Wie lange können sich Pferde an Menschen erinnern

Wie lange können sich Pferde an Menschen erinnern?

Man verkauft sein Pferd, zieht um, wechselt den Stall oder sieht ein früheres Pflegepferd jahrelang nicht mehr und irgendwann kommt zwangsläufig diese Frage:

Würde es mich eigentlich noch erkennen?

Die romantische Antwort lautet natürlich: Selbstverständlich. Das Pferd hört nach zwölf Jahren irgendwo auf einem Parkplatz deine Stimme, reißt sich los, galoppiert durch drei Landkreise und fällt dir anschließend schluchzend um den Hals.

Die wissenschaftliche Antwort ist weniger filmreif, aber eigentlich viel interessanter.

Pferde besitzen ein ausgesprochen gutes Langzeitgedächtnis und können sich nachweislich über viele Monate an bestimmte Menschen erinnern. Wie viele Jahre die Erinnerung an einen ganz bestimmten Menschen maximal bestehen bleibt, wissen wir bislang allerdings nicht.

Das liegt nicht daran, dass Pferdeforscher nie darüber nachgedacht hätten. Es ist schlicht ausgesprochen schwierig, ein Pferd kontrolliert zehn Jahre lang von einem bestimmten Menschen fernzuhalten und anschließend zu überprüfen, ob es genau diesen Menschen noch erkennt.

Was wir aber bereits wissen, ist bemerkenswert.

Wie lange erinnert sich ein Pferd an einen Menschen?

In wissenschaftlichen Untersuchungen konnten Pferde Menschen noch nach mehreren Monaten ohne Kontakt wiedererkennen.

Eine besonders interessante Studie untersuchte Pferde, die ihre vertraute Betreuungsperson seit sechs Monaten nicht gesehen hatten. Den Tieren wurden Fotografien verschiedener Menschen gezeigt.

Und tatsächlich konnten die Pferde auf dem Foto den Menschen erkennen, den sie aus ihrem früheren Alltag kannten. (PubMed Central (PMC))

Das ist bemerkenswert, denn auf einem Foto fehlen viele Informationen, die Pferde normalerweise zur Erkennung nutzen könnten:

kein Geruch,

keine Stimme,

keine Bewegung,

keine typische Körperhaltung.

Nur das Gesicht.

Trotzdem funktionierte die Wiedererkennung.

Die Forscher werteten das ausdrücklich als Hinweis auf ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis für menschliche Gesichter. (PubMed Central (PMC))

Damit können wir zumindest sicher sagen:

Ein vertrauter Mensch kann einem Pferd nach einem halben Jahr ohne Begegnung noch bekannt sein.

Und vermutlich reicht die Erinnerung wesentlich länger.

Nur die genaue Grenze kennen wir nicht.

Pferde erinnern sich nicht nur daran, wie ein Mensch aussieht

Das eigentlich Spannende ist nämlich, dass ein Pferd einen Menschen offenbar nicht einfach wie ein Foto im Kopf abspeichert.

Es baut eine wesentlich umfangreichere Vorstellung dieser Person auf.

Experimente zeigen, dass Pferde die Stimme eines vertrauten Menschen mit seinem Aussehen verbinden können.

In einer Untersuchung standen zwei bekannte Personen vor dem Pferd, während aus einem Lautsprecher die Stimme einer der beiden abgespielt wurde.

Die Pferde konnten Stimme und Person korrekt miteinander verbinden. Wenn Stimme und sichtbare Person nicht zusammenpassten, reagierten sie deutlich stärker auf diesen Widerspruch. (PubMed)

Eine weitere Untersuchung zeigte sogar, dass Pferde vertraute Menschen anhand verschiedener Kombinationen von Stimme, Aussehen und Geruch voneinander unterscheiden können. (PubMed)

Das Pferd scheint also nicht einfach zu speichern:

große Frau, blonde Haare.

Es besitzt offenbar eine Art multisensorische Repräsentation eines bestimmten Menschen.

Gesicht.

Stimme.

Geruch.

Vermutlich Bewegung.

Und selbstverständlich die Erfahrungen, die mit dieser Person verbunden sind.

