Pferde scheren

Pferde scheren: Schermuster, Schermaschine und Eindecken

Sobald die Tage kürzer werden, verwandeln sich manche Pferde innerhalb weniger Wochen in ausgesprochen dekorative Plüschtiere, was zunächst gemütlich aussieht, beim Reiten aber schnell zum Problem werden kann, denn unter einem dichten Winterfell entsteht bei der Arbeit genauso viel Körperwärme wie im Sommer, nur kann das Pferd sie deutlich schlechter abgeben und steht anschließend nassgeschwitzt im Stall, während der Besitzer mit Abschwitzdecke, Handtüchern und wachsender Verzweiflung versucht, aus dem tropfenden Teddybären wieder ein trockenes Pferd zu machen.

Genau deshalb werden Pferde geschoren, allerdings bedeutet das nicht, dass jedes Pferd im Herbst automatisch unter die Schermaschine gehört, denn das Winterfell ist keine lästige Fehlproduktion der Natur, sondern ein erstaunlich wirksamer Schutz gegen Kälte, Wind und Nässe. Wer Fell entfernt, erleichtert zwar die Wärmeabgabe während der Arbeit, nimmt dem Pferd aber gleichzeitig einen Teil seiner natürlichen Isolierung und muss diesen Verlust anschließend durch eine passende Haltung, einen guten Witterungsschutz und gegebenenfalls durch Pferdedecken ausgleichen.

Die vernünftigste Grundregel für das Scheren beim Pferd lautet deshalb: Es wird nicht so viel geschoren, wie möglichst beeindruckend aussieht, sondern nur so viel, wie das Pferd aufgrund seiner Arbeit und seines individuellen Fellwachstums tatsächlich braucht.

Warum Pferde scheren?

Der wichtigste Grund für eine Pferdeschur ist nicht die Optik, sondern die bessere Wärmeabgabe während des Trainings. Ein dichtes Winterfell hält die vom Körper produzierte Wärme fest, wodurch ein arbeitendes Pferd schneller und stärker schwitzt, während das lange Fell anschließend viel Feuchtigkeit speichert und entsprechend langsam trocknet.

Durch die Schur wird nicht verhindert, dass ein Pferd schwitzt, denn Schwitzen ist eine normale und notwendige Reaktion des Körpers, allerdings kann die Wärme leichter abgegeben werden, der Schweiß verdunstet schneller und das Pferd trocknet nach dem Training wesentlich zügiger. In einer Untersuchung mit intensiv arbeitenden Trabern waren die geschorenen Pferde thermisch weniger belastet und ihre Atemfrequenz normalisierte sich nach der Arbeit schneller als mit vollständigem Winterfell.

Eine Schur kann deshalb sinnvoll sein, wenn ein Pferd im Winter regelmäßig trainiert wird, nach der Arbeit an Hals, Brust, Schulter, Bauch oder Flanken stark durchnässt ist und trotz ausgiebigem Trockenführen sehr lange feucht bleibt. Sie erleichtert außerdem die Fellpflege und macht Hautveränderungen besser sichtbar, doch diese praktischen Nebeneffekte allein sind noch kein überzeugender Grund, einem wenig gearbeiteten Pferd vorsorglich den gesamten Wintermantel abzunehmen.

Muss jedes Pferd geschoren werden?

Nein, längst nicht jedes Pferd muss geschoren werden. Ein Pferd, das im Winter überwiegend im Schritt bewegt wird, bei der Arbeit kaum schwitzt oder nach kurzer Zeit wieder trocken ist, braucht normalerweise keine Schur, und auch ein Pferd mit dichtem Fell muss nicht allein deshalb geschoren werden, weil es neben einem kurzhaarigen Warmblüter plötzlich aussieht, als hätte es sich als Islandpony verkleidet.

Entscheidend sind vielmehr mehrere Faktoren, die immer gemeinsam betrachtet werden sollten:

  • Wie häufig und wie intensiv wird das Pferd gearbeitet?
  • An welchen Stellen und wie stark schwitzt es tatsächlich?
  • Wie lange benötigt es nach einer normalen Trainingseinheit, bis es wieder trocken ist?
  • Lebt es im Stall, auf der Weide oder dauerhaft im Offenstall?
  • Stehen trockene Liegeflächen sowie Schutz vor Wind und Regen zur Verfügung?
  • Ist das Pferd gesund, normalgewichtig und in einem guten Futterzustand?
  • Können Decken mehrmals täglich kontrolliert und bei Wetterwechseln angepasst werden?

