfalls verspannen.

Die richtige Bügellänge erlaubt dir, mit gebeugten, elastischen Gelenken über dem Pferd zu balancieren, ohne dich hochstemmen zu müssen.

Den leichten Sitz lernen: Schritt für Schritt

Du musst nicht im Galopp anfangen.

Im Gegenteil.

1. Leichten Sitz im Stand üben

Stell zunächst im Stand deine Steigbügel passend ein.

Hebe dein Gesäß wenige Zentimeter aus dem Sattel und finde deine Balance.

Jetzt kommt der entscheidende Test:

Kannst du diese Position einige Sekunden halten, ohne dich mit den Händen abzustützen?

Falls du sofort nach vorne oder hinten kippst, verändere deine Position.

Spiele bewusst mit den Extremen.

Oberkörper etwas weiter vor.

Gesäß etwas weiter zurück.

Fersen lockerer.

Knie weniger fest.

So entwickelst du ein Gefühl dafür, wo sich deine persönliche Balance befindet.

2. Leichter Sitz im Schritt

Im nächsten Schritt übst du während des Schritts.

Wechsle beispielsweise zehn Schritte zwischen normalem Sitz und leichtem Sitz.

Das klingt banal.

Ist es nicht.

Versuche beim Übergang in den leichten Sitz weder am Zügel zu ziehen noch dein Pferd mit dem Bein plötzlich anzutreiben.

Deine Positionsveränderung soll möglichst wenig Einfluss auf Tempo und Richtung haben.

3. Wechsel zwischen verschiedenen Sitzpositionen

Jetzt wird es interessant.

Wechsle fließend zwischen:

tiefem Sitz,

leichter Entlastung

und deutlichem leichten Sitz.

Damit lernst du etwas viel Wertvolleres, als eine einzige Position minutenlang festzuhalten.

Du lernst, deinen Schwerpunkt bewusst zu verändern.

4. Leichter Sitz im Trab

Im Trab wird die Sache anspruchsvoller.

Versuche zunächst nur kurze Strecken.

Zum Beispiel eine lange Seite.

Anschließend wieder leichttraben oder aussitzen.

Wenn du im leichten Sitz stark hoch und runter geschleudert wirst, sind deine Gelenke vermutlich noch zu steif oder du hast deinen Schwerpunkt noch nicht gefunden.

5. Leichter Sitz im Galopp

Erst wenn du dich sicher fühlst, wird im Galopp weitergearbeitet.

Beginne mit wenigen Galoppsprüngen.

Fünf Galoppsprünge leichter Sitz.

Wieder einsitzen.

Noch einmal fünf.

Später kannst du eine lange Seite oder einen ganzen Zirkel im leichten Sitz reiten.

So entsteht Kraft und Stabilität, ohne dass du dich nach drei Runden nur noch irgendwie über dem Sattel festhältst.

Die beste Übung: Übergänge innerhalb des Sitzes

Eine meiner liebsten Übungen für den leichten Sitz benötigt überhaupt kein Hindernis.

Reite im Galopp und verändere deine Position.

Einige Galoppsprünge etwas tiefer.

Dann etwas stärker entlasten.

Dann leichter Sitz.

Anschließend wieder zurück.

Das Pferd soll dabei möglichst denselben Rhythmus behalten.

Das ist anspruchsvoller, als es klingt.

Denn jetzt zeigt sich, ob du deine Körperposition unabhängig vom Pferd verändern kannst oder ob jede Bewegung deines Oberkörpers sofort Tempo und Gleichgewicht des Pferdes beeinflusst.

Genau diese Fähigkeit brauchst du später beim Springen.

Stangen und Cavaletti für den leichten Sitz

Bodenstangen und Cavaletti sind hervorragende Hilfsmittel.

Beginne mit einzelnen Stangen.

Reite im leichten Sitz darüber, ohne kurz vor der Stange eine große Bewegung mit dem Oberkörper zu machen.

Das Pferd steigt über eine Bodenstange.

Du musst deswegen keinen Springsitz zelebrieren.

Später können mehrere Stangen oder kleine Cavaletti folgen.

Dein Ziel besteht darin, die Bewegung des Pferdes zuzulassen und deine Gelenke entsprechend reagieren zu lassen.

