Das hässlichste Pferd der Welt
Wer nach dem hässlichsten Pferd der Welt sucht, erwartet meistens einen Namen. Und den gibt es tatsächlich, denn ein Pferd ist genau unter diesem Titel um die Welt gegangen. Es war weder ein zotteliges Pony noch ein krummer Rentner von der Weide, sondern ein Araberhengst, für den seine Züchter mehrere Millionen Dollar aufgerufen haben.
Dieser Beitrag erzählt seine Geschichte, erklärt, welche Merkmale beim Pferd wirklich als Fehler zählen und welche nur ungewohnt aussehen, und zeigt, wo aus einem Schönheitsideal ein handfestes Gesundheitsproblem wird. Am Ende weißt Du, warum die berühmtesten Pferde der Sportgeschichte oft die waren, die anfangs niemand haben wollte.
El Rey Magnum: das Pferd, das als hässlichstes Pferd der Welt durch die Presse ging
Im Oktober 2017 veröffentlichte Orrion Farms, ein auf Araber spezialisierter Zuchtbetrieb in Ellensburg im US-Bundesstaat Washington, ein Werbevideo. Der Titel lautete sinngemäß: Du wirst Deinen Augen nicht trauen. Zu sehen war ein neun Monate alter Hengst namens El Rey Magnum, und die Züchter nannten ihn nahezu perfekt.
Sein Kopf war das Auffällige. Araber haben von jeher ein leicht nach innen gewölbtes Profil, den sogenannten Hechtkopf. Bei El Rey Magnum war diese Wölbung so stark, dass viele Betrachter an eine Zeichentrickfigur dachten. Dazu kamen sehr weit auseinanderstehende Augen und weit geöffnete Nüstern. Innerhalb weniger Tage teilte sich die Pferdewelt in zwei Lager. Die einen sprachen vom schönsten Pferd der Welt, die anderen vom hässlichsten. Der Betrieb selbst gab an, der Hengst sei bereits mehrere Millionen Dollar wert, und sein Zuchtberater Doug Leadley beschrieb ihn als Zwischenschritt auf dem Weg zur Perfektion.
Tierärzte meldeten sich zu Wort, und ihre Bedenken drehten sich nicht um Geschmack. Der britische Pferdespezialist Tim Greet von Rossdales in Newmarket sagte dem Fachblatt Veterinary Record, Hunde und Menschen könnten durch das Maul atmen, Pferde jedoch ausschließlich durch die Nase. Er rechnete damit, dass dieses Pferd bei Belastung schnell an Grenzen stößt. Die damalige Chefredakteurin des Blattes, Adele Waters, schrieb, ihr erster Gedanke sei gewesen, die Bilder seien am Computer erzeugt.
Annette Dixon, damals Vorsitzende der Arab Horse Society in Großbritannien, ordnete das Ganze am Zuchtstandard ein. Der Araberkopf sei keilförmig, breit zwischen den Augen, mit kleinem Maul, tiefer Ganasche und sehr beweglichen Nüstern. Eine kleine Wölbung sei erwünscht, aber eben nicht zwingend, weil die Atemwege Vorrang haben. Genau daraus zieht die Rasse ihre sprichwörtliche Ausdauer.
Zur Fairness gehört die Gegenstimme: Amerikanische Tierärzte, die den Hengst untersucht hatten, meldeten weder Atemprobleme noch andere Befunde. Berichten zufolge lebt El Rey Magnum bis heute und steht in Italien in der Zucht. Der Streit um ihn läuft trotzdem weiter, weil er eine Frage stellt, die weit über ein einzelnes Pferd hinausreicht: Wie weit darf ein Zuchtziel gehen, das allein das Aussehen bedient?
Warum die Nase beim Pferd über alles entscheidet
Das Pferd atmet ausschließlich durch die Nase. Sein weiches Gaumensegel liegt so lang und dicht am Kehldeckel an, dass der Weg vom Maul in die Luftröhre im Normalfall verschlossen bleibt. Ein galoppierendes Großpferd bewegt dabei pro Minute weit über tausend Liter Luft, und diese Luft nimmt ihren Weg durch zwei Nasengänge und die Nasenmuscheln dahinter.
Deshalb wiegt eine verkürzte oder verformte Kopfanlage beim Pferd schwerer als beim Hund. Ein Mops mit Atemnot hechelt und öffnet das Maul. Ein Pferd hat diese Möglichkeit nicht. Jeder Millimeter, den ein Zuchtziel dem Nasenraum wegnimmt, wirkt sich unmittelbar auf Leistung, Erholung und Wohlbefinden aus.