Das erklärt auch, warum dein Pferd dich möglicherweise bereits erkennt, bevor du überhaupt bei ihm angekommen bist.

Erkennen Pferde ihre Besitzer wieder?

Ja, vertraute Menschen können individuell erkannt werden.

Wissenschaftlich ist allerdings „Besitzer“ nicht die entscheidende Kategorie.

Ein Pferd liest schließlich keinen Kaufvertrag.

Relevant ist vielmehr:

Mit welchem Menschen hat das Pferd regelmäßig Erfahrungen gemacht?

Das kann die Besitzerin sein.

Der Reiter.

Die Pflegerin.

Der Stallbetreiber.

Die Reitbeteiligung.

Oder möglicherweise der Mensch, der jeden Nachmittag mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit Möhren mitbringt.

Pferde können zwischen vertrauten und unbekannten Menschen unterscheiden, und auch physiologisch scheint Vertrautheit eine Rolle zu spielen.

Eine Untersuchung maß beispielsweise die Herzratenvariabilität von Pferden während des Kontakts mit vertrauten und fremden Menschen. Bei bestimmten Interaktionen mit vertrauten Personen zeigten die Pferde Hinweise auf stärkere Entspannung. (PubMed)

Vertrautheit ist für Pferde also durchaus eine Information.

Nur bedeutet „vertraut“ nicht automatisch „geliebt“.

Und damit kommen wir zu einem besonders wichtigen Punkt.

Pferde erinnern sich auch daran, wie ein Mensch mit ihnen umgegangen ist

Ein Pferd speichert offenbar nicht bloß:

Diesen Menschen kenne ich.

Es kann auch abspeichern:

Mit diesem Menschen habe ich bestimmte Erfahrungen gemacht.

Eine ausgesprochen interessante Untersuchung trainierte junge Pferde mithilfe positiver Verstärkung. Die eigentlichen Trainingseinheiten waren erstaunlich kurz, insgesamt nur wenige Minuten.

Trotzdem zeigten sich die Auswirkungen dieser positiven Interaktionen noch fünf Monate später. Die Pferde reagierten gegenüber Menschen positiver und suchten mehr Kontakt. (PubMed)

Eine weitere Untersuchung derselben Forschungsrichtung überprüfte die Pferde nach sechs beziehungsweise acht Monaten Trennung.

Auch Monate später waren die positiven Auswirkungen der vorherigen Erfahrungen mit Menschen noch erkennbar. (ScienceDirect)

Das ist für den täglichen Umgang mit Pferden enorm wichtig.

Denn damit bekommt der gern benutzte Satz

„Pferde vergessen nichts“

zumindest einen wissenschaftlich sinnvollen Kern.

Sie vergessen natürlich durchaus Dinge.

Aber Erfahrungen mit Menschen können erstaunlich lange Einfluss darauf haben, wie sie später auf Menschen reagieren.

Erinnern sich Pferde auch an schlechte Menschen?

Sehr wahrscheinlich können sie sich auch an negative Erfahrungen mit bestimmten Menschen beziehungsweise an deren emotionale Bedeutung erinnern.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Pferd irgendwann in seiner Box sitzt und denkt:

Der Günther von 2017. Diesem Mann habe ich nie verziehen.

So menschlich sollten wir Pferdegedächtnis nicht interpretieren.

Interessanter ist etwas anderes.

Pferde können menschliche Stimmen offenbar mit früheren positiven oder negativen Erfahrungen verbinden.

In einer Studie hörten Pferde Stimmen von Menschen, mit denen sie zuvor unterschiedlich angenehme Interaktionen erlebt hatten. Sowohl Verhalten als auch Messungen der Gehirnaktivität deuteten darauf hin, dass die Pferde beim Hören der Stimmen die emotionale Bedeutung früherer Begegnungen wieder abrufen konnten. (PubMed Central (PMC))

Das Pferd erinnert sich also möglicherweise nicht in Form einer kleinen inneren Dokumentation:

Montag, 14:37 Uhr: Dieser Mensch zog zu stark am Halfter.

Aber frühere Interaktionen können beeinflussen, welche Erwartung ein Pferd gegenüber einer Person entwickelt.

Und das ist für ein soziales Tier ausgesprochen sinnvoll.