Bevor man sich für eine große Schur entscheidet, lohnt es sich, das Pferd nach mehreren typischen Trainingseinheiten genau anzusehen und die tatsächlichen Schweißzonen zu beurteilen. Ist nur der Unterhals feucht, braucht das Pferd keine Deckenschur, und wenn lediglich Brust und Gurtlage regelmäßig nass werden, reicht häufig eine kleine Hals-Bauch-Schur vollkommen aus.

Vorsicht ist geboten, wenn ein älteres Pferd plötzlich ungewöhnlich langes oder lockiges Fell entwickelt, den Fellwechsel nicht mehr vollständig schafft oder bereits bei geringer Belastung auffallend stark schwitzt, denn dahinter kann unter anderem eine Stoffwechselerkrankung wie PPID stecken. In diesem Fall kann Scheren dem Pferd zwar Erleichterung verschaffen, die Ursache sollte aber tierärztlich abgeklärt werden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Pferde scheren?

Der richtige Zeitpunkt richtet sich weniger nach einem festen Datum als nach dem Fell und der Arbeit des Pferdes. Die meisten Pferde werden erstmals im September, Oktober oder November geschoren, sobald das Winterfell so dicht geworden ist, dass sie beim normalen Training übermäßig schwitzen und nur noch langsam trocknen.

Je nach Fellwachstum und gewünschter Haarlänge kann im Abstand von einigen Wochen nachgeschoren werden, wobei nicht automatisch der komplette Schnitt wiederholt werden muss, wenn eine kleinere Nachschur an den besonders stark schwitzenden Stellen ausreicht. Manche Pferde werden während eines Winters nur einmal geschoren, andere benötigen mehrere Schuren und sehr intensiv gearbeitete Sportpferde werden teilweise ganzjährig kurz gehalten.

Häufig liest man, die letzte Schur müsse unbedingt Ende Januar oder Anfang Februar erfolgen, weil sonst das Sommerfell geschädigt werde. Diese Empfehlung wird noch immer verbreitet, ist aber keine unumstößliche biologische Grenze: Das Schneidemesser kürzt den sichtbaren Haarschaft, verändert jedoch nicht den Fellwechsel im Haarfollikel. Wird spät im Winter geschoren, können bereits nachwachsende Sommerhaare allerdings mitgekürzt werden, wodurch das Fell vorübergehend stumpfer wirken kann oder alte Schurlinien länger sichtbar bleiben. Selbst unter erfahrenen Pferdepflegern gehen die Meinungen über die letzte Schur deshalb deutlich auseinander.

Für ein Ausstellungspferd kann diese optische Frage wichtig sein, für ein stark schwitzendes Freizeitpferd sollte dagegen das Wohlbefinden entscheidender sein als eine traditionelle Kalenderregel.

Schermuster Pferd: Welche Muster kann man scheren?

Beim Suchbegriff „Pferde scheren Muster“ sind meist zwei verschiedene Dinge gemeint: funktionale Schermuster, bei denen bestimmte Körperbereiche bewusst stehen bleiben, und dekorative Motive wie Herzen, Sterne oder Initialen, die in eine ohnehin notwendige Schur eingearbeitet werden.

Die Bezeichnungen der funktionalen Schermuster sind nicht überall vollkommen einheitlich, und besonders bei Rallye-, Trace- und Chaser-Schuren verlaufen die Linien je nach Stall, Land und persönlicher Tradition etwas unterschiedlich. Entscheidend ist deshalb nicht der Name des Schnitts, sondern welche Körperbereiche tatsächlich geschoren werden und wie viel natürlicher Schutz dem Pferd anschließend bleibt. Zu den üblichen Schurarten gehören Bib-, Irish-, Trace-, Chaser-, Decken-, Hunter- und Vollschur.