Das Pferd bewegt dich.

Du machst nicht künstlich eine Bewegung über der Stange.

Dieser Unterschied wird beim späteren Springen enorm wichtig.

Leichter Sitz beim Springen

Der leichte Sitz ist eine Grundlage des Springreitens.

Beim Sprung verändert das Pferd seine gesamte Oberlinie. Es hebt die Vorhand, wölbt den Rücken auf, überwindet das Hindernis und landet anschließend wieder auf der Vorhand.

Der Reiter muss diese Bewegung zulassen.

Dafür schließt sich der Hüftwinkel während des Sprungs stärker und das Gesäß bleibt aus dem Sattel.

Ein guter Reiter wartet dabei auf den Sprung.

Ein unsicherer Reiter versucht häufig, ihn selbst zu produzieren.

Dann sieht man das berühmte „Vorspringen“: Der Oberkörper wird bereits Richtung Pferdeohren geschickt, bevor das Pferd überhaupt abgesprungen ist.

Dadurch gerät zusätzliches Reitergewicht vor den Schwerpunkt des Pferdes.

Deshalb lautet eine der wichtigsten Regeln beim Springen:

Lass das Pferd springen und folge seiner Bewegung.

Du musst nicht über das Hindernis springen.

Das übernimmt dein Pferd.

Die häufigsten Fehler beim leichten Sitz

Der Reiter steht zu hoch

Der leichte Sitz bedeutet nicht, möglichst weit über dem Sattel zu schweben.

Je höher du dich hochdrückst, desto schwieriger wird deine Balance.

Das Gesäß bleibt deshalb vergleichsweise nah am Sattel.

Der Oberkörper kippt nach vorne

Besonders häufig.

Der Reiter möchte entlasten und klappt einfach nach vorne.

Dadurch wandert sein Schwerpunkt Richtung Pferdeschulter.

Korrektur:

Denke nicht nur „Oberkörper vor“, sondern gleichzeitig „Gesäß zurück“.

Die Unterschenkel rutschen nach hinten

Meist ist das kein isoliertes Unterschenkelproblem.

Es zeigt, dass die gesamte Balance nicht stimmt.

Statt das Bein gewaltsam nach vorne zu ziehen, solltest du deshalb deine Position überprüfen.

Der Reiter klemmt mit den Knien

Dadurch werden Knie und Hüfte steif und der Unterschenkel verliert Stabilität.

Das Knie soll Kontakt haben, aber nicht zum Schraubstock werden.

Die Hände stützen sich ab

Eine kurze Hilfe am Hals kann beim Lernen sinnvoll sein, besonders an der Longe oder bei ersten Übungen.

Dauerhaft sollte deine Hand jedoch nicht dein Gleichgewicht sichern.

Spätestens wenn der Zügel dafür herhalten muss, entsteht ein ernstes Problem.

Der Reiter hält die Luft an

Ein erstaunlich verbreiteter Fehler.

Anstrengung führt zu Körperspannung, Körperspannung zu angehaltenem Atem und plötzlich sitzt auf dem Pferd ein menschliches Brett.

Bewusstes Ausatmen kann deshalb tatsächlich helfen.

Warum der leichte Sitz auch Dressurreiter besser macht

Hier liegt für mich einer der am meisten unterschätzten Vorteile.

Der leichte Sitz ist eine hervorragende Sitzschulung.

Du lernst dabei, deinen Körper unabhängig auszubalancieren. Deine Beine werden stabiler, dein Rumpf kräftiger und deine Gelenke beweglicher.

Vor allem merkst du gnadenlos, ob du tatsächlich im Gleichgewicht sitzt.

Im tiefen Sitz kann ein Reiter erstaunlich viel über Sattel und Zügel kompensieren.

Im leichten Sitz fliegt diese Tarnkappe weg.

Plötzlich merkt man:

Mein Unterschenkel ist gar nicht so stabil.

Meine Knie klemmen.

Ich falle nach vorne.

Oder ich brauche die Zügel mehr, als ich dachte.

Genau deshalb kann regelmäßiges Training des leichten Sitzes auch den normalen Grundsitz verbessern.

Muss man für den leichten Sitz springen können?

Nein.

Eigentlich ist es genau andersherum.