Bei arabischen Pferden ist das leicht gewölbte Profil ursprünglich sogar ein Vorteil gewesen. In trockener Wüstenluft vergrößert die Form zusammen mit den weiten, dehnbaren Nüstern die Fläche, an der Atemluft angefeuchtet und erwärmt wird. Aus einem funktionierenden Merkmal wird jedoch ein Risiko, sobald die Zucht es immer weiter zuspitzt. Diesen Weg kennt die Hundewelt seit Jahrzehnten.
Hässlich oder krank: der Unterschied, auf den es ankommt
Der größte Teil dessen, was Menschen an einem Pferd hässlich nennen, sagt über die Gesundheit dieses Pferdes wenig aus. Ein anderer Teil sagt sehr viel. Diese beiden Gruppen auseinanderzuhalten, lohnt sich vor jedem Pferdekauf.
Rein optisch und ohne Krankheitswert sind unter anderem:
Ein großer, schwerer Kopf. Er verschiebt zwar den Schwerpunkt leicht nach vorn, sagt über Rittigkeit und Gesundheit aber nichts aus.
Ein Ramskopf, also ein nach außen gewölbtes Profil. In Spanien, Portugal und im Barockbereich gilt er als Adelsmerkmal.
Ungewöhnliche Farben und Abzeichen. Eine halbe Blesse, ein rosa gefleckter Nasenrücken, ein Glasauge oder eine wild gescheckte Zeichnung sind Farbgenetik und sonst nichts.
Eine misslungene Schur, ein nasses Fell, ein Winterpelz im Fellwechsel. All das wächst zu und verschwindet wieder.
Anders sieht es bei Merkmalen aus, die auf Statik und Belastung wirken. Ein deutlich durchhängender Rücken belastet die kleinen Wirbelgelenke und schränkt die Tragfähigkeit ein. Steile Fesseln nehmen dem Bein die Federung und gehen auf Sehnen und Gelenke. Sehr stark gewinkelte Sprunggelenke oder ausgeprägt kuhhessige Hinterbeine erhöhen das Risiko für Verschleiß. Ein Bockhuf zeigt eine Störung im Zusammenspiel von Sehne und Wachstum. Ein Über- oder Unterbiss stört das Abbeißen und die Zahnabnutzung ein Pferdeleben lang.
Ein einprägsamer Satz aus der Hufschmiedelehre bringt es auf den Punkt: Ein schöner Kopf hat noch keinen Meter gelaufen. Wer ein Pferd beurteilt, schaut auf Rückenlinie, Beinstellung, Hufe und Bewegung. Der Kopf kommt zuletzt.
Warum fast jedes Jungpferd einmal seltsam aussieht
Ein großer Teil der Fotos, die im Netz als hässliches Pferd kursieren, zeigt schlicht Jugendliche. Fohlen kommen mit Beinen zur Welt, die schon fast die spätere Länge haben, während Rumpf und Hals noch wachsen. Der Kopf wirkt dazu riesig. Diese Verhältnisse verschieben sich über Jahre.
Dazu kommt das ungleiche Wachstum von Vor- und Hinterhand. Junge Pferde schieben monatelang das Becken nach oben, stehen also hinten höher als vorn, und wachsen dann vorn nach. Bei Großpferden dauert dieses Hin und Her ungefähr bis zum vierten Lebensjahr, bei spätreifen Rassen länger. In dieser Zeit sieht ein Pferd im Frühjahr anders aus als im Herbst, und ein Foto trifft eben immer nur einen Moment.
Bei alten Pferden läuft der Vorgang in die andere Richtung. Die Rückenmuskulatur baut ab, die Wirbelsäule zeichnet sich stärker durch, die Gelenke treten hervor. Ein dreißigjähriges Pferd, das gepflegt wird und schmerzfrei läuft, sieht knochiger aus als ein Achtjähriger im Training. Beides gehört zum Alter.
Schönheitsideale wandern von Land zu Land
Was als schön gilt, hängt davon ab, wofür ein Pferd gebraucht wurde. Ein paar Beispiele zeigen, wie weit die Vorstellungen auseinandergehen.
Der Marwari aus Rajasthan trägt Ohren, die sich nach innen biegen, bis sich die Spitzen berühren. In Indien ist das ein Adelsmerkmal und in den alten Beschreibungen ein Zeichen edler Abstammung. Wer die Rasse zum ersten Mal sieht, hält die Ohren oft für eine Fehlbildung.
Der Kladruber aus Tschechien wurde jahrhundertelang als schwerer Karossier für den Wiener Hof gezüchtet. Sein stark geramster Kopf mit der ausgeprägten Nasenwölbung war genau das gewünschte Bild: würdevoll, barock, weithin sichtbar vor der Kutsche.