Vergessen Pferde schlechte Erfahrungen?

Auch hier gibt es keine feste Frist.

Eine einzelne unangenehme Situation muss keineswegs lebenslang gespeichert bleiben.

Wie stark eine Erinnerung wird, hängt unter anderem davon ab,

wie intensiv die Erfahrung war,

wie häufig sie wiederholt wurde,

wie emotional bedeutsam sie war,

was anschließend geschah

und welche neuen Erfahrungen das Pferd danach machte.

Das ist auch praktisch enorm wichtig.

Ein Pferd, das schlechte Erfahrungen mit Menschen, Anhängern, Tierärzten oder bestimmten Trainingssituationen gemacht hat, ist deshalb nicht für immer beschädigt.

Neue Erfahrungen können Erwartungen verändern.

Allerdings reicht dafür nicht unbedingt eine einzige gute Begegnung.

Wenn ein Pferd zwanzigmal erlebt hat, dass eine bestimmte Situation unangenehm wird, und beim einundzwanzigsten Mal geschieht nichts Schlimmes, wird sein Gehirn nicht automatisch sagen:

Na wunderbar, dann waren die vergangenen zwanzig Erfahrungen offenbar ein Missverständnis.

Lernen braucht Wiederholung.

Das gilt beim Aufbau unerwünschter Erwartungen genauso wie beim späteren Umlernen.

Können Pferde jemanden nach Jahren wiedererkennen?

Das ist die Frage, auf die wir wissenschaftlich gern eine schöne Zahl hätten.

Haben wir aber nicht.

Für bestimmte Menschen gibt es bislang keine gute kontrollierte Studie, die beispielsweise eindeutig zeigt:

Dieses Pferd erkannte seinen früheren Besitzer nach sieben Jahren wieder.

Es gibt sehr viele glaubwürdige Erfahrungsberichte, aber eine Anekdote und ein wissenschaftlicher Nachweis sind zwei unterschiedliche Dinge.

Was wir allerdings kennen, sind erstaunliche Untersuchungen zum allgemeinen Langzeitgedächtnis von Pferden.

Und daraus wissen wir, dass Pferde Informationen über ausgesprochen lange Zeiträume speichern können.

In einer Studie erinnerten sich Pferde beispielsweise noch nach ungefähr sechs Jahren an zuvor erlernte Unterscheidungsaufgaben. (PubMed)

Ein Pferd konnte eine erlernte Regel sogar nach mehr als sieben Jahren noch anwenden.

Und in einem weiteren Versuch zeigte ein Pferd noch nach zehn Jahren, dass es ein früher erlerntes Konzept behalten hatte, obwohl es zwischenzeitlich nicht weiter darauf trainiert worden war. (PubMed)

Zehn Jahre.

Bei einem Tier, von dem Menschen gelegentlich behaupten, es könne sich nicht merken, dass hinter der Ecke jeden Dienstag dieselbe Mülltonne steht.

Offenbar ist die Mülltonne einfach nicht wichtig genug.

Haben Pferde ein gutes Langzeitgedächtnis?

Ja.

Besonders gut scheint ihr Gedächtnis für Informationen zu funktionieren, die für sie relevant sind.

Das passt zu dem, was man aus vielen Tierarten kennt.

Gedächtnis ist schließlich kein Archiv, in dem wahllos alles gleich sorgfältig abgeheftet wird.

Biologisch sinnvoll ist vor allem die Erinnerung an Dinge wie:

Wo gibt es Futter?

Wo gibt es Wasser?

Wer gehört zu meiner sozialen Gruppe?

Wer ist gefährlich?

Was hat funktioniert?

Was führte zu etwas Angenehmem?

Was führte zu etwas Unangenehmem?

Auch neuere Untersuchungen beschäftigen sich damit, wie sich das Gedächtnis älterer Pferde verändert. Die Forschung hierzu ist noch vergleichsweise dünn, bestätigt aber grundsätzlich, dass Pferde sowohl Lern- als auch Langzeitgedächtnisleistungen zeigen und dass Alter allein nicht automatisch bedeutet, dass diese Fähigkeiten verschwinden. (PubMed)

Erinnern Pferde Gesichter oder Gerüche besser?