Bib-Schur oder Lätzchenschur

Die Bib-Schur ist das kleinste klassische Schermuster. Dabei wird lediglich ein schmaler Bereich an der Vorderseite des unteren Halses und an der Brust geschoren, also genau dort, wo viele leicht gearbeitete Pferde zuerst schwitzen.

Sie eignet sich besonders für Pferde in leichter Arbeit, für robuste Pferde mit viel Winterfell und für Tiere, die einen großen Teil des Tages draußen oder im Offenstall verbringen. Da Rücken, Flanken, Kruppe und fast der gesamte Hals vollständig behaart bleiben, behält das Pferd den größten Teil seiner natürlichen Isolation.

Bin Schur

Hals-Bauch-Schur

Bei der Hals-Bauch-Schur wird die Bib-Schur zwischen den Vorderbeinen hindurch über die Brust und den Unterbauch bis zur Gurtlage oder etwas darüber hinaus verlängert. Damit werden mehrere typische Schweißzonen freigelegt, während Rücken, Oberhals, Flanken und Kruppe geschützt bleiben.

Für viele Freizeitpferde ist diese Schur bereits der beste Kompromiss, weil sie nach der Arbeit deutlich schneller trocknen, ohne dass gleich das halbe Pferd entpelzt werden muss.

Irish-Schur oder Irish Clip

Beim Irish Clip verläuft meist eine diagonale Linie vom Kopf- beziehungsweise Halsbereich in Richtung Bauch. Unterhals, Brust, Schulter und ein Teil des Bauches werden geschoren, während der hintere Körperbereich, Rücken, Kruppe und Beine ihr Winterfell behalten.

Die Schur geht vergleichsweise schnell, ist leichter symmetrisch hinzubekommen als komplizierte Kurvenschnitte und eignet sich deshalb gut für junge Pferde, die erstmals geschoren werden, sowie für Pferde in leichter bis mittlerer Arbeit.

Trace-Schur, Rallyeschnitt oder Streifenschur

Bei der Trace-Schur wird ein mehr oder weniger breiter Streifen entlang des unteren Halses, der Brust, des Bauches und der unteren Flanke bis in Richtung Hinterhand geschoren. Je nachdem, wie hoch die obere Begrenzung verläuft, spricht man von einer niedrigen, mittleren oder hohen Trace-Schur.

Der in Deutschland geläufige Rallyeschnitt oder Streifenschnitt ist eine ähnliche Variante, bei der die stark schwitzenden Körperbereiche freigelegt werden, während Oberhals, Rücken, Nierenpartie und Beine behaart bleiben. Dieses Pferde-Schermuster passt häufig zu Pferden in mittlerer Arbeit, die regelmäßig draußen stehen und deshalb möglichst viel Wetterschutz behalten sollen.

Chaser-Schur

Die Chaser-Schur entfernt mehr Fell als eine niedrige Trace-Schur, lässt aber entlang des Mähnenkamms, der Oberlinie, des Rückens und der Nierenpartie einen breiten Streifen Winterfell stehen. Auch die Beine bleiben in der Regel ungeschoren.

Sie eignet sich für Pferde, die regelmäßig und teilweise recht intensiv gearbeitet werden, aber weiterhin viel Zeit draußen verbringen oder im Rückenbereich empfindlich auf Kälte und Nässe reagieren.

Deckenschur oder Blanket Clip

Bei der Deckenschur werden Hals, Brust, Schulter, Bauch, Flanken und große Teile des Körpers geschoren, während auf Rücken und Kruppe eine geschlossene Fläche in Form einer Nieren- oder Ausreitdecke stehen bleibt. Auch die Beine werden gewöhnlich nicht geschoren.

Damit kann ein Pferd bei mittlerer bis stärkerer Arbeit deutlich mehr Wärme abgeben, behält aber auf Rücken und Nierenpartie einen gewissen natürlichen Schutz. Da bereits große Körperflächen freigelegt werden, braucht ein Pferd mit Deckenschur im Winter normalerweise ein sorgfältig angepasstes Deckenmanagement.