Der Achal-Tekkiner aus Turkmenistan wirkt mit langem, dünnem Hals, schmalem Rumpf, dünner Haut und spärlicher Mähne auf viele mitteleuropäische Augen unfertig. Gezüchtet wurde er für Hitze, Trockenheit und weite Strecken, und sein metallisch schimmerndes Fell gilt heute weltweit als eines der schönsten überhaupt.
Das Przewalski-Pferd, das einzige nie domestizierte Wildpferd, trägt einen groben Kopf, eine kurze Stehmähne, keinen Stirnschopf und einen gedrungenen Körper. Für die Zoologie ist es ein Schatz, für den Schönheitswettbewerb wäre es chancenlos.
Der Curly aus Nordamerika bringt gelocktes Fell mit, teils bis in Mähne und Wimpern. Manche Menschen finden das entzückend, andere halten das Pferd im Fellwechsel für krank.
Dieselbe Verschiebung gibt es innerhalb Deutschlands. Ein kompaktes Fjordpferd mit Stehmähne und kurzem Hals wirkt neben einem modernen Sportpferd behäbig. Auf einem Wanderritt über nasse Wurzelböden zeigt sich, wofür dieser Körperbau steht.
Wenn Zucht wirklich hässlich wird
Interessant wird die Frage nach dem hässlichsten Pferd der Welt dort, wo sie den Menschen betrifft und nicht das Tier. Drei Beispiele stehen dafür.
Halterklasse-Quarter-Horses und das Erbe von Impressive
In der amerikanischen Halterklasse werden Pferde an der Hand vorgestellt und nach Körperbau bewertet. Über Jahrzehnte hat sich das Ideal in Richtung extremer Muskelmasse verschoben: gewaltige Oberschenkel, mächtige Kruppe, dazu vergleichsweise dünne Beine und kleine Hufe.
Der Hengst Impressive, geboren 1969, prägte diesen Typ wie kein zweiter. Seine Nachkommen räumten die Schauen ab und wurden selbst zu gefragten Vererbern. 1992 wurde öffentlich, dass er Träger einer Genmutation war, die hyperkaliämische periodische Paralyse auslöst, kurz HYPP. Betroffene Pferde bekommen Anfälle mit Muskelzittern, Schwäche, Zusammenbrechen und in schweren Fällen Atemnot. Der Erbgang ist dominant, ein einziges betroffenes Elterntier reicht also aus.
Bis dahin hatte der Hengst über zwei Jahrzehnte gedeckt. 2003 zählte man über 55.000 lebende Nachkommen. Ein Gentest steht seit den frühen Neunzigern zur Verfügung, und die AQHA verlangt seit dem Jahrgang 2007 den Test für alle Nachkommen dieser Linie. Homozygot betroffene Fohlen werden nicht mehr eingetragen. Schätzungen gehen davon aus, dass immer noch ein kleiner Prozentsatz aller Quarter Horses die Anlage trägt.
Die Mutation hielt sich so lange, weil sie einen sichtbaren Vorteil brachte. Der veränderte Natriumkanal hält die Muskulatur in dauerhafter leichter Anspannung, und genau dieser Look gewann im Ring.
Zwergwuchs bei Miniaturpferden
Bei Miniaturpferden wurde jahrzehntelang auf immer geringere Größe gezüchtet. Ein Teil dieser Kleinheit beruht auf Veränderungen im Aggrecan-Gen, kurz ACAN. Vier Varianten sind beschrieben, D1 bis D4, und sie werden rezessiv vererbt.
Eine Untersuchung von 2018 kam bei amerikanischen Miniaturpferden auf eine Trägerrate von rund 26 Prozent. Jedes vierte Pferd dieser Population trägt also eine der Anlagen, ohne selbst betroffen zu sein. Treffen zwei Anlagen zusammen, geht ein Großteil der Kombinationen mit D1 mit dem Absterben der Frucht einher. Die übrigen Kombinationen führen zu lebenden Fohlen mit gewölbtem Schädel, deutlichem Unterbiss, verkürzten und gebogenen Beinen, teils mit Gaumenspalte, Atemproblemen und Schwierigkeiten beim Fressen.
Bei Friesen gibt es eine eigene Form des Zwergwuchses über eine Veränderung im Gen B4GALT7. Für beide Formen existieren Gentests.