Wahrscheinlich wäre schon die Frage etwas zu menschlich gestellt.

Pferde nutzen ihre Sinne gemeinsam.

Wir Menschen neigen stark dazu, Personen am Gesicht zu erkennen. Pferde können das ebenfalls, doch für sie stehen gleichzeitig andere Informationen zur Verfügung:

Aussehen, Stimme und Geruch.

Experimente zeigen ausdrücklich, dass sie Informationen aus unterschiedlichen Sinnen einer bestimmten Person zuordnen können. (PubMed)

Wenn dein Pferd dich auf der Weide erkennt, wissen wir deshalb nicht unbedingt, ob es denkt:

Das Gesicht kenne ich.

Vielleicht war längst deine Stimme entscheidend.

Oder dein Gang.

Oder dein Geruch.

Oder alles zusammen.

Und wenn du grundsätzlich mit einer raschelnden Leckerlibox erscheinst, dürfen wir zumindest eine zusätzliche Hypothese nicht völlig ausschließen.

Erkennt mein Pferd mich noch, wenn ich anders aussehe?

Vermutlich häufig ja.

Denn gerade weil Pferde Menschen nicht ausschließlich anhand eines einzelnen visuellen Merkmals erkennen, sollte ein anderer Mantel oder eine neue Frisur die Person nicht automatisch in einen völlig unbekannten Menschen verwandeln.

Die Forschung zur sogenannten cross-modalen individuellen Erkennung spricht genau dafür: Pferde verknüpfen Informationen aus mehreren Sinneskanälen zu einer Identität. (PubMed Central (PMC))

Allerdings können ungewöhnliche Veränderungen ein Pferd zunächst irritieren.

Wer normalerweise ohne Regenschirm erscheint und plötzlich unter einem flatternden gelben Poncho hervortritt, könnte für einen Augenblick weniger nach geliebter Bezugsperson und mehr nach bisher unbekannter Unterart des Menschen aussehen.

Das heißt nicht, dass das Pferd dich vergessen hat.

Es muss nur neue Informationen mit dem Bekannten abgleichen.

Wissen Pferde, wer ihr Mensch ist?

„Mein Mensch“ ist natürlich eine sehr menschliche Formulierung.

Aber Pferde können definitiv einzelne vertraute Menschen voneinander unterscheiden. (PubMed)

Und ihre Reaktion auf Menschen wird durch frühere Erfahrungen beeinflusst.

Eine ältere Studie mit 59 Pferden untersuchte genau diese Frage: Prägen frühere Mensch-Pferd-Interaktionen die spätere Wahrnehmung von Menschen?

Die Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass Pferde Erfahrungen mit Menschen speichern und daraus Erwartungen für spätere Begegnungen entwickeln können. (PubMed)

Das ist eigentlich viel interessanter als die Vorstellung eines simplen Erkennungsmechanismus.

Das Pferd weiß möglicherweise nicht nur:

„Das ist Daniela.“

Sondern eher:

„Das ist dieser bestimmte Mensch, dessen Stimme, Geruch, Erscheinung und bisherige Erfahrungen ich kenne.“

Eine Person bekommt also gewissermaßen eine Geschichte.

Vermissen Pferde einen Menschen?

Hier wird es wieder schwieriger.

Ein Pferd kann eine vertraute Person erkennen und eine Beziehung zu ihr aufgebaut haben.

Daraus folgt aber nicht automatisch, dass wir menschliches Vermissen eins zu eins auf Pferde übertragen können.

Pferde können auf Trennung reagieren und sie können vertraute Menschen bevorzugen oder sich bei bestimmten Personen entspannter verhalten. (PubMed)

Ob das subjektive Erleben dabei genau dem entspricht, was wir mit

„Ich vermisse jemanden“

meinen, lässt sich wissenschaftlich nicht feststellen.

Man sollte deshalb nicht behaupten:

„Mein Pferd denkt jeden Abend an mich.“

Aber ebenso wenig gibt es einen Grund, Pferden jede individuelle soziale Bindung zu Menschen abzusprechen.

Die vernünftige Position liegt dazwischen.

Vergisst mich mein Pferd, wenn ich es verkaufe?

