Vielseitigkeitspferde

Die besten Vielseitigkeitspferde: Welche Pferde eignen sich für die Vielseitigkeit?

Ein gutes Vielseitigkeitspferd muss ein bisschen mehr können als hübsch über den Platz schweben oder ordentlich die Beine über einer Stange sortieren. Es soll eine Dressur gehen, anschließend mit ordentlich Galopp durch die Landschaft fegen, über feste Hindernisse, Gräben und Wasser springen und danach im abschließenden Springen möglichst so tun, als sei das alles bislang nur ein kleines Aufwärmprogramm gewesen.

Nicht umsonst gilt die Vielseitigkeit als eine der anspruchsvollsten Disziplinen des Pferdesports.

Dabei gibt es nicht die eine Rasse, aus der zwangsläufig ein gutes Vielseitigkeitspferd wird. Trotzdem begegnet man bestimmten Rassen und Zuchtlinien im Vielseitigkeitssport besonders häufig.

Was muss ein gutes Vielseitigkeitspferd können?

Die Anforderungen unterscheiden sich deutlich von denen an ein spezialisiertes Dressur- oder Springpferd.

Ein Vielseitigkeitspferd braucht gute Grundgangarten und genügend Rittigkeit für die Dressur. Es muss vorsichtig und vermögend genug für den Parcours sein. Vor allem aber braucht es für die Geländestrecke Eigenschaften, die man nur begrenzt auf dem Reitplatz herstellen kann.

Dazu gehören Ausdauer, Galoppiervermögen, Mut, Reaktionsschnelligkeit, Trittsicherheit und eine gewisse Selbstständigkeit.

Ein gutes Buschpferd darf nicht bei jedem ungewöhnlich aussehenden Hindernis zunächst eine Eigentümerversammlung einberufen.

Es muss seinem Reiter vertrauen, vorwärts denken und trotzdem regulierbar bleiben.

Gerade im höheren Vielseitigkeitssport spielt außerdem der Vollblutanteil traditionell eine wichtige Rolle. Vollblut bringt häufig Härte, Ausdauer, Geschwindigkeit und einen ökonomischen Galopp mit. Moderne Vielseitigkeitspferde müssen allerdings gleichzeitig sehr gute Springpferde sein und in der Dressur genügend Qualität mitbringen.

Welche Pferderassen eignen sich besonders für die Vielseitigkeit?

Deutsches Sportpferd

Das Deutsche Sportpferd ist im modernen Vielseitigkeitssport ausgesprochen interessant, insbesondere wenn gezielt auf Vielseitigkeit beziehungsweise mit entsprechendem Blutanteil gezüchtet wurde.

Gesucht wird nicht einfach irgendein Warmblut, das zufällig auch einmal über einen Baumstamm springen möchte. Moderne Vielseitigkeitszucht versucht, Springvermögen, gute Bewegungen und Rittigkeit mit Ausdauer und genügend Edelblut zu verbinden.

Hannoveraner

Auch Hannoveraner können hervorragende Vielseitigkeitspferde stellen. Besonders interessant sind dabei Pferde aus springbetonten Linien mit Vollbluteinfluss.

Der moderne Hannoveraner kann genügend Qualität für Dressur und Springen mitbringen. Für die höheren Anforderungen der Vielseitigkeit sind jedoch Typ, Galopp, Ausdauer und individuelle Leistungsbereitschaft entscheidender als das Brandzeichen auf dem Hintern.

Holsteiner

Holsteiner bringen traditionell viel Springvermögen mit. Das allein macht allerdings noch kein Vielseitigkeitspferd.

Ein schwerer, sehr kräftiger Springtyp ist für lange Geländestrecken weniger prädestiniert als ein leichter, blutgeprägter Holsteiner mit gutem Galopp und genügend Ausdauer.

Gerade solche Pferde können aber ausgezeichnete Vielseitigkeitspferde werden.

