Working Equitation

Working Equitation: Disziplinen, alle Hindernisse, Klassen und Training

Working Equitation vereint vier Prüfungen in einer Disziplin: eine Dressuraufgabe zur Musik, einen Trailparcours nach Stilkriterien, denselben Parcours noch einmal gegen die Uhr und die Arbeit am Rind. Gestartet wird in landestypischer Kleidung, zugelassen ist jede Rasse, und wer ohne Turnierambitionen reitet, findet hier trotzdem das ehrlichste Rittigkeitstraining, das ein Reitplatz hergibt.

Dieser Beitrag geht durch alles: Herkunft, Klassen von WF bis WS, jedes einzelne Trailhindernis mit Maßen, Anforderungen und Disqualifikationsgründen, die Rinderarbeit samt Rinderschein, Ausrüstung, geeignete Pferde und ein Trainingsteil, mit dem Du zu Hause anfangen kannst.

Was Working Equitation ausmacht

Working Equitation ist keine Reitweise im engeren Sinn, sondern eine Turniersportdisziplin, die mehrere alte Arbeitsreitweisen unter einem gemeinsamen Reglement zusammenfasst. Der Reiter zeigt in vier Teilprüfungen dasselbe Pferd unter unterschiedlichen Bedingungen: erst kontrolliert und gymnastiziert, dann geschickt an Hindernissen, dann schnell, dann in einer Situation, in der ein Rind das Tempo vorgibt.

Der Wettbewerb bewertet ausdrücklich nicht, welcher nationale Stil der schönste ist. Das Reglement ist so gebaut, dass ein portugiesischer Reiter auf dem Lusitano, ein Camargue-Reiter, ein Westernreiter und ein Reiter auf dem deutschen Warmblut nach denselben Kriterien beurteilt werden. Bewertet werden Takt, Losgelassenheit, gleichmäßige Anlehnung, Durchlässigkeit und die Feinheit der Hilfen.

Drei Dinge unterscheiden die Disziplin deutlich vom klassischen Turniersport:

Erstens wird die Dressuraufgabe ab der Einsteigerklasse zu einem selbst gewählten Musikstück geritten, das zum Ablauf der Lektionen passt.

Zweitens sind gedeckte Farben und landestypische Kleidung erwünscht. Weiß ist nicht gern gesehen, klassische weiße Turnierkleidung bleibt den klassischen Turnieren vorbehalten.

Drittens ist die Rasse völlig offen. Iberer prägen das Bild, aber in Mittel- und Nordeuropa startet praktisch jede Rasse, vom Haflinger über das Quarter Horse bis zum Friesen.

Woher die Working Equitation kommt

Die Wurzeln liegen in den Rinderregionen Südeuropas, wo Pferde bis weit ins 20. Jahrhundert das einzige brauchbare Arbeitsgerät im unwegsamen Gelände waren. Vier Traditionen gelten als Ursprung.

In Spanien arbeiten die Vaqueros in der Doma Vaquera, überwiegend auf PRE-Pferden und auf Cruzados, also Kreuzungen mit Warmblütern. Die Doma Vaquera entwickelte sich in den 1970er Jahren zur eigenen Turnierform, in der genau die Lektionen geritten werden, die der Vaquero bei der Arbeit am Rind braucht. Sie geht auf zwei ältere Reitschulen zurück: das Reiten „a la brida“ mit langem Bügel und gestrecktem Bein, typisch für die schwere Kavallerie, und das Reiten „a la jineta“ mit kurzem Bügel und angewinkeltem Bein, das eine viel direktere Schenkeleinwirkung erlaubte.

In Portugal reiten die Campinos auf Lusitanos. Portugal hat die größten noch arbeitenden Rinderbetriebe mit berittenen Hirten und stellt seit Jahren die führende Nation im Sport.

In Südfrankreich hüten die Gardians die schwarzen Camargue-Rinder auf ihren weißen Camargue-Pferden.

In Italien arbeiten die Butteri in der Maremma auf Maremmano- und Murgese-Pferden.

Aus diesen europäischen Arbeitsreitweisen ist über die spanische Kolonialgeschichte auch das amerikanische Westernreiten hervorgegangen. Wer heute Working Equitation und Westernreiten nebeneinander sieht, sieht zwei Zweige derselben Wurzel.

Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft verschwand die Arbeitsgrundlage. Heute arbeiten nur noch wenige Hirten tatsächlich vom Pferd aus, vieles wird als Sport oder als Touristenattraktion gepflegt. Genau dieser drohende Verlust war der Auslöser für die Erfindung eines gemeinsamen Wettkampfformats.

Die Geschichte in Jahreszahlen

In den 1980er Jahren begannen Portugal, Spanien, Frankreich und Italien, ihre Arbeitsreitweisen zu formalisieren und Regeln aufzuschreiben.

1996 fand in Italien die erste europäische Meisterschaft in der Working Equitation statt. Damit war aus vier regionalen Traditionen ein gemeinsamer Sport geworden.

2002 wurde vom 11. bis 13. Oktober im portugiesischen Beja die erste Weltmeisterschaft ausgetragen, mit Teams aus Brasilien, Frankreich, Italien, Mexiko, Portugal, Spanien und Großbritannien. Portugal gewann die Mannschaftswertung, der Einzeltitel ging an den Brasilianer Fabio Lombardo auf Brilho do Rimo.

2004 wurde die World Association for Working Equitation gegründet, kurz WAWE, mit Sitz in Portugal. Sie schreibt das internationale Regelwerk, bildet Richter aus und organisiert die Weltmeisterschaften.

Für den Reittourismus und angrenzende Pferdeaktivitäten ist außerdem die FITE zuständig, die Fédération Internationale de Tourisme Equestre, die bereits im Mai 1975 von Frankreich, Italien und Belgien gegründet wurde. Sie richtet ebenfalls internationale Wettbewerbe im Arbeitsreiten aus.