Nicht zwangsläufig.

Gerade bei einer langjährigen Beziehung wäre es angesichts der bekannten Gedächtnisleistungen von Pferden durchaus plausibel, dass die Erinnerung an eine vertraute Person sehr lange bestehen kann.

Nur sollten wir aus Plausibilität keine wissenschaftlich bewiesene Jahreszahl machen.

Wir wissen:

Pferde erkennen vertraute Menschen individuell.

Sie können menschliche Gesichter nach mindestens sechs Monaten wiedererkennen.

Positive Erfahrungen mit Menschen beeinflussen ihr Verhalten noch nach sechs bis acht Monaten.

Und ihr Langzeitgedächtnis für andere erlernte Informationen kann nachweislich mehrere Jahre und in einzelnen Experimenten sogar ein Jahrzehnt umfassen. (PubMed Central (PMC))

Daraus lässt sich vernünftig schließen, dass die Erinnerung an einen wichtigen Menschen durchaus sehr lange bestehen kann.

Wir können nur nicht seriös sagen:

„Nach exakt zwölf Jahren erkennt jedes Pferd seinen früheren Besitzer noch.“

Erkennt ein Pferd einen Menschen nach langer Trennung sofort?

Auch das muss nicht passieren.

Und hier sollte man vorsichtig sein, bevor man eine Wiederbegegnung bewertet.

Ein Pferd muss nicht wiehernd angerannt kommen, damit es jemanden erkannt hat.

Wiedererkennung kann sich viel subtiler äußern:

längeres Anschauen,

Orientierung zur Person,

Annäherung,

Schnuppern,

veränderte Aufmerksamkeit,

Kontaktaufnahme

oder einfach ein anderer Umgang mit dieser Person als mit einem Fremden.

Wissenschaftliche Experimente zur Wiedererkennung messen deshalb häufig genau solche kleinen Unterschiede im Verhalten und nicht die Hollywood-Version einer Wiedervereinigung. (PubMed Central (PMC))

Ein Pferd kann dich also möglicherweise erkennen und trotzdem erst einmal weiterfressen.

Man muss damit leben.

Pferde haben beim Wiedersehen offenbar keinen Vertrag über angemessen dramatische Reaktionen unterschrieben.

Pferde erinnern sich an mehr als einen Menschen

Ein weiterer wichtiger Punkt wird häufig unterschätzt.

Pferde sind durchaus in der Lage, verschiedene Menschen individuell auseinanderzuhalten.

Sie sortieren die Menschheit also offenbar nicht nur in:

bekannt,

unbekannt,

Tierarzt.

Experimente mit vertrauten Personen zeigen, dass sie bestimmte Stimmen bestimmten Menschen zuordnen können. (PubMed)

Das ist für ein domestiziertes Tier durchaus bemerkenswert.

Schließlich leben Pferde seit Jahrtausenden in einer Welt, in der verschiedene Menschen unterschiedliche Funktionen haben und unterschiedlich mit ihnen umgehen.

Es wäre biologisch ausgesprochen nützlich, diese Personen auseinanderhalten zu können.

Und genau das tun sie offenbar.

Haben Pferde ein besseres Gedächtnis als Menschen?

So pauschal lässt sich das nicht vergleichen.

Menschen besitzen enorme sprachliche und autobiografische Gedächtnisleistungen.

Pferde wiederum scheinen bestimmte erlernte Regeln, Orte, soziale Informationen und Erfahrungen ausgesprochen dauerhaft speichern zu können.

Das Beeindruckende an Untersuchungen mit sechs-, sieben- und zehnjährigen Erinnerungsintervallen ist deshalb nicht, dass Pferde „besser“ als Menschen wären.

Es zeigt vielmehr:

Das Pferdegehirn ist ganz sicher kein kurzlebiger Speicher, der nach einigen Wochen einmal komplett geleert wird. (PubMed)

Was gelernt wurde und Bedeutung hatte, kann sehr lange erhalten bleiben.

Wie lange können sich Pferde nun wirklich an Menschen erinnern?

Die wissenschaftlich sauberste Antwort lautet:

Mindestens mehrere Monate sind eindeutig belegt. Wie viele Jahre ein Pferd einen bestimmten