Trakehner

Der Trakehner passt von seinem Typ her ausgesprochen gut zur Vielseitigkeit. Die Rasse ist vergleichsweise edel und wurde stark durch Vollblut und Arabisches Vollblut geprägt.

Viele Trakehner bringen Ausdauer, Härte, einen guten Galopp und ausreichend Bewegungsqualität für die Dressur mit. Entsprechend findet man Trakehner und Trakehnerblut immer wieder in erfolgreichen Vielseitigkeitsabstammungen.

Englisches Vollblut

Das Englische Vollblut hat die Vielseitigkeitszucht enorm geprägt.

Seine großen Stärken liegen in Geschwindigkeit, Ausdauer und Galoppiervermögen. Ein Vollblüter kann große Strecken ausgesprochen ökonomisch bewältigen und bringt häufig genau die Härte mit, die im Gelände gefragt ist.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes ehemalige Rennpferd automatisch ein hervorragendes Vielseitigkeitspferd wäre.

Für den modernen Sport braucht es zusätzlich genügend Springvermögen, Rittigkeit und Bewegungsqualität.

Deshalb findet man heute besonders häufig Warmblüter mit mehr oder weniger deutlichem Vollbluteinfluss.

Anglo-Araber

Auch der Anglo-Araber ist für die Vielseitigkeit ausgesprochen interessant. Die Verbindung aus Arabischem und Englischem Vollblut kann Ausdauer, Härte, Schnelligkeit und Leistungsbereitschaft hervorbringen.

Besonders in Frankreich hat der Anglo-Araber traditionell einen engen Bezug zum Vielseitigkeitssport.

Irish Sport Horse

Wer internationale Vielseitigkeit verfolgt, kommt am Irish Sport Horse kaum vorbei.

Irische Sportpferde haben eine lange Tradition im Gelände. Viele bringen Springvermögen, Mut, Härte und einen hervorragenden Galopp mit. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen völlig einheitlichen Pferdetyp. Die Abstammungen können sehr unterschiedlich sein und sowohl Warmblut- als auch Vollbluteinflüsse enthalten.

Gerade diese Mischung hat zahlreiche ausgesprochen erfolgreiche Vielseitigkeitspferde hervorgebracht.

Warum haben so viele Vielseitigkeitspferde Vollblut im Stammbaum?

Das Englische Vollblut wurde nicht deshalb über Generationen zur Veredelung eingesetzt, weil Vollblut im Pedigree besonders schick aussieht.

Es bringt Eigenschaften mit, die im Gelände wertvoll sind: Ausdauer, Geschwindigkeit, Härte und einen effizienten Galopp.

Im modernen Vielseitigkeitssport reicht das allerdings nicht mehr.

Das Pferd muss gleichzeitig eine gute Dressur abliefern und technisch anspruchsvolle Springkurse bewältigen können. Deshalb besteht das ideale Vielseitigkeitspferd nicht einfach aus möglichst viel Vollblut.

Gesucht wird vielmehr die richtige Mischung.

Ein aktuelles deutsches Zuchtprogramm beschreibt das Ziel beispielsweise als leichtfüßiges Springpferd mit guten Grundgangarten und überdurchschnittlichem Vollblutanteil. Für entsprechende Anpaarungen werden dort mindestens 40 Prozent Vollblutanteil über fünf Generationen angestrebt, idealerweise 60 bis 80 Prozent in Verbindung mit springbetonter Genetik. (Landwirtschaft BW)

Das zeigt ziemlich schön, wohin die Reise geht: Blut allein gewinnt keine Vielseitigkeit. Springpferd allein aber ebenfalls nicht.

Was haben Vielseitigkeitspferde an den Beinen?

Wer eine große Vielseitigkeitsprüfung im Fernsehen sieht, wundert sich gelegentlich über Pferde, deren Beine im Gelände plötzlich aussehen, als hätte jemand sie großzügig mit weißer Buttercreme bestrichen.

Das ist kein Schaum und auch keine besonders eigenwillige Pferdekosmetik.