Die Zuspitzung des Araberkopfs
El Rey Magnum steht am äußersten Ende einer Entwicklung, die in Schauklassen begonnen hat. Bewertet werden dort Typ und Ausdruck, und ein extremer Kopf fällt auf. So entsteht ein Kreislauf: Was gewinnt, wird eingesetzt, und das Ergebnis verschiebt den Maßstab noch ein Stück weiter.
Das deutsche Tierschutzgesetz zieht dort eine Grenze. Nach Paragraf 11b ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit zu rechnen ist, dass Körperteile oder Organe der Nachkommen für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten. Diskutiert wird die Regel überwiegend bei Hunden und Katzen. Für Pferde gilt sie genauso.
Die berühmtesten hässlichen Pferde der Geschichte
Die schönsten Geschichten der Pferdewelt handeln von Tieren, die auf den ersten Blick niemand wollte.
Snowman war ein grauer Ackergaul, acht Jahre alt, dünn, verdreckt und auf dem Weg zum Schlachter. Im Februar 1956 kam der niederländische Auswanderer Harry deLeyer zu spät zur Auktion im pennsylvanischen New Holland und sah die restlichen Pferde bereits auf dem Transporter stehen. Ihn interessierte der Ausdruck der Augen des großen Schimmels, und er kaufte ihn für achtzig Dollar. Zunächst diente Snowman als geduldiges Schulpferd für Reitanfängerinnen. DeLeyer verkaufte ihn weiter, doch das Pferd sprang die Koppelzäune und stand immer wieder zu Hause. Daraufhin begann das Springtraining. 1958 gewann Snowman die offene Springchampionatswertung der National Horse Show im Madison Square Garden, 1959 den dortigen Hauptpreis, und in beiden Jahren wurde er zum Pferd des Jahres gewählt. Er trat in Fernsehshows auf, gewann an einem einzigen Tag eine Führzügelklasse und ein schweres Springen, starb 1974 und wurde 1992 in die Show Jumping Hall of Fame aufgenommen.
Seabiscuit galt als zu klein, zu knotig in den Knien und zu faul. Er stand tief, verbrachte auffällig viel Zeit im Liegen und verlor seine ersten Rennen. Unter Trainer Tom Smith wurde er zum Publikumsliebling der amerikanischen Depressionsjahre, und 1938 schlug er im Zweikampf in Pimlico den favorisierten Triple-Crown-Sieger War Admiral, der ihn um eine deutliche Handbreit überragte.
Halla kam am 16. Mai 1945 in Darmstadt zur Welt. Ihre Mutter Helene war ein französisches Beutepferd ohne Papiere, ihr Vater der Traberhengst Oberst. Auf dem Papier sprach damit nichts für eine Sportkarriere. Sie wurde Rennpferd, dann Hindernispferd, dann Kandidatin für die Vielseitigkeit, und mehrere Reiter kamen mit ihr nicht zurecht. Überliefert ist das Urteil von Oberlandstallmeister Gustav Rau, man solle die verrückte Ziege vor einen Pflug spannen. 1951 übernahm der junge Hans Günter Winkler die Stute. Es folgten zwei Weltmeistertitel, 125 gewonnene Springen und drei olympische Goldmedaillen. In Stockholm trug sie 1956 ihren schwer verletzten Reiter, der unter starken Schmerzmitteln stand, praktisch ohne Hilfen fehlerfrei durch den Parcours. Halla wurde 34 Jahre alt.
Sergeant Reckless schließlich war eine kleine koreanische Stute mit kurzem Hals und langem Rücken, die im Koreakrieg Munition zu den Stellungen trug, oft allein und unter Beschuss. Sie wurde zweimal verwundet und im Anschluss offiziell zum Sergeanten befördert.
Wenn jemand Dein Pferd hässlich nennt
In sozialen Netzwerken fällt dieser Satz schnell, und er trifft. Ein Blick auf die Technik hinter solchen Fotos hilft dabei, gelassen zu bleiben.
Handykameras arbeiten mit Weitwinkel. Aus zwei Metern Abstand wird dadurch alles größer, was nah an der Linse liegt, also meistens der Kopf. Tritt drei bis vier Schritte zurück und zoome heran, dann stimmen die Verhältnisse wieder.
Halte die Kamera auf Höhe des Widerrists. Von unten fotografiert wirkt jedes Pferd knochig und langbeinig, von oben herab gedrungen.
Stelle das Pferd geschlossen hin und fotografiere leicht schräg von vorn, ungefähr im halben Seitenwinkel. So sieht man Hals, Schulter und Kruppe zugleich.
Nimm weiches Licht am Morgen oder am späten Nachmittag. Mittagssonne wirft harte Schatten in die Muskulatur und zeichnet jede Rippe nach.