In Deutschland brachten einzelne Pioniere die Disziplin ins Land. Gernot Weber lernte die Doma Vaquera in Spanien kennen und organisierte nach seiner Rückkehr die ersten lockeren Turniere. Stefan Baumgartner, von Beruf Sattelentwickler, richtete 2009 die erste deutsche Qualifikation für die Europameisterschaft aus und etablierte die Working Equitation damit als Wettkampfsport. Er ist Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft Working Equitation Deutschland.

2012 entstand der Working Equitation Deutschland e. V., kurz WED, der Deutschland seitdem in der WAWE vertritt, das deutsche Reglement pflegt und die Turniere organisiert.

2016 richtete Deutschland erstmals die Europameisterschaft aus, 2018 die Weltmeisterschaft, beides im Rahmen der Messe Pferd International auf der Olympia-Reitanlage in München.

Die deutschen Mannschaftsergebnisse bei Weltmeisterschaften zeigen, wie schnell das ging, in einem Land ohne eigene Arbeitsreittradition: 2011 Bronze mit Gernot Weber, Mihai Maldea, Bettina Strahlhuber und Rolf Janzen. 2014 Silber mit Mihai Maldea, Katrin Frankenberger, Bettina Strahlhuber und Mitja Hinzpeter. 2018 zum ersten Mal Gold mit Thomas Türmer, Gernot Weber, Mitja Hinzpeter und Mirjam Wittmann. 2022 Platz vier mit Katja Lauer, Anette Jauch, Eva-Katharina Weigl und Mihai Maldea.

Die vier Teildisziplinen

Dressur

Die Dressur ist die Grundlage für alles Weitere, und sie wird auch als erste Teilprüfung geritten. Du reitest eine vom Verband vorgegebene Aufgabe mit festgelegten Bahnfiguren und Lektionen, deren Schwierigkeit mit der Klasse steigt. Ab Klasse E wird einzeln und zu einem selbst ausgesuchten Musikstück geritten, das zum Ablauf der Lektionen passt.

Bewertet werden Takt, Losgelassenheit, eine gleichmäßige Anlehnung und die korrekte Hilfengebung. In der Einstiegsklasse darf die Aufgabe vorgelesen werden, gegrüßt wird mit stillstehendem Pferd auf der Mittellinie.

Stiltrail

Im Stiltrail reitest Du einen Parcours aus Hindernissen, die aus der Arbeit am Rind stammen, in vorgegebener Reihenfolge. Je nach Klasse sind es 4 bis 18 Hindernisse. Bewertet wird nicht die Zeit, sondern die Ausführung: Linienführung, Anlehnung, Losgelassenheit, saubere Übergänge, korrekte Wendungen. Jedes Hindernis bekommt eine eigene Wertnote.

Speedtrail

Der Speedtrail nutzt denselben Hindernisaufbau, nur zählt jetzt die Zeit. Straf- und Bonussekunden verschieben das Ergebnis erheblich. Eine umgestoßene Tonne oder eine abgeworfene Stange kostet 5 Sekunden. Wer den Ring am Stier sticht und die Garrocha anschließend korrekt in der Tonne abstellt, bekommt eine Zeitgutschrift. Das Tor wird für den Speedtrail durch ein Seil oder eine Kordel ersetzt, wobei der sogenannte Seiltrick verboten ist: Das Seil über den Kopf oder über das Pferd zu werfen, ist nicht erlaubt.

Der Speedtrail ist die Prüfung, die auch Zuschauer ohne Vorkenntnisse sofort verstehen, und deshalb oft der Publikumsmagnet eines Turniers.

Rinderarbeit

Die Rinderarbeit ist der historische Kern der Disziplin. Ein einzelnes, vorher benanntes Rind wird aus der Herde herausgearbeitet, separiert und über eine festgelegte Linie in einen abgegrenzten Bereich getrieben, den Coral. Möglich ist sie ab Klasse WL, und nur mit gültigem Rinderschein für Reiter und Pferd.

Die Klassen von WF bis WS

Die Klassen orientieren sich an den Leistungsklassen der FN, mit einem vorangestellten W. Sieben Prüfungsklassen gibt es.

WF ist die Führzügelklasse für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren. Geritten wird der Stiltrail, geführt, im Schritt oder Trab.

WR ist der Reiterwettbewerb für Einsteiger ohne Führung. Es gibt zwei Varianten: eine gerittene Dressurabteilung mit Dressurtrail in Schritt, Trab und Galopp, sowie einen Einzelreiterwettbewerb mit vier Hindernissen und vorgegebener Linienführung in Schritt und Trab.

WE ist die Einsteigerklasse mit Dressurprüfung und Stiltrail. Alles wird in Schritt und Trab geritten.

WA ist die Anfängerklasse. Hier kommt der Galopp dazu, und mit ihm die ersten Galoppwechsel über Trab oder Schritt.

WL ist die leichte Klasse und die erste, in der Rinderarbeit möglich ist. Geritten werden mindestens drei Prüfungen, also Dressur, Stiltrail und Speedtrail, dazu je nach Ausschreibung die Rinderarbeit.

WM ist die mittlere Klasse. Hier wird auf Kandare zweihändig geritten, entweder blank oder mit Unterlegtrense. Fliegende Galoppwechsel werden zur Regel, die Hindernisabstände verringern sich.

WS ist die schwere Klasse, die Königsklasse. Alle Prüfungen werden einhändig auf blanker Kandare geritten.

Für die Dressur gilt außerdem: Pferde müssen mindestens vier Jahre alt sein. Sporen dürfen keine Rädchen haben und müssen glatte Endflächen besitzen, die Gerte darf inklusive Schlag höchstens 120 cm messen.

Alle Trailhindernisse im Detail

Die folgenden Beschreibungen richten sich nach dem deutschen Reglement. Verbindlich ist immer die aktuelle PDF-Fassung des WED-Reglements, das jährlich angepasst wird. Die Maße sind trotzdem hilfreich, wenn Du Hindernisse selbst bauen willst: Wer gleich in den richtigen Abständen übt, muss später nichts umlernen.

Zweier Tonnen, vorwärts und rückwärts

Zwei Tonnen stehen nebeneinander. Du reitest mittig zwischen ihnen ein, umrundest zuerst die rechte Tonne in einer Volte, wechselst mittig auf der gedachten Verbindungslinie die Hand und umrundest die linke Tonne in einer gleich großen Volte. Es entsteht eine Acht. Verlassen wird das Hindernis gerade über die Mitte.