Hunter-Schur oder Jagdschur

Bei der Hunter-Schur wird fast der gesamte Körper geschoren, lediglich die Beine und eine begrenzte Fläche unter dem Sattel bleiben behaart. Das Fell an den Beinen schützt vor Gestrüpp, Schmutz und kleinen Verletzungen, während die stehen gelassene Sattellage das Risiko von Reibung auf frisch geschorener Haut verringern soll.

Dieses Schermuster stammt aus dem Jagdsport und eignet sich für Pferde in intensiver Arbeit. Für ein durchschnittlich gearbeitetes Freizeitpferd ist es meistens mehr Schur als notwendig, und ohne passende Decken sowie zuverlässigen Schutz vor Wind und Nässe ist ein Hunterschnitt im Winter keine vernünftige Lösung.

Vollschur

Bei der Vollschur werden Körper, Hals, Kopf und Beine vollständig geschoren, wobei die Tasthaare an Maul, Nüstern und Augen sowie die schützenden Haare innerhalb der Ohrmuscheln selbstverständlich stehen bleiben müssen.

Eine Vollschur ist vor allem bei Pferden in sehr intensiver Arbeit, bei bestimmten Sportpferden oder aus gesundheitlichen Gründen sinnvoll, etwa wenn ein Pferd aufgrund eines gestörten Fellwechsels auch bei warmem Wetter unter einem extrem dichten Haarkleid leidet. Sie entfernt allerdings nahezu die gesamte natürliche Fellisolierung und verlangt deshalb ein besonders zuverlässiges Decken- und Haltungsmanagement.

Die Tasthaare und die Haare in den Ohrmuscheln sind kein überflüssiger Friseurbedarf, sondern erfüllen wichtige Schutz- und Sinnesfunktionen. Nach dem aktuellen FN-Regelwerk sind Pferde, deren Tasthaare am Kopf entfernt oder deren Ohrmuscheln ausrasiert wurden, nicht zu Leistungsprüfungen zugelassen.

Welches Schermuster ist für mein Pferd das richtige?

Das passende Schermuster orientiert sich in erster Linie an der tatsächlichen Arbeitsbelastung und an den Stellen, an denen das Pferd schwitzt. Bei leichter Arbeit reicht häufig eine Bib- oder Hals-Bauch-Schur, bei regelmäßiger mittlerer Arbeit kommen Irish-, Trace-, Rallye- oder Chaser-Schur infrage, während Decken- und Hunter-Schuren eher für deutlich intensiver trainierte Pferde gedacht sind.

Im Zweifel sollte man mit einem kleinen Schermuster beginnen, denn Fell kann später immer noch weiter entfernt werden, lässt sich nach einer übermotivierten Vollschur aber nur ausgesprochen schlecht wieder ankleben. Trocknet das Pferd mit der kleinen Schur weiterhin schlecht, kann man die Linie beim nächsten Mal erweitern; bleibt es dagegen angenehm temperiert und ist nach der Arbeit schnell trocken, hat man genau die richtige Menge Fell entfernt.

Welche dekorativen Muster kann man beim Pferd scheren?

Herzen, Sterne, Kleeblätter, Kronen, Blitze, Initialen oder kleine Silhouetten werden meistens an der Kruppe angebracht, weil dort eine relativ große, ebene Fläche zur Verfügung steht. Das Motiv kann entweder als längeres Fell stehen bleiben, während die Umgebung geschoren wird, oder mit einer kleinen Detailmaschine in das längere Fell eingearbeitet werden.

Für einfache Motive eignen sich Schablonen, die mit Fellkreide vorgezeichnet werden, während komplizierte Eigenkreationen eine ruhige Hand, eine kleine Schermaschine und ein Pferd verlangen, das nicht genau in dem Moment einen Schritt zur Seite macht, in dem aus dem geplanten Stern versehentlich eine Kartoffel wird.

Ein dekoratives Motiv sollte jedoch nur eine bereits sinnvolle Schur ergänzen. Es ist kein Grund, zusätzliche große Fellflächen zu entfernen, die das Pferd für seine Wärmeisolierung eigentlich behalten könnte.

Kann man Pferde auch ohne Eindecken scheren?

Ja, Pferde scheren ohne Eindecken kann in bestimmten Fällen funktionieren, allerdings vor allem bei einer sehr kleinen Bib-, Hals-Bauch- oder niedrigen Trace-Schur und nicht nach einer großflächigen Decken-, Hunter- oder Vollschur.