Sorge kurz vor dem Auslösen für ein interessantes Geräusch, damit die Ohren nach vorn kommen. Der Ausdruck des Gesichts verändert das Bild stärker als jedes Körpermerkmal.
Und wenn das Bild trotzdem nicht schmeichelt: Ein Pferd, das gesund ist, gern mitarbeitet und Dich am Tor erwartet, hat seinen Wert längst bewiesen.
Woran Du ein gut gebautes Pferd erkennst
Wer ein Pferd kaufen oder einschätzen will, findet in wenigen Punkten mehr Aussagekraft als in jedem Schönheitsurteil.
Betrachte das Pferd von der Seite in drei ungefähr gleich langen Abschnitten: Vorhand, Mittelstück, Hinterhand. Deutliche Verschiebungen fallen dabei sofort auf.
Ziehe im Kopf eine Linie vom Widerrist zur Kruppe. Eine leicht geschwungene, tragfähige Rückenlinie ist das Ziel, ein tiefer Sattel im Rücken ein Warnzeichen.
Schau von vorn und von hinten auf die Beinachsen. Die Gliedmaßen sollen gerade unter dem Körper stehen, die Hufe gleichmäßig belastet und paarweise gleich groß sein.
Lass das Pferd auf hartem Boden im Schritt und im Trab vorführen, geradeaus und im Kreis. Takt und Gleichmaß sagen mehr über die Zukunft aus als jedes Standbild.
Achte auf die Ganasche und den Kehlgang. Ein weiter Raum zwischen den Unterkieferästen gibt der Luftröhre Platz, wenn das Pferd im Genick nachgibt.
Fazit
Das hässlichste Pferd der Welt existiert als Titel, den die Medien vergeben haben, und El Rey Magnum trägt ihn seit 2017. Als Zuchtziel oder Rassemerkmal existiert es nicht.
Bemerkenswert bleibt, dass genau dieses Pferd von seinen Züchtern als das schönste angepriesen wurde. Beide Urteile beschreiben dieselbe Nasenwölbung. Der eigentliche Maßstab liegt woanders, nämlich bei der Frage, ob ein Pferd mit dem Körper, den der Mensch ihm angezüchtet hat, atmen, fressen, laufen und ein langes Leben führen kann. Nach diesem Maßstab war Snowman, der achtzig Dollar teure Ackergaul, eines der schönsten Pferde, die je einen Parcours gesprungen sind.
Häufige Fragen
Gibt es eine hässlichste Pferderasse?
Nein, das ist Geschmackssache und hängt stark davon ab, woran das Auge gewöhnt ist. Häufig genannt werden Rassen mit ungewohnten Merkmalen wie der Marwari mit seinen eingedrehten Ohren, der geramste Kladruber oder das gedrungene Przewalski-Pferd. Alle drei sind für ihre Aufgabe hervorragend gebaut.
Warum sehen manche Fohlen so seltsam aus?
Fohlen kommen mit nahezu ausgewachsenen Beinen zur Welt, während Rumpf, Hals und Kopf ihre Form erst finden. Dazu wächst die Hinterhand phasenweise schneller als die Vorhand. Bis etwa zum vierten Lebensjahr verändert sich dieses Bild ständig.
Ist ein Ramskopf ein Zuchtfehler?
Beim Pferd ist der Ramskopf ein Rassemerkmal und in vielen Zuchten ausdrücklich erwünscht, etwa bei Kladrubern, Lipizzanern und Teilen der iberischen Zucht. Gesundheitliche Nachteile bringt er nicht mit sich.
Kann ein extrem gewölbter Kopf einem Pferd schaden?
Das ist der Kern der Debatte um El Rey Magnum. Pferde atmen ausschließlich durch die Nase, weshalb eine starke Verkürzung oder Verformung des Nasenraums die Belastbarkeit einschränken kann. Bei diesem Hengst fanden untersuchende Tierärzte allerdings keine Atemwegsbefunde.
Welches Pferd gilt als das schönste der Welt?
Genannt werden meistens der Achal-Tekkiner mit seinem metallisch schimmernden Fell, der Andalusier, der Friese und der Araber. Alle vier verdanken ihr Aussehen einer klaren Zuchtabsicht über viele Jahrhunderte.
Kann ein unscheinbares Pferd ein gutes Reitpferd sein?
Die Sportgeschichte spricht dafür. Snowman kam vom Schlachttransport und gewann im Madison Square Garden, Halla stammte von einer Beutestute ohne Papiere und gewann dreimal olympisches Gold. Ausschlaggebend sind Gesundheit, Bewegung und Charakter.

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