Aufbau: In den Klassen WF bis WL stehen die Tonnen 6 Meter auseinander, in WM und WS nur 3 Meter, jeweils von Tonnenmitte zu Tonnenmitte gemessen. Die Voltengröße richtet sich nach der Klasse: WF bis WA höchstens 10 Meter, WL höchstens 8 Meter, WM und WS höchstens 6 Meter.

Anforderungen: WF Schritt oder Trab, WR und WE Trab, WA Galopp mit Wechseln über Trab oder Schritt (reiner Trab ohne Übergänge bringt höchstens die Wertnote 6), WL Galopp mit einfachem oder fliegendem Wechsel, WM und WS Galopp mit fliegendem Wechsel.

In WM und WS kann das Hindernis zusätzlich rückwärts verlangt werden. Dann beginnt die Abfolge mit einem geschlossenen Halten hinter der Verbindungslinie, es wird zuerst die rechte, dann die linke Tonne rückwärts umrundet, und es endet mit einem geschlossenen Halten vor der Linie. Anschließend verlässt Du das Hindernis vorwärts zwischen den Tonnen.

Disqualifikation: keine.

Brücke

Du näherst Dich in der Gangart Deiner Klasse, gehst vor den Einrittmarkierungen zum Schritt über, überquerst die Brücke im Schritt und nimmst nach den Ausrittmarkierungen wieder Trab oder Galopp auf. Im Speedtrail entfällt die Schrittvorgabe.

Aufbau: mindestens 2,00 Meter lang, bei der Deutschen Meisterschaft und ausgewählten Masterclass-Turnieren nach internationalem Reglement 4,00 Meter, 1,20 Meter breit, höchstens 50 cm hoch. Ein- und Ausritt werden in etwa 1,00 bis 1,50 Meter Abstand rot-weiß markiert. Die Brücke braucht eine seitliche Begrenzung, etwa ein Geländer, eine Kordel oder Pflanzkübel, und einen griffigen Boden.

Anforderungen: WR und WE Anritt im Trab mit Übergang zum Schritt, WA Anritt im Galopp mit Übergang über Trab oder direkt zum Schritt, WL bis WS Anritt im Galopp, direkter Übergang Galopp–Schritt und nach der Brücke wieder Schritt–Galopp.

Disqualifikation: Die Brücke wird übersprungen, also kein Huf berührt sie.

Parallelslalom

Zwei parallele Slalomreihen stehen versetzt zueinander. Du reitest um die Stangen halbe Volten und wechselst jeweils über der gedachten Mittellinie die Hand, auf gerader Linie von Stange zu Stange.

Aufbau: Stangen etwa 2,00 Meter hoch, nicht im Boden verankert. In WR 1, WE, WA und WL sind es 5 Stangen (3 und 2) mit jeweils 9 Metern Abstand, in WM und WS 7 Stangen (4 und 3) mit 6 Metern Abstand. Auf Plätzen kleiner als 20 x 60 Meter dürfen auch nur 5 Stangen gestellt werden.

Anforderungen: WR und WE Trab, WA Galopp mit Wechseln über Schritt oder Trab, WL Galopp mit einfachen oder fliegenden Wechseln, WM und WS fliegende Wechsel. Wer in den hohen Klassen Serienwechsel zeigt, etwa mit acht Sprüngen je Bogen, bekommt bei korrekter Ausführung eine höhere Wertnote.

Disqualifikation: keine.

Einfacher Slalom

Mindestens fünf Stangen stehen in gerader Linie, Du reitest sie in Schlangenlinien ab, ohne eine umzustoßen.

Aufbau: Stangen je 2,00 Meter lang, senkrecht in Ständern, nicht im Boden verankert. Abstand in WF bis WL 9 Meter, auf einem 20 x 40 Meter großen Platz sind 8 Meter erlaubt. In WM und WS beträgt der Abstand 6 Meter. Anfang und Ende werden rot-weiß markiert. Eine Kombination aus einfachem und Parallelslalom ist möglich, dann muss besonders sauber ausgeflaggt werden.

Anforderungen: WF Schritt oder Trab, WR und WE Trab, ab WA Galopp mit Wechseln entsprechend der Klasse. Serienwechsel mit vier Sprüngen je Bogen werden in WM und WS höher bewertet.

Disqualifikation: keine.

Drei Tonnen

Drei Tonnen stehen im gleichseitigen Dreieck. Du umrundest zuerst die rechte, dann die mittlere, dann die linke Tonne, und zwar mit möglichst gleich großen Volten. Genau dieses Gleichmaß macht die Wertnote.

Aufbau: Abstand von Tonnenmitte zu Tonnenmitte 6 Meter in WR 1, WE, WA und WL, 3 Meter in WM und WS.

Anforderungen: WR und WE Trab ohne Übergänge, WA Galopp mit Wechseln über Trab oder Schritt, WL einfache oder fliegende Wechsel, WM und WS fliegende Wechsel.

Im Speedtrail zählt hier reine Wendigkeit. Jede umgestoßene Tonne kostet 5 Strafsekunden.

Disqualifikation: keine.

Tor

Das Tor kommt direkt aus dem Alltag am Rind, wo Weidetore ständig geöffnet und wieder geschlossen werden. Du reitest im 90-Grad-Winkel auf das Tor zu, gehst kurz davor in den Schritt und stellst Dich mit einer Vorhandwendung parallel zum Tor. Dann öffnest Du es, reitest hindurch, ohne es loszulassen, stellst Dich erneut parallel und schließt es mit einer Viertel-Hinterhandwendung.

Ob vorwärts oder rückwärts durchritten wird, steht in der Trailskizze des jeweiligen Turniers. Im Stiltrail ist das Tor erst ab Klasse WA zugelassen.

Aufbau: stabil aus Holz oder Metall, etwa 2,00 Meter breit, die Seitenteile mindestens 1,30 Meter hoch und schwer genug, um das Tor sicher zu halten. Verschlossen wird mit Metall- oder Holzbügel, Kordel- oder Kunststoffschlaufe. Im Speedtrail ersetzt ein Seil den Torflügel.