Ob ein teilweise geschorenes Pferd ohne Decke zurechtkommt, hängt von seiner Gesundheit, seinem Körperzustand, seiner Rasse, der Menge des stehen gebliebenen Fells, dem Wetter, der Haltung, dem Zugang zu trockenem Witterungsschutz und der ausreichenden Versorgung mit Raufutter ab. Selbst die British Horse Society weist darauf hin, dass manche Pferde mit einer kleinen Bib- oder Trace-Schur ohne Decke gut zurechtkommen können.

Besonders problematisch ist nicht nur eine niedrige Temperatur, sondern die Verbindung aus Kälte, Wind und anhaltender Nässe, weil ein Pferd unter diesen Bedingungen wesentlich mehr Wärme verliert als bei trockener, windstiller Kälte. Ein geschützter Unterstand, trockene Liegeflächen, freie Bewegung und ausreichend Raufutter sind deshalb für die Wärmehaltung mindestens ebenso wichtig wie die Zahl auf dem Thermometer.

Ohne Eindecken kann eine kleine Teilschur am ehesten funktionieren, wenn:

  • nur Hals, Brust oder ein schmaler Bereich am Unterbauch geschoren wurden,
  • Rücken, Oberhals, Flanken und Kruppe vollständig behaart bleiben,
  • das Pferd gesund und nicht zu dünn ist,
  • es jederzeit trockenen Schutz vor Wind und Regen aufsuchen kann,
  • ausreichend Raufutter zur Verfügung steht,
  • das Wetter regelmäßig kontrolliert wird und eine passende Decke für plötzliche Wetterumschwünge bereitliegt,
  • das Pferd täglich beobachtet und bei Bedarf sofort eingedeckt werden kann.

Zittern, eine angespannte Körperhaltung, ein fest angeklemmter Schweif, auffallendes Aufsuchen des Unterstands oder ein schleichender Gewichtsverlust können darauf hindeuten, dass das Pferd mehr Schutz benötigt. Umgekehrt sind Schwitzen unter der Decke, feuchtwarme Haut, verstärkte Atmung, Unruhe oder häufiges Scheuern Hinweise darauf, dass zu warm eingedeckt wurde. Eine starre Tabelle nach dem Muster „bei fünf Grad exakt 200 Gramm“ kann die tägliche Kontrolle des individuellen Pferdes deshalb nicht ersetzen.

Welche Schermaschine ist die richtige?

Die richtige Schermaschine hängt davon ab, ob nur ein kleiner Bereich am Hals geschoren werden soll oder ob regelmäßig mehrere Pferde mit dichtem Winterfell vollständig geschoren werden. Eine kleine, leise Detailmaschine ist angenehm leicht und eignet sich für Motive, den Kopfbereich oder kleine Teilschuren, kann bei einer Vollschur aber überfordert sein, während eine große professionelle Schermaschine durch dickes Fell arbeitet, dafür jedoch schwerer, lauter und für empfindliche Bereiche unhandlicher ist.

Für großflächige Schuren braucht man eine leistungsfähige Pferdeschermaschine mit breitem Scherkopf, guter Kühlung und einer Laufzeit, die zur geplanten Arbeit passt. Für Kopf, Beine, Übergänge und dekorative Motive ist eine zweite, kleinere Maschine oft wesentlich angenehmer. Auch Hersteller unterscheiden ausdrücklich zwischen leistungsstarken Maschinen für Komplettschuren und handlicheren Geräten für Kopf, Beine und kleine Flächen. (aesculap-schermaschinen.de)

Eine Akkumaschine bietet viel Bewegungsfreiheit und vermeidet das Risiko, dass Pferd oder Mensch in ein Kabel tritt, benötigt bei längeren Schuren aber ausreichend Akkulaufzeit oder einen Wechselakku. Eine kabelgebundene Maschine kann bei mehreren Pferden zuverlässiger durchlaufen, verlangt jedoch ein sehr sorgfältiges Kabelmanagement und einen sicheren Stromanschluss.

