Die 5 besten Pferderassen für Dressur
Welche Pferderasse eignet sich am besten für Dressur? Wer sich im internationalen Dressursport umsieht, erkennt schnell, dass einige Pferderassen und Zuchtgebiete besonders häufig vertreten sind.
Das ist kein Zufall. Seit Generationen werden dort Pferde gezüchtet, bei denen Bewegungsqualität, Rittigkeit, Leistungsbereitschaft, Körperbau und zunehmend auch die Eignung für den hochklassigen Dressursport eine wichtige Rolle spielen.
Allerdings gibt es nicht die eine beste Dressurpferderasse.
Ein hervorragendes Dressurpferd entsteht nicht allein durch seinen Abstammungsnachweis. Exterieur, Gesundheit, Charakter, Rittigkeit, Ausbildung und natürlich der Reiter spielen mindestens genauso große Rollen.
Trotzdem gibt es Zuchtpopulationen, die im Dressursport auffallend erfolgreich sind.
Nach den aktuellen internationalen Ergebnissen gehören vor allem KWPN, Oldenburger, Hannoveraner, Dänisches Warmblut und Westfalen dazu.
1. KWPN – Niederländisches Warmblut
Das KWPN, also das niederländische Warmblut, gehört momentan zu den erfolgreichsten Dressurpferdepopulationen überhaupt.
Im internationalen Dressursport begegnet man niederländisch gezogenen Pferden ständig. Das liegt auch daran, dass innerhalb der niederländischen Sportpferdezucht sehr konsequent auf die Anforderungen des modernen Sports selektiert wurde.
Typisch für viele dressurbetonte KWPN-Pferde sind ausdrucksstarke Bewegungen, viel Schulterfreiheit, eine aktive Hinterhand und eine insgesamt sportliche Erscheinung.
Natürlich gilt auch hier: Es gibt nicht „das KWPN-Pferd“. Innerhalb einer großen Zuchtpopulation existieren erhebliche Unterschiede.
Warum eignet sich das KWPN so gut für Dressur?
Für die Dressur benötigt ein Pferd nicht einfach möglichst spektakuläre Bewegungen.
Wichtig sind unter anderem:
- ein guter Grundrhythmus
- Beweglichkeit
- Tragkraft der Hinterhand
- Gleichgewicht
- Losgelassenheit
- Rittigkeit
- Lernbereitschaft
- körperliche Belastbarkeit
Gerade im Spitzensport kommt hinzu, dass ein Pferd genügend Talent für Versammlung mitbringen muss.
Das KWPN hat über viele Generationen gezielt Pferde für den Sport selektiert und gehört deshalb heute zu den bedeutendsten Dressurpferdezuchten weltweit.
2. Oldenburger – ausgesprochen erfolgreiche Dressurpferde
Auch der Oldenburger gehört zu den großen Namen der modernen Dressurpferdezucht.
Die Oldenburger Zucht ist traditionell vergleichsweise offen gegenüber geeigneten Blutlinien anderer Populationen. Dadurch konnte sie erfolgreiche Dressurlinien aufnehmen und weiterentwickeln.
Moderne dressurbetonte Oldenburger sind häufig großrahmige, elegante und bewegungsstarke Pferde.
Dabei geht es längst nicht nur um besonders viel Bewegung.
Für höhere Dressurklassen braucht ein Pferd schließlich wesentlich mehr als einen beeindruckenden Trab auf der Körung.
Ein gutes Dressurpferd muss sich setzen, Last aufnehmen, versammeln und dabei möglichst rittig und durchlässig bleiben.
Für wen eignet sich ein Oldenburger?
Das hängt vollständig vom einzelnen Pferd ab.
Es gibt Oldenburger für ambitionierte Freizeitreiter genauso wie hochsensible Nachwuchspferde für den Spitzensport.
Gerade bei jungen Dressurpferden sollte man sich deshalb nicht von spektakulären Bewegungen blenden lassen.
Ein Pferd kann fantastisch traben und trotzdem für einen durchschnittlichen Freizeitreiter völlig ungeeignet sein.
Rittigkeit ist im Alltag meistens mehr wert als eine Vorderbeinmechanik, bei der einem auf dem Abreiteplatz kurz die Kinnlade herunterfällt.
3. Hannoveraner – einer der Klassiker der Dressurpferdezucht
Der Hannoveraner gehört zu den bekanntesten deutschen Warmblutrassen und ist seit Jahrzehnten im internationalen Dressursport vertreten.
Die Hannoveraner Zucht hat eine enorme Population und entsprechend viele unterschiedliche Linien hervorgebracht.