Die weiße beziehungsweise helle Schicht ist häufig sogenanntes Eventing Grease, Event Grease oder Schutzfett.

Das Fett wird vor dem Geländeritt auf gefährdete Bereiche der Beine und teilweise auch auf die Brust aufgetragen. Der Hintergrund sind die festen Geländehindernisse.

Anders als eine lose Stange im Springparcours fällt ein massives Geländehindernis bei einer Berührung nicht einfach herunter. Das Fett soll die Oberfläche gleitfähiger machen. Streift das Pferd beispielsweise einen festen Baumstamm, können Bein beziehungsweise Haut leichter über die Oberfläche gleiten und Abschürfungen vermindert werden. (Williams Eventing)

Das erklärt also die berühmten weißen Beine der Vielseitigkeitspferde.

Zusätzlich tragen die Pferde im Gelände spezielle Gamaschen beziehungsweise Beinschutz. Dieser soll die Beine vor Schlägen und Verletzungen schützen und muss für die besonderen Belastungen des Geländereitens geeignet sein.

Dressur, Gelände und Springen: Ein Pferd für drei völlig unterschiedliche Aufgaben

Genau darin liegt die Faszination der Vielseitigkeit.

In der Dressur soll das Pferd losgelassen, durchlässig und präzise sein.

Im Gelände braucht man plötzlich einen mutigen Athleten, der mit Tempo galoppiert, Entfernungen einschätzt und auch vor ungewöhnlichen Hindernissen nicht die Nerven verliert.

Und anschließend benötigt man wieder ein vorsichtiges Springpferd.

Das erklärt auch, warum das spektakulärste Dressurpferd nicht automatisch ein gutes Vielseitigkeitspferd ist. Ebenso wenig reicht es, einfach ein hervorragendes Springpferd ins Gelände zu schicken.

Die Kombination macht es.

Ist jede Pferderasse für Vielseitigkeit geeignet?

Für den Freizeitbereich und die unteren Klassen können sehr viele Pferdetypen geeignet sein.

Ein gesundes, gut trainiertes Pferd muss nicht aus einer berühmten Vielseitigkeitslinie stammen, um kleinere Geländehindernisse oder eine Einsteigervielseitigkeit bewältigen zu können.

Mit steigenden Anforderungen werden die körperlichen Voraussetzungen allerdings immer wichtiger.

Dann zählen Galoppiervermögen, Ausdauer, Springqualität, Belastbarkeit und Rittigkeit zunehmend. Auch offizielle Beschreibungen des Sports weisen darauf hin, dass in höheren Klassen Warmblüter mit stärkerem Vollbluteinfluss sowie Vollblüter eine größere Rolle spielen. (stuttgart-german-masters.de)

Was macht ein richtig gutes Vielseitigkeitspferd aus?

Am Ende entscheidet weniger der Name der Rasse als das einzelne Pferd.

Das perfekte Vielseitigkeitspferd braucht genügend Qualität für drei Disziplinen und zusätzlich etwas, das sich schlecht in Zuchtwerten ausdrücken lässt: Es muss den Job mögen.

Ein Pferd kann fantastische Bewegungen besitzen, über gewaltiges Springvermögen verfügen und einen Stammbaum haben, bei dem Züchter feuchte Augen bekommen. Wenn es im Gelände bei jedem Wassergraben fragt, ob eine Umleitung ausgeschildert ist, wird die große Vielseitigkeitskarriere trotzdem schwierig.

Die richtig guten Vielseitigkeitspferde verbinden deshalb Athletik mit Mut, Intelligenz, Leistungsbereitschaft und Vertrauen zum Reiter.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum gute Buschpferde unter Reitern einen ganz besonderen Ruf genießen.

Sie können nicht nur drei Disziplinen.

Sie müssen wissen, wann sie ihrem Reiter zuhören sollen und wann sie selbst mitdenken müssen.

Hinterlasse einen Kommentar