Du solltest einen sicheren leichten Sitz entwickeln, bevor die Hindernisse größer werden.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung nennt einen ausbalancierten und losgelassenen leichten Sitz ausdrücklich als Grundlage für das Springen und Reiten im Gelände. Anfänger können ihn zunächst am Führzügel oder an der Longe sowie später in allen drei Gangarten erarbeiten.

Das ist sinnvoll.

Denn ein Hindernis löst kein Sitzproblem.

Es macht ein vorhandenes Sitzproblem nur schneller sichtbar.

Kann man den leichten Sitz im Dressursattel üben?

Grundsätzlich ja.

Für erste Übungen, Sitzschulung, Stangenarbeit oder gelegentlichen leichten Sitz brauchst du nicht sofort einen Springsattel.

Allerdings beeinflusst die Bauart des Sattels deine Position.

Ein Dressursattel ist für ein längeres Bein und einen relativ offenen Hüftwinkel konstruiert. Ein Spring- oder Vielseitigkeitssattel unterstützt dagegen stärker die kürzere Bügellänge und den geschlosseneren Kniewinkel.

Je intensiver du springen möchtest, desto sinnvoller ist deshalb ein dafür geeigneter Sattel.

Für Sitzübungen reicht ein passender Dressursattel zunächst vollkommen aus.

Wie lange sollte man den leichten Sitz üben?

Qualität schlägt Dauer.

Zehn korrekte Galoppsprünge bringen dir mehr als fünf Minuten Kampf ums Überleben.

Gerade zu Beginn ermüdet die Muskulatur schnell. Sobald du merkst, dass deine Knie anfangen zu klemmen, die Unterschenkel wandern oder du dich zunehmend auf den Händen abstützt, ist eine Pause sinnvoll.

Trainiere lieber mehrmals kurz.

Beispielsweise:

eine lange Seite leichter Sitz,

wieder normal sitzen,

später einen Zirkel,

Pause,

anschließend einige Übergänge zwischen den Sitzformen.

Mit zunehmender Kraft kannst du die Dauer langsam steigern.

Der leichte Sitz ist kein Springsitz zum Anschalten

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt des ganzen Themas.

Gutes Reiten besteht nicht daraus, eine bestimmte Körperhaltung einzunehmen und sie anschließend einzufrieren.

Der leichte Sitz ist beweglich.

Du passt ihn an das Pferd, das Tempo, den Untergrund und die jeweilige Aufgabe an.

Manchmal befindet sich dein Gesäß nur knapp über dem Sattel.

Manchmal entlastest du stärker.

Über einem Sprung schließt sich dein Hüftwinkel.

Im ruhigen Galopp richtest du dich wieder etwas auf.

Im Gelände reagierst du auf Steigungen und Bodenverhältnisse.

Diese Anpassungsfähigkeit macht aus einer gelernten Position einen guten Reitersitz.

Fazit: Ein guter leichter Sitz beginnt mit Gleichgewicht

Beim leichten Sitz beim Reiten geht es nicht darum, möglichst elegant über dem Pferd zu schweben. Es geht auch nicht darum, den Hintern einfach aus dem Sattel zu heben.

Der entscheidende Punkt ist dein eigenes Gleichgewicht.

Ein guter leichter Sitz erlaubt dir, dein Gesäß aus dem Sattel zu nehmen, ohne auf die Zügel angewiesen zu sein. Knie und Sprunggelenke bleiben elastisch, der Unterschenkel stabil, das Becken beweglich und der Oberkörper passt sich der jeweiligen Situation an.

Damit wird der leichte Sitz weit mehr als eine Vorbereitung auf das Springen.

Er verbessert deine Balance, deine Körperkontrolle und deinen normalen Reitersitz. Er hilft dir im Gelände, beim Galoppieren, über Stangen und Cavaletti und natürlich beim Springen.

Und er ist ein ziemlich ehrlicher Reitlehrer.

Denn sobald du dein Gesäß aus dem Sattel nimmst, zeigt dein Körper dir sehr zuverlässig, ob du wirklich im Gleichgewicht sitzt.

Der Sattel kann einiges verzeihen.

Die Schwerkraft eher nicht.

Hinterlasse einen Kommentar