Anforderungen: WA Anritt im Galopp, Übergang zum Schritt, nur vorwärts. WL bis WS Anritt im Galopp, direkter Übergang Galopp–Schritt, vorwärts und rückwärts möglich.

Disqualifikation: Das Tor wird nicht geschlossen, WA ausgenommen. Verschobene oder umgeworfene Teile musst Du wieder aufstellen, damit sich das Tor schließen lässt. Im Speedtrail ist der Seiltrick verboten.

Wichtig zur Vorhandwendung, weil es die häufigste Verwechslung ist: Das Pferd ist entgegen der Bewegungsrichtung gestellt, die Hinterhand tritt um die Vorhand herum, die Hinterbeine kreuzen, die Vorhand tritt taktmäßig mit. Bei der Wendung nach rechts wandert die Hinterhand nach links. Am Tor wird sie mit 90 Grad geritten, in der Dressuraufgabe mit 180 Grad, dort ohne Halten davor und danach.

Glockengasse

Du gehst vor der rot-weißen Markierung zum Schritt über, reitest in die Gasse ein, hältst am Ende geschlossen an, läutest im Stillstand das Glöckchen und richtest anschließend rückwärts wieder heraus, bis auch die Vorderbeine die Markierung passiert haben.

Aufbau: zwei oder vier Stangen von etwa 4,00 Metern Länge, mindestens 5 cm über dem Boden auf geeigneten Auflagen. Die Gasse ist in allen Klassen 1,50 Meter breit, innen an den Stangen gemessen. Das Glöckchen hängt in etwa 2,00 Metern Höhe am Ende der Gasse. Ausgeflaggt wird rund 1,00 Meter entfernt, in WM und WS dürfen die Markierungen direkt am Einritt stehen. Ab Klasse WA darf die Gasse auch als L aufgebaut werden, die inneren Stangen müssen dann mindestens 2,50 Meter lang sein.

Anforderungen: WR und WE gerade Gasse, Einreiten im Schritt. WA und WL gerade oder als L, Einreiten im Schritt. WM Einreiten im Schritt bringt höchstens Wertnote 6, im Galopp mehr. WS ausschließlich Einreiten im Galopp.

Disqualifikation: Das Glöckchen wird nicht geläutet.

Pferch

Du reitest möglichst senkrecht durch den Eingang in den Pferch ein und umrundest die innere Einfriedung einmal komplett, in derselben Gangart, in der Du eingeritten bist. Verlangt der Veranstalter beide Hände, kommen Richtungs- und Handwechsel entsprechend der Klasse dazu.

Aufbau: äußerer Zirkel etwa 6,00 Meter Durchmesser mit einem Eingang von rund 2,00 Metern Breite, in der Mitte ein kleinerer Zirkel von etwa 3,00 Metern. Zwischen beiden bleibt eine Spurbreite von 1,50 Metern. Die rot-weißen Markierungen stehen direkt am Eingang.

Anforderungen: WF bis WA Schritt, Wendung als halbe Volte, dann Handwechsel. WL Schritt mit halber Schrittpirouette. WM Schritt oder Galopp mit halber Pirouette in der gewählten Gangart, wobei Schritt höchstens Wertnote 6 ergibt. WS Galopp, halbe Pirouette, fliegender Wechsel.

Disqualifikation: Das Pferd verlässt den Pferch mit allen vier Beinen.

Krug

Auf einem etwa 1,00 Meter hohen, möglichst runden und freistehenden Tisch steht ein mit Wasser oder Sand gefüllter Krug. Du reitest heran, parierst neben dem Tisch zum geschlossenen Halt durch, beugst Dich herunter, hebst den Krug an und hältst ihn deutlich sichtbar hoch.

Aufbau: In WS und bei der Deutschen Meisterschaft ist ein Tisch mit einem Seitenmaß von etwa 1,25 Metern Pflicht. In den unteren Klassen darf rot-weiß ausgeflaggt werden, in WM und WS kann darauf verzichtet werden, weil ohnehin herangaloppiert wird.

Anforderungen: WF Schritt oder Trab mit Übergang über Schritt zum Halten, WR und WE Trab mit Übergang über Schritt, WA Galopp über Trab oder Schritt zum Halten, WL Galopp über Schritt, WM und WS direkter Übergang Galopp–Halt.

Fällt der Tisch um, steigst Du ab, stellst ihn wieder auf und setzt den Krug anschließend vom Pferd aus darauf zurück.

Disqualifikation: Der Krug wird nicht sichtbar angehoben. Oder der umgefallene Tisch wird nicht wieder aufgestellt und der Krug nicht vom Pferd aus platziert.

Becher umsetzen

Zwei Stangen stehen senkrecht in Ständern, auf einer liegt ein Becher oder ein ähnlicher Gegenstand. Du hältst Dein Pferd genau zwischen den Stangen geschlossen an, nimmst den Becher mit Deiner Arbeitshand auf und setzt ihn auf die andere Stange. Danach verlässt Du das Hindernis gerade in der geforderten Gangart.

Aufbau: zwei Stangen von je etwa 2,00 Metern Länge aus Holz oder Metall, Abstand 1,20 Meter, nicht im Boden verankert.

Anforderungen: WF Übergang über Schritt zum Halten, WR und WE Trab–Schritt–Halten, WA Galopp–Trab–Schritt–Halten, WL Galopp–Schritt–Halten, WM und WS direkt Galopp–Halt.

Disqualifikation: Umgeworfene Ständer werden nicht wieder aufgestellt, oder der Becher wird nicht vom Pferd aus aufgesetzt.

Rückwärtsslalom

Sechs Stangen bilden zwei parallele Reihen. Du reitest auf gerader Linie zwischen den Reihen ein, hältst zwischen den letzten Stangen an, nimmst dort einen Becher auf, richtest Dein Pferd gleichmäßig rückwärts im Slalom durch die Gasse und stellst den Becher auf der vordersten Stange wieder ab.

Aufbau: Stangen etwa 2,00 Meter hoch, Abstand in der Länge mindestens 2,50 und höchstens 3,00 Meter. Die Gasse ist in WR 1, WE, WA und WL 2,00 Meter breit, in WM und WS nur 1,50 Meter. Der Becher liegt entsprechend der gewählten Arbeitshand. Das Hindernis wird rot-weiß ausgeflaggt.

Anforderungen: WR und WE nur gerade, Einreiten im Schritt. WA und WL Einreiten im Schritt. WM Schritt oder Galopp, wobei Schritt höchstens Wertnote 6 ergibt. WS Einreiten im Galopp.

Disqualifikation: Wenn eine der ersten oder letzten beiden Stangen fällt und Du sie nicht wieder aufstellst, oder wenn der Becher nicht vom Pferd aus auf die Stange gesetzt wird.

Seitwärts über Stange oder Stangen

Dieses Hindernis prüft das Seitwärts, das in der Arbeit am Rind ständig gebraucht wird, um Tiere zu lenken. Die Stange liegt mittig unter dem Pferd und darf während der gesamten Ausführung nicht berührt werden.

Aufbau: eine 3,00 bis 6,00 Meter lange Stange mit höchstens 10 cm Durchmesser, auf Auflagen von mindestens 5 und höchstens 10 cm Höhe. Möglich sind auch zwei parallele Stangen oder eine L-Form. Ein- und Ausritt werden mit rot-weißen Markierungen in 3 Metern Abstand zueinander und zur Stange begrenzt. Die Richtung des Seitengangs gibt die Parcoursskizze vor.

Anforderungen: WE Halten mittig über der Stange mit drei Sekunden Stillstand. WA und WL Schritt im Schenkelweichen. WM und WS Schritt oder Galopp im Travers, wobei Galopp höher bewertet wird. Im Speedtrail sind ab WL Gangart und Kopfrichtung frei wählbar, solange die Stange auf ganzer Länge unter dem Pferd bleibt und Vorder- wie Hinterbeine ihre Spur halten. Eine abgeworfene Stange kostet 5 Strafsekunden.

Disqualifikation: nicht korrigiertes Vor- oder Zurücktreten über die Stange, bevor das Hindernis komplett bewältigt wurde.

Garrocha aufnehmen, Ringstechen, Garrocha absetzen

Diese drei Hindernisse gehören zusammen und bilden die Kombination am Stier. Sie steht wie kein anderes Bild für den Ursprung der Disziplin.

Zuerst nimmst Du die Garrocha, eine lange Stange, aus einer Tonne auf. Dann zielst Du damit auf einen Ring, der über einer Stierattrappe hängt, und nimmst ihn mit der Spitze auf. Anschließend stellst Du die Garrocha samt Ring in einer zweiten Tonne ab.

Aufbau: Die Garrocha ist 2,00 bis 4,00 Meter lang, hat mindestens 2,5 cm Durchmesser und eine Markierung an der Spitze. Sie steckt in einer stabilen Tonne oder einem Fass. Der Ring an der Stierattrappe hat mindestens 15 cm Durchmesser. Zum Abstellen wird die Garrocha mit der Spitze nach oben in die Tonne gesetzt.

Anforderungen: WF Anritt im Schritt, Aufnehmen im Schritt oder aus dem Halten. WE Schritt oder Trab. WA Galopp, alternativ Trab mit höchstens Wertnote 6. WL, WM und WS ausschließlich im Galopp.

Im Speedtrail wirkt der Ring als Joker: Wird er gestochen und die Garrocha anschließend korrekt abgestellt, gibt es eine Zeitgutschrift. Fällt die Tonne beim Aufnehmen oder Abstellen um, darfst Du sie wieder aufstellen, bevor Du das Hindernis beendest.

Disqualifikation beim Aufnehmen: Die Position der Garrocha wird vom Reiter verändert, die Garrocha wird nicht aufgenommen oder fallen gelassen und nicht aufgehoben, oder das Fass fällt vor dem Aufnehmen um und wird nicht wieder aufgestellt.

Disqualifikation beim Absetzen: Die Garrocha wird nicht vom Pferd aus zurückgestellt. Im Stiltrail zusätzlich das Umwerfen des Fasses ohne Wiederaufstellen, im Speedtrail das Umwerfen der Tonne, bevor die Garrocha abgestellt ist.

Sprung

Du reitest den Sprung in rhythmischem Galopp gerade und mittig an und behältst den Rhythmus vor, über und nach dem Sprung bei.

Aufbau: höchstens 50 cm hoch, als Kreuz oder Steilsprung erlaubt. Wird unterbaut, muss der untere Teil fest verbaut sein und oben eine abwerfbare Stange waagrecht aufliegen. Der Sprung wird immer rot-weiß ausgeflaggt, was die Richtung vorgibt.

Anforderungen: ab WA im Galopp.

Disqualifikation: keine.

Wassergraben

Du reitest in der Gangart Deiner Klasse an und durchquerst das Wasser entweder in dieser Gangart oder im Schritt. Das Pferd soll frei und ohne Zögern durchgehen.

Aufbau: mindestens 2,00 Meter breit, Wassertiefe höchstens 30 cm, rot-weiße Ein- und Ausrittmarkierungen in etwa 1,00 bis 1,50 Metern Abstand.

Anforderungen: ab WL, Schritt oder Galopp.

Disqualifikation: keine.

Wall mit Auf- und Absprung

Das Hindernis entspricht einem Wall aus der Geländestrecke der Vielseitigkeit. Eine Rampe oder Stufe führt auf eine um etwa 50 cm erhöhte Ebene, die wieder als Rampe oder Stufe nach unten abschließt. Gefordert werden darf es erst ab Klasse WL.

Anforderungen: WL bis WS im Schritt, was höchstens Wertnote 6 ergibt, oder im Galopp.

Disqualifikation: keine.

Kiesbett oder Plane

Hier geht es um den Untergrund. Kies oder Plane fühlen sich anders an und klingen anders als Sand, was für viele Pferde neu ist.

Aufbau: mindestens 2,00 Meter breit und 3,00 bis 5,00 Meter lang, begrenzt durch rot-weiße Markierungen in etwa 1,00 bis 1,50 Metern Abstand.

Anforderungen: WE und WA Anritt im Schritt, Überqueren im Schritt. WL bis WS Anritt im Galopp, Übergang zum Schritt, Überqueren im Schritt, nach den Markierungen wieder Galopp.

Disqualifikation: keine.

Rinderarbeit und Rinderschein

Ab Klasse WL kannst Du in der Rinderarbeit starten, vorausgesetzt, Du und Dein Pferd habt einen gültigen Rinderschein. Der Schein wird für beide getrennt ausgestellt und darf nur von Trainern vergeben werden, die der WED e. V. dafür zertifiziert hat.

Erworben wird er in einem Rinderkurs. Dort geht es zuerst um Theorie: wie eine Herde korrekt zusammengestellt wird, wie Rinder sich verhalten, welche Krankheiten es gibt, wie belastbar Rinder bei unterschiedlichen Temperaturen sind, wie Haltung, Fütterung, Transport und Verladen aussehen. Danach folgt die Praxis an der Herde. Bestanden ist der Kurs, wenn Du ein Rind erfolgreich isolierst und über eine bestimmte Linie führst.

Beurteilt wird beim Reiter die Hilfengebung und Einwirkung, die Übersicht in der Herde beim Einreiten, Trennen, Separieren und Heraustreiben, das Treiben im Herdenbereich und zum Coral, das Beobachten des Rindes und die eigene Ausstrahlung: Ruhe, Übersicht, Souveränität, zielgerichtetes Arbeiten.

Beim Pferd zählt die Rittigkeit in der Herde, also ob es die Hilfen annimmt, mitarbeitet und reagiert, ohne selbstständig zu agieren. Dazu kommen Lenkbarkeit und Speedcontrol beim Treiben sowie Gelassenheit und die Wirkung, die das Pferd auf die Herde hat.

Tierschutz in der Rinderarbeit

Das deutsche Reglement hat sich in diesem Punkt in den letzten Jahren deutlich verändert. Ziel ist eine ruhige, stressarme Arbeitsumgebung für die Rinder.

Der sichtbarste Unterschied: In Deutschland wird die Rinderarbeit als Einzeldisziplin geritten und nicht im Team, um übermäßiges Tempo und Druck zu vermeiden. Dazu kommen feste Regeln. Der Chefrichter nimmt die Herde unter Tierwohlgesichtspunkten ab und darf die Prüfung im Interesse der Tiere unterbrechen. Nach höchstens drei Stunden Prüfungszeit bekommen die Rinder mindestens eine Stunde Pause, in der sich niemand der Herde nähern darf. Ein Rinderbeauftragter ist während der gesamten Zeit vor Ort und verantwortlich.

Training: womit Du anfängst

Working Equitation setzt keine Hindernisse voraus, sondern eine gymnastizierte Grundlage. Alles, was im Parcours gefragt wird, ist zuerst eine Dressurlektion.

Diese Bausteine brauchst Du, bevor das erste Hindernis Sinn ergibt:

Ein zuverlässiges Halten, und zwar geschlossen. Am Krug, am Becher und in der Glockengasse wird gehalten, und ein schief stehendes Pferd kostet in jedem einzelnen Hindernis Punkte.

Rückwärtsrichten auf gerader Linie, später auf gebogener Linie. Der Rückwärtsslalom ist nichts anderes als ein Rückwärts mit Stellung, das Du Meter für Meter aufbauen kannst.

Wendungen um die Vorhand und um die Hinterhand. Die Vorhandwendung brauchst Du am Tor mit 90 Grad und in der Dressuraufgabe mit 180 Grad, die Viertel-Hinterhandwendung zum Schließen des Tors.

Seitwärts, erst im Schenkelweichen, später im Travers. Damit bewältigst Du das Seitwärts über die Stange, und Du brauchst es später auch am Rind.

Übergänge, sauber und prompt. In den höheren Klassen wird direkt aus dem Galopp zum Halt pariert und aus dem Schritt wieder angaloppiert.

Galoppwechsel, zuerst einfach über Schritt oder Trab, später fliegend. Slalom, Parallelslalom und die Tonnenhindernisse leben davon.

Ein sicheres Reiten mit einer Hand. Wer irgendwann in WS starten will, reitet einhändig auf blanker Kandare, und das lässt sich in Ruhe über Jahre aufbauen.

Erste Übungen ohne echte Hindernisse

Vier Pylonen und vier Stangen reichen für den Anfang.

Zwei Pylonen im Abstand von 9 Metern hinstellen und eine Acht darum reiten, erst im Trab, dann im Galopp mit einfachem Wechsel über den Schritt. Achte darauf, dass beide Volten gleich groß werden, denn genau das bewertet der Richter später an den Zweier Tonnen. Wenn es stimmt, verringere den Abstand auf 6 Meter.

Eine Stange auf zwei niedrige Auflagen legen und im Schritt seitwärts darüber. Viele Reiter erklären ihrem Pferd die Stange zunächst vom Boden aus. Im Sattel hilft die Vorstellung, mit dem Gesäß über die Stange zu gleiten und das Pferd mitzunehmen.

Zwei Stangen im Abstand von 1,20 Metern senkrecht aufstellen, dazwischen anhalten und einen Becher von der einen auf die andere Stange umsetzen. Das trainiert das geschlossene Halten und gleichzeitig, dass Dein Pferd stehen bleibt, während sich Dein Gewicht zur Seite verlagert.

Eine Plane auslegen und im Schritt darüber. Lass Dein Pferd davor schnuppern, so lange es möchte. Die Plane ist auch die logische Vorübung für die Brücke.

Hindernisse selbst bauen

Vieles lässt sich mit Baumarktmaterial und etwas handwerklichem Geschick bauen, und wer die Maße aus dem Reglement einhält, trainiert von Anfang an unter realistischen Bedingungen.