Wichtiger als eine möglichst beeindruckende Wattzahl sind:

  • ausreichend Kraft für den Felltyp und die geplante Schurfläche,
  • ein Gewicht, das auch nach einer Stunde noch angenehm in der Hand liegt,
  • geringe Vibrationen und eine für das Pferd erträgliche Lautstärke,
  • gut erhältliche Ersatzmesser und ein erreichbarer Schleif- oder Reparaturservice,
  • eine unkomplizierte Reinigung und Schmierung,
  • bei Akkumaschinen eine realistische Laufzeit und möglichst ein Wechselakku,
  • mindestens ein zusätzlicher Satz scharfer Schermesser.

Stumpfe oder verschmutzte Messer ziehen an den Haaren, produzieren Streifen und werden schneller heiß. Zwei scharfe Messersätze sind deshalb keine luxuriöse Stallverwöhnung, sondern verhindern, dass man nach der Hälfte der Schur mit einem Pferd dasteht, das auf der linken Seite Sportpferd und auf der rechten Seite noch Yak ist.

Wer nur ein einziges Pferd einmal im Jahr schert, muss nicht zwingend eine teure Profimaschine kaufen. In diesem Fall kann das Ausleihen einer guten Maschine oder das Scheren durch eine erfahrene Person günstiger, sicherer und für das Pferd entspannter sein.

Wie gewöhnt man das Pferd an die Schermaschine?

Die Gewöhnung an die Schermaschine sollte nicht erst an dem Tag beginnen, an dem das ganze Pferd geschoren werden muss. Pferde reagieren nicht nur auf das Geräusch, sondern auch auf die Vibration, die ungewohnte Berührung, das Kabel, die Dauer des Stillstehens und die Tatsache, dass sich ein Mensch mit einem summenden Gerät in empfindliche Körperbereiche bewegt.

Am besten wird das Training in mehrere kurze Schritte aufgeteilt:

  1. Zunächst wird die ausgeschaltete Maschine in der Nähe des Pferdes gehalten und bewegt, ohne dass etwas geschieht.
  2. Anschließend wird die Maschine in einigen Metern Entfernung eingeschaltet und wieder ausgeschaltet, solange das Pferd noch ruhig bleibt.
  3. In den folgenden Einheiten wird der Abstand langsam verkleinert, ohne das Pferd festzuhalten oder mit dem Geräusch zu verfolgen.
  4. Nimmt das Pferd das Surren gelassen hin, kann es zunächst an der Schulter mit dem Gehäuse einer gesicherten Maschine oder einem kleinen, leisen Trimmer an die Vibration gewöhnt werden.
  5. Die ersten tatsächlichen Scherzüge erfolgen an einer großen, wenig empfindlichen Stelle wie Schulter oder Hals und dauern nur wenige Sekunden.
  6. Erst wenn das zuverlässig funktioniert, werden Dauer und Körperfläche schrittweise erweitert.
  7. Ruhiges Verhalten wird belohnt, wobei die Einheit möglichst beendet wird, bevor das Pferd unruhig wird und nicht erst, nachdem die Situation eskaliert ist.

Auch Pferde, die äußerlich relativ stillhalten, können das Scheren als belastend empfinden. In einer Untersuchung zeigten selbst Pferde mit wenig sichtbarer Abwehr physiologische Stressreaktionen, weshalb ruhiges, kleinschrittiges Training nicht nur bei offensichtlich ängstlichen Tieren sinnvoll ist. (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)

Beginnt ein Pferd zu zittern, sich loszureißen, zu schlagen oder zu steigen, wird nicht einfach fester festgehalten und weitergeschoren. Dann muss die Situation abgebrochen und mit einem erfahrenen Trainer, einem professionellen Scherservice oder gegebenenfalls dem Tierarzt neu aufgebaut werden. Eine Sedierung gehört ausschließlich in tierärztliche Hände und ersetzt keine langfristige Gewöhnung.

Scheren beim Pferd: Schritt für Schritt

1. Schermuster und Deckenmanagement vorher festlegen

Bevor die Maschine eingeschaltet wird, muss klar sein, welche Bereiche geschoren werden und welchen Schutz das Pferd anschließend benötigt. Die passende Decke sollte bereits vorhanden sein und nicht erst bestellt werden, wenn das frisch geschorene Pferd bei fünf Grad und Dauerregen im Stall steht.

2. Pferd gründlich reinigen und vollständig trocknen lassen

Das Fell muss sauber, locker und trocken sein, denn Sand, Staub, Schweiß und verklebte Haare lassen die Messer schneller stumpf werden und verschlechtern das Schurbild. Ein sehr schmutziges Pferd kann am Vortag gewaschen werden, sofern es anschließend vollständig trocknet; andernfalls muss es ausgesprochen gründlich gestriegelt, gebürstet und von Staub befreit werden.

3. Einen sicheren Arbeitsplatz vorbereiten

Der Scherplatz sollte hell, ruhig, trocken und rutschfest sein. Kinder, Hunde und andere Pferde haben während der Schur dort nichts verloren, das Stromkabel darf nicht unter die Hufe geraten und alle benötigten Gegenstände sollten griffbereit liegen, damit das Pferd nicht mit halb geschorenem Bauch warten muss, während jemand im Sattelschrank nach dem Schermaschinenöl sucht.

Benötigt werden mindestens die Schermaschine, geladene Akkus oder ein sicher verlegtes Kabel, Ersatzmesser, Schermaschinenöl, eine kleine Reinigungsbürste, Fellkreide, ein Handtuch und eine Bürste zum Entfernen loser Haare.

4. Linien mit Kreide vorzeichnen

Bei Teilschuren werden die Begrenzungslinien auf beiden Körperseiten vorgezeichnet. Dabei helfen feste Orientierungspunkte wie Schultergelenk, Gurtlage, Hüfthöcker und Schweifansatz, denn wer nur nach Augenmaß auf jeder Seite irgendwo loslegt, stellt spätestens beim Blick von hinten fest, dass die linke „Decke“ im ersten Stock und die rechte im Erdgeschoss wohnt.

5. Mähne und Schweif schützen

Die Mähne wird eingeflochten oder sauber aus dem Scherbereich gelegt, der Schweif vorsichtig bandagiert oder hochgebunden, ohne die Durchblutung zu beeinträchtigen. So geraten keine langen Haare in die Maschine und die gewünschte Linie lässt sich sauber ausarbeiten.

6. An einer unempfindlichen Stelle beginnen

Begonnen wird meist an Schulter, Hals oder Rumpf, nicht am Kopf, zwischen den Vorderbeinen oder in der Flanke. Dadurch kann sich das Pferd an die Berührung gewöhnen und die scherende Person bekommt ein Gefühl für Maschine, Fell und Schnittrichtung.

7. Gegen die Wuchsrichtung in überlappenden Bahnen scheren

Die Schermaschine wird entsprechend der Herstelleranleitung angesetzt und ohne starken Druck in langen, ruhigen Bahnen gegen die Wuchsrichtung geführt. Jede Bahn sollte die vorherige leicht überlappen, damit keine Fellstreifen stehen bleiben.

Da sich die Haarwuchsrichtung an Brust, Flanke, Wirbeln und Beinen verändert, muss dort auch die Bewegungsrichtung der Maschine angepasst werden. Falten und lose Haut werden mit der freien Hand vorsichtig geglättet, damit die Schermesser nicht in eine Hautfalte geraten.

8. Messer reinigen, ölen und auf Wärme prüfen

Lose Haare werden regelmäßig aus dem Scherkopf gebürstet und die Messer nach Herstellerangabe geölt. Wird der Scherkopf deutlich warm, wird eine Pause gemacht oder auf einen zweiten Messersatz gewechselt, denn ein heißes Messer ist für das Pferd unangenehm und kann die Haut reizen.

9. Empfindliche Stellen zuletzt und besonders vorsichtig bearbeiten

Für Kopf, Ellenbogen, Gurtlage und andere schwer erreichbare Bereiche ist eine kleine, leise Maschine häufig geeigneter. Der Kopf muss aus funktionalen Gründen meistens überhaupt nicht geschoren werden; wird er dennoch gekürzt, bleiben Tasthaare und die Haare innerhalb der Ohren vollständig unangetastet.