Traditionell wurde großer Wert auf Leistungsfähigkeit und Rittigkeit gelegt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Zucht immer stärker in Richtung moderner Sportpferde.
Heute gibt es sowohl spezialisierte Dressurlinien als auch springbetonte Hannoveraner.
Was zeichnet einen guten Hannoveraner für Dressur aus?
Ein dressurbetonter Hannoveraner sollte drei gute Grundgangarten mitbringen und körperlich in der Lage sein, mit fortschreitender Ausbildung zunehmend Gewicht auf der Hinterhand zu übernehmen.
Für den Reiter mindestens genauso wichtig ist aber der Charakter.
Ein Pferd, das sich konzentriert arbeiten lässt und auch in schwierigen Ausbildungssituationen kooperativ bleibt, hat einen gewaltigen Vorteil.
Gerade für Amateurreiter würde ich deshalb immer mehr Wert auf Rittigkeit und ein vernünftiges Nervenkostüm legen als auf maximal spektakuläre Bewegungen.
Das schönste Dressurpferd nutzt schließlich wenig, wenn der Besitzer jeden Dienstag vor dem Aufsteigen erst einmal seinen Lebenswillen zusammensuchen muss.
4. Dänisches Warmblut – längst in der Weltspitze angekommen
Das Dänische Warmblut, international meist als Danish Warmblood oder DWB bezeichnet, gehört ebenfalls zu den erfolgreichsten Dressurpferdepopulationen.
In der dänischen Zucht wurden über Jahrzehnte geeignete europäische Blutlinien miteinander kombiniert und konsequent auf moderne Sportpferdeeigenschaften selektiert.
Dänische Warmblüter fallen im Dressursport häufig durch Ausdruck, Bewegungsqualität und moderne Typen auf.
Auch international spielen sie längst auf höchstem Niveau mit.
Was macht das Dänische Warmblut zum Dressurpferd?
Die Anforderungen unterscheiden sich letztlich nicht von denen anderer erfolgreicher Warmblutzuchten.
Gesucht werden Pferde mit guten Grundgangarten, Balance, Rittigkeit, Leistungsbereitschaft und genügend körperlichem Vermögen für zunehmende Versammlung.
Besonders wichtig ist dabei die Entwicklung des einzelnen Pferdes.
Nicht jedes beeindruckende junge Bewegungspferd entwickelt später automatisch genügend Tragkraft für die schwere Klasse.
Und manches zunächst eher unspektakuläre Pferd entwickelt sich durch gute Ausbildung zu einem hervorragenden Dressurpferd.
5. Westfale – deutsche Dressurtradition mit modernen Linien
Der Westfale gehört ebenfalls zu den bedeutenden deutschen Sportpferden.
Westfälische Pferde sind sowohl im Spring- als auch im Dressursport erfolgreich, wobei innerhalb der Zucht entsprechend unterschiedliche Linien existieren.
Bei dressurbetonten Westfalen wird besonders auf Bewegungsqualität, Rittigkeit und die Eignung für die dressurmäßige Ausbildung geachtet.
Viele bekannte Dressurvererber haben die westfälische Zucht geprägt.
Ist ein Westfale auch für Freizeitreiter geeignet?
Selbstverständlich.
Man darf bei solchen Ranglisten einen wichtigen Punkt nicht vergessen:
Eine Pferderasse besteht nicht ausschließlich aus ihren internationalen Grand-Prix-Pferden.
Innerhalb der westfälischen Zucht gibt es Pferde für nahezu sämtliche reiterlichen Ansprüche.
Ein Amateur benötigt meistens ein anderes Dressurpferd als ein internationaler Grand-Prix-Reiter.
Für einen Freizeitreiter kann ein solides, nervenstarkes und gut zu sitzendes Pferd mit ordentlichen Grundgangarten das erheblich bessere Dressurpferd sein als ein extrem bewegungsstarkes Nachwuchspferd.
Welche Pferderasse ist aktuell die erfolgreichste in der Dressur?
Wenn man sich nicht auf persönliche Vorlieben verlassen möchte, kann man internationale Turnierergebnisse heranziehen.
Die World Breeding Federation for Sport Horses, kurz WBFSH, führt Ranglisten der erfolgreichen Zuchtbücher im internationalen Pferdesport.
Dabei werden die Ergebnisse erfolgreicher Pferde eines Zuchtbuches berücksichtigt.
Die Spitzenpositionen können sich natürlich von Jahr zu Jahr verändern. Trotzdem zeigen solche Rankings sehr schön, welche Zuchtpopulationen über längere Zeit besonders viele erfolgreiche Dressurpferde hervorbringen.
In den vergangenen Jahren gehörten KWPN, Oldenburger, Hannoveraner, Westfalen und Dänisches Warmblut regelmäßig zur internationalen Spitzengruppe.