Pylonen oder Steckstangen aus dem Fußballtraining ergeben einfachen Slalom und Parallelslalom. Wo Tonnen fehlen, tun es Pylonen oder stabile Strohballen. Holz- oder Kunststoffstangen auf niedrigen Auflagen werden zur Glockengasse oder zum Seitwärts-Hindernis. Zwei Hindernisständer mit einem Seil dazwischen sind ein Übungstor, das Dir und Deinem Pferd den Ablauf beibringt, ohne dass etwas kaputtgehen kann. Für das Becherumsetzen genügen zwei Ständer und ein Becher. Eine Brücke lässt sich aus Paletten bauen, wichtig sind ein rutschfester Belag und Kanten, an denen sich niemand verletzen kann.

Für den Pferch reichen zwei Kreise aus Stangen oder Pylonen, außen etwa 6 Meter Durchmesser, innen 3 Meter, dazwischen 1,50 Meter Spur.

Wenn Dein Pferd ein Hindernis meidet

Beginne mit Vertrauen, nicht mit Druck. Führe Dein Pferd langsam heran und belohne jede Annäherung in die richtige Richtung, auch wenn es zunächst nur ein Blick oder ein Schritt ist. Manche Pferde brauchen dafür deutlich mehr Zeit als andere, und diese Zeit ist gut investiert, weil das Hindernis später zuverlässig funktioniert.

Ein Warm-up quer über den Platz, kreuz und quer zwischen den aufgebauten Hindernissen hindurch, nimmt vielen Pferden schon einen Großteil der Spannung. Kommst Du an einem Punkt nicht weiter, hole Dir einen Trainer dazu, der einen anderen Ansatz mitbringt.

Speedtrail trainieren

Der Speedtrail wird nicht schneller, indem Du schneller reitest, sondern indem Du kürzere Wege reitest und weniger korrigierst. Trainiere deshalb zuerst die Linien zwischen den Hindernissen, nicht die Hindernisse selbst. Und rechne mit: 5 Strafsekunden für eine umgestoßene Tonne oder eine abgeworfene Stange sind schnell mehr, als Du durch schnelles Reiten gewinnst, und ein gestochener Ring bringt Dir Sekunden ohne jedes Risiko fürs Pferd.

Ausrüstung

Für die Working Equitation ist kein bestimmter Satteltyp und kein Hersteller vorgeschrieben. Der Sattel muss dem Pferd passen und individuell an den Rücken angepasst sein, und er sollte Dir auch in dynamischen Momenten genug Halt geben, damit die Hilfen fein bleiben. Iberische Sättel, Doma-Vaquera-Sättel, Portugiesensättel, Westernsättel und passende Vielseitigkeitssättel sieht man alle auf dem Turnierplatz.

Zaumzeug mit passendem Gebiss, Sattel und eine Schabracke in gedeckter Farbe gehören zur Grundausstattung. Ab Klasse WM wird auf Kandare zweihändig geritten, blank oder mit Unterlegtrense, in WS einhändig auf blanker Kandare.

Erlaubt sind in allen Teilprüfungen außer der Dressur Gamaschen oder Bandagen, dazu Hufglocken sowie Fessel- und Ballenschutz, sofern sie nicht beschwert sind. Fliegenhauben sind erlaubt. Gerten sind nur in den Klassen WE bis WL zugelassen und dürfen inklusive Schlag höchstens 120 cm messen. Sporen brauchen glatte Endflächen und dürfen keine Rädchen haben.

Hilfszügel sind verboten, und zwar nicht nur auf dem Turnierplatz, sondern auch auf dem Abreiteplatz und dem gesamten Turniergelände.

Für die Impfungen gilt: Pferde müssen gegen Influenza geimpft sein, Tetanus wird empfohlen. Die Nachweise müssen im Equidenpass stehen, und der Pass muss unaufgefordert an der Meldestelle vorgelegt werden. Ein Gesundheitszeugnis reicht nicht. Manche Veranstalter fordern zusätzliche Impfungen, das steht dann in der Ausschreibung.

Kleidung: der landestypische Stil

Die Kleidung ist ein eigener Teil der Disziplin, weil sie das Kulturgut mit transportiert. Du wählst eine Stilrichtung, etwa spanisch, portugiesisch, Camargue, italienisch, argentinisch oder Western, und bleibst dann dabei.

Üblich sind ein traditioneller Hut oder ein Sicherheitshelm, ein langärmeliges, hochgeschlossenes Hemd oder eine Bluse, gern in traditionellen Mustern, ein Jackett passend zur Stilrichtung, eine lange Reithose in landestypischem Schnitt und funktionale Reitstiefel oder Chaps. Dazu kommen Weste, Halstuch oder Krawatte, Handschuhe, Sporen und Gürtel, oft mit traditionellen Verzierungen.

Gedeckte Farben sind gefragt, also Braun, Dunkelblau, Dunkelgrün. Weiß bleibt dem klassischen Turniersport vorbehalten. Bewertet wird die Stilsicherheit, nicht der Preis der Ausstattung.

Welche Pferde passen

Offiziell ist jede Rasse willkommen, und das ist keine Höflichkeitsformel: Die Rassevielfalt ist eines der Markenzeichen dieser Disziplin in Mittel- und Nordeuropa.

In den Ursprungsländern dominieren die Rassen, die für diese Arbeit gezüchtet wurden: der Lusitano in Portugal, PRE und Cruzados in Spanien, das Camargue-Pferd in Frankreich, Maremmano und Murgese in Italien. Sie bringen mit, was der Parcours verlangt: kurze Wege, viel Last auf der Hinterhand, schnelle Wendungen, Nervenstärke am Rind.

In Deutschland startet daneben so ziemlich alles. Quarter Horses und Paint Horses profitieren von der Wendigkeit und dem Stopp aus dem Westerntraining. Warmblüter bringen Raumgriff und Rittigkeit in die Dressur. Haflinger, Ponys, Friesen, Barockpinto, Andalusier-Mixe, Araber und Gangpferde sind auf Turnieren zu sehen.

Wichtiger als die Rasse ist die Ausbildung. Dein Pferd sollte zuverlässig auf die Hilfen reagieren, eine solide gymnastische Grundausbildung haben und Anhalten, Rückwärtsrichten, Wendungen um Vorhand und Hinterhand sowie idealerweise Seitwärts sicher zeigen. Beweglichkeit, Geschicklichkeit, ein stabiles Nervenkostüm und Arbeitsfreude helfen zusätzlich.

Charakterlich gefragt sind Gelassenheit und Nervenstärke, weil im Parcours ungewohnte Dinge auftauchen, Lernbereitschaft, weil sich die Aufgaben ständig ändern, Wendigkeit für die engen Wendungen sowie Ausdauer und Kraft, die vor allem in der Rinderarbeit gebraucht werden. Vieles davon entwickelt sich mit Training und Geduld, und kein Pferd bringt alles von Anfang an mit.

Working Equitation ohne Turnierambitionen

Ein großer Teil der Reiter, die Trailhindernisse aufbauen, wird nie ein Turnier reiten. Das ist völlig in Ordnung und für viele der eigentliche Gewinn.

Der Stiltrail ist eine ehrliche Prüfung der Rittigkeit und Durchlässigkeit, weil das Hindernis nicht diskutiert: Entweder Dein Pferd steht auf den Zentimeter genau zwischen den Stangen, oder es steht eben nicht. Die Hindernisse geben Deinem Training eine Aufgabe, an der Du merkst, ob eine Hilfe wirklich angekommen ist.

Dazu kommt der Effekt auf ängstliche Pferde. Brücke, Plane, Kiesbett und Wassergraben sind Vertrauensarbeit in konkreter Form. Und für den Alltag im Gelände sind Tor, Brücke und Seitwärts genau die Manöver, die Du draußen tatsächlich brauchst.

Wie Du einsteigst

Der einfachste Weg führt über einen Kurs. Der WED e. V. ist bundesweit über Regionalgruppen organisiert, die Lehrgänge, Trainingstage und Turniere anbieten. Über den Veranstaltungskalender findest Du, was in Deiner Nähe stattfindet, und die Regionalgruppenvertreter sind die richtigen Ansprechpartner für erste Fragen.

Für den Turnierstart brauchst Du eine Vereinsmitgliedschaft ab Klasse A, den Equidenpass mit gültigen Impfungen und eine Anmeldung nach Ausschreibung. Ergebnisse der WED-Turniere laufen über Equiscore.

Willst Du in die Rinderarbeit, führt der Weg über einen Rinderkurs bei einem zertifizierten Rindertrainer. Der WED e. V. führt eine Übersicht der autorisierten Trainer.

Für Kinder und Jugendliche gibt es einen eigenen Bereich mit Jugendkonzept, Landesjugendstützpunkten und passenden Veranstaltungen, und die Führzügelklasse WF holt Kinder ab fünf Jahren ab.

Häufige Fragen zur Working Equitation

Was bedeutet Working Equitation?

Der Begriff bezeichnet eine Turniersportdisziplin auf Basis der traditionellen Arbeitsreiterei. Sie zeigt Vielseitigkeit, Gehorsam und Wendigkeit des Pferdes in vier Teilprüfungen: Dressur, Stiltrail, Speedtrail und Rinderarbeit.

Ab welcher Klasse gibt es Rinderprüfungen?

Ab Klasse WL, und nur mit gültigem Rinderschein für Reiter und Pferd.

Was ist ein Rinderschein?

Ein Nachweis darüber, dass Reiter und Pferd Grundwissen über Bedürfnisse und Verhalten von Rindern mitbringen und die reiterlichen Fähigkeiten für die Arbeit an der Herde haben. Er wird in einem Kurs bei einem vom WED e. V. zertifizierten Rindertrainer erworben und für Reiter und Pferd getrennt ausgestellt.

Wie viele Hindernisse hat ein Trailparcours?

Je nach Klasse 4 bis 18 Hindernisse, die in vorgegebener Reihenfolge geritten werden.

Welche Hindernisse kommen im Speedtrail vor?

Dieselben wie im Stiltrail, mit zwei Unterschieden: Das Tor wird durch ein Seil ersetzt, und die Brücke muss nicht im Schritt überquert werden. Dafür kommen Strafsekunden für umgestoßene Hindernisse und eine Zeitgutschrift für den gestochenen Ring dazu.

Welchen Sattel brauche ich?

Vorgeschrieben ist keiner. Er muss dem Pferd passen, Dir Halt geben und feine Hilfen ermöglichen. Iberische Sättel, Westernsättel und passende Vielseitigkeitssättel sind alle im Einsatz.

Sind Hilfszügel erlaubt?

Nein. Weder auf dem Turnierplatz noch auf dem Abreiteplatz oder sonst irgendwo auf dem Turniergelände.

Ab welchem Alter darf mein Pferd starten?

Für die Dressurprüfung muss das Pferd mindestens vier Jahre alt sein.

Muss ich einhändig reiten?

Erst in der schweren Klasse WS, dort einhändig auf blanker Kandare. In WM wird zweihändig auf Kandare geritten, blank oder mit Unterlegtrense. Darunter reitest Du auf Trense.

Eignet sich mein Freizeitpferd?

Wenn es zuverlässig auf die Hilfen reagiert, geschlossen anhält, rückwärts geht und Wendungen um Vorhand und Hinterhand kennt, hast Du die Grundlage. Der Rest wird trainiert. Rasse und Stockmaß spielen keine Rolle.

Wo finde ich Kurse und Turniere in meiner Nähe?

Über den Veranstaltungskalender des WED e. V. und die Regionalgruppen, die bundesweit organisiert sind.

Wer ist Weltmeister in der Working Equitation?

Die Weltmeisterschaften richtet die WAWE aus. Deutschland ist seit 2011 dabei und holte 2011 Bronze, 2014 Silber, 2018 erstmals Gold im Team und wurde 2022 Vierter.

Was hat Working Equitation mit Westernreiten zu tun?

Beide gehen auf dieselben europäischen Arbeitsreitweisen zurück, die mit den spanischen Kolonisatoren nach Amerika kamen und sich dort weiterentwickelten. Deshalb ähneln sich viele Aufgaben, etwa das Tor, das Seitwärts über die Stange oder die Arbeit am Rind. Die Bewertung folgt aber dem europäischen Reglement, und die Dressur ist deutlich klassischer angelegt.

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