10. Pferd und Maschine nach der Schur versorgen

Nach dem Scheren werden lose Haare sorgfältig abgebürstet oder mit einem leicht feuchten Tuch entfernt, anschließend wird die Haut auf kleine Verletzungen, Druckstellen oder Reizungen kontrolliert. Je nach Schermuster und Witterung erhält das Pferd eine passende Decke.

Die Schermaschine wird erst nach dem Ziehen des Netzsteckers beziehungsweise dem Entfernen des Akkus gereinigt, die Messer werden von Haaren befreit, geölt und trocken gelagert. Stumpfe Messer sollten professionell geschliffen werden, bevor sie bei der nächsten Schur wieder zum Einsatz kommen.

Pferde scheren oder Pferde schuren – was ist richtig?

Richtig heißt es: ein Pferd scheren, mehrere Pferde scheren und ein geschorenes Pferd. Das Ergebnis nennt man die Schur. „Pferde schuren“ ist dagegen keine korrekte Bezeichnung für das Kürzen des Fells, auch wenn diese Form erstaunlich häufig gesucht wird.

Gleiches gilt für die Suchanfrage „Pferd Schiermuster“: Gemeint ist damit normalerweise ein Pferde-Schermuster oder ein Schermuster beim Pferd.

Häufige Fragen zum Pferde scheren

Wird ein Pferd mit oder gegen den Strich geschoren?

Für eine gleichmäßige, kurze Schur wird grundsätzlich gegen die Wuchsrichtung gearbeitet. Nur beim Angleichen von Übergängen oder bei speziellen längeren Schnittlängen kann je nach Maschine und gewünschtem Ergebnis teilweise mit der Wuchsrichtung gearbeitet werden.

Kann man ein Pferd scheren, ohne es vorher zu waschen?

Ja, sofern das Fell wirklich sauber, trocken und frei von Sand, Schweißkrusten und verklebtem Schmutz ist. Bei dichtem Winterfell reicht oberflächliches Bürsten allerdings häufig nicht aus, weshalb sehr gründliches Putzen entscheidend ist.

Warum entstehen beim Scheren Streifen?

Die häufigsten Ursachen sind stumpfe oder schlecht eingestellte Messer, verschmutztes Fell, zu wenig Öl, eine falsche Maschinenhaltung, fehlende Überlappung der Scherbahnen oder das Scheren in der falschen Haarwuchsrichtung.

Muss ein teilweise geschorenes Pferd immer eingedeckt werden?

Nicht automatisch. Eine kleine Bib- oder Hals-Bauch-Schur kann bei einem gesunden, robusten Pferd mit viel Restfell, gutem Witterungsschutz und passender Fütterung auch ohne Decke funktionieren. Je mehr Fell entfernt wird und je nasser sowie windiger das Wetter ist, desto wahrscheinlicher wird eine Decke notwendig.

Kann man ein Pferd im Sommer scheren?

Ja, besonders Pferde mit PPID oder anderen Fellwechselproblemen werden bei Bedarf auch im Sommer geschoren, damit sie unter einem langen, dichten Fell nicht überhitzen. Ein auffälliger oder ausbleibender Fellwechsel sollte jedoch immer tierärztlich abgeklärt werden.

Fazit: Das beste Schermuster ist so klein wie möglich und so groß wie nötig

Pferde zu scheren kann das Training im Winter erheblich erleichtern, weil stark schwitzende Pferde ihre Wärme besser abgeben und nach der Arbeit schneller trocknen, doch jede Schur greift zugleich in die natürliche Temperaturregulation ein und bringt zusätzliche Verantwortung mit sich.

Das richtige Schermuster ist deshalb nicht automatisch die Vollschur und auch nicht der Schnitt, der auf dem Foto am elegantesten aussieht, sondern derjenige, der genau die tatsächlichen Schweißzonen des Pferdes freilegt und möglichst viel schützendes Winterfell stehen lässt. Wer Arbeitsbelastung, Haltung, Wetter und das individuelle Pferd ehrlich berücksichtigt, braucht häufig weniger Schermaschine, als zunächst gedacht – und erspart sich nebenbei einen beträchtlichen Teil des winterlichen Deckentheaters.

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