Sind deutsche Pferderassen besonders gut für Dressur?
Deutschland besitzt eine außergewöhnlich lange und breit aufgestellte Warmblutzucht.
Hannoveraner, Oldenburger und Westfalen sind nur drei bekannte Beispiele. Dazu kommen unter anderem das Deutsche Sportpferd und weitere deutsche Zuchtpopulationen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Deutschland automatisch die besten Dressurpferde besitzt.
Die niederländische und die dänische Sportpferdezucht sind international ebenfalls außerordentlich erfolgreich.
Außerdem sind die europäischen Warmblutzuchten heute genetisch längst nicht mehr sauber voneinander getrennte Welten.
Erfolgreiche Hengste und Blutlinien werden über Zuchtgebiets- und Landesgrenzen hinweg eingesetzt.
Deshalb kann ein niederländisches Dressurpferd durchaus deutsche Vorfahren haben und umgekehrt.
Was muss ein gutes Dressurpferd können?
Für gute Dressur braucht ein Pferd zunächst keine spektakulären Kunststücke.
Am Anfang stehen dieselben Grundlagen wie bei jedem vernünftig ausgebildeten Reitpferd: Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, eine zunehmende Entwicklung von Schwung, Geraderichtung und Versammlung.
Ein gutes Dressurpferd sollte körperlich in der Lage sein, diese Entwicklung mitzumachen.
Dabei spielen Rücken, Hinterhand, Halsansatz, Schulter, Fundament und die gesamte Körpermechanik zusammen.
Mindestens genauso wichtig ist aber das Gehirn zwischen den Ohren.
Ein lernwilliges, motiviertes und rittiges Pferd kann in der Ausbildung sehr viel erreichen.
Braucht man für Dressur ein Warmblut?
Nein.
Dressur ist zunächst einmal Ausbildung des Pferdes und keine Veranstaltung, die ausschließlich für Warmblüter erfunden wurde.
Auch andere Pferderassen können dressurmäßig hervorragend gearbeitet werden.
PRE, Lusitanos, Friesen, Lipizzaner und zahlreiche Ponyrassen können je nach Individuum sehr gute Dressurpferde sein.
Gerade Lusitanos besitzen häufig eine natürliche Begabung für Versammlung und sind deshalb auch im internationalen Dressursport vertreten.
Die modernen europäischen Warmblüter dominieren den heutigen Turniersport allerdings aus gutem Grund: Ihre Zucht wurde über Generationen gezielt auf die Anforderungen dieser Sportart ausgerichtet.
Welche Pferderasse eignet sich für Dressuranfänger?
Hier würde ich ausdrücklich nicht nach einer bestimmten Rasse suchen.
Ein Dressuranfänger braucht kein Pferd mit möglichst spektakulären Grundgangarten.
Er braucht ein Pferd, auf dem er lernen kann.
Ein gut ausgebildetes, ausgeglichenes und rittiges Pferd mit ordentlichen Grundgangarten kann dafür erheblich wertvoller sein als ein junges Dressurtalent.
Das ideale Lehrpferd reagiert korrekt auf Hilfen, verzeiht kleinere Fehler und gibt dem Reiter die Möglichkeit, einen unabhängigen Sitz zu entwickeln.
Ob im Abstammungsnachweis anschließend Hannoveraner, Westfale, Oldenburger oder etwas völlig anderes steht, wäre für mich zweitrangig.
Die beste Dressurpferderasse hängt vom Reiter ab
Wenn wir ausschließlich den internationalen Spitzensport betrachten, gehören KWPN, Oldenburger, Hannoveraner, Dänisches Warmblut und Westfalen derzeit zu den erfolgreichsten Dressurpferdepopulationen.
Für einen Pferdekäufer ist das allerdings nur ein Ausgangspunkt.
Wer Grand Prix reiten möchte, sucht nach anderen Eigenschaften als jemand, der sein erstes eigenes Pferd kaufen und vielleicht irgendwann sicher eine L-Dressur reiten möchte.
Deshalb gibt es zwar Pferderassen, die besonders erfolgreich für Dressur gezüchtet werden.
Das beste Dressurpferd für einen bestimmten Menschen lässt sich aber niemals allein anhand des Brandzeichens auswählen.
Ein hervorragend gezogener Dressurcrack, mit dem der Reiter nicht zurechtkommt, ist schließlich ziemlich nutzlos.
Ein gesundes, rittiges und passend ausgebildetes Pferd, auf dem der Reiter jeden Tag ein bisschen besser wird, ist dagegen ziemlich genau das, worum es bei guter Dressur eigentlich gehen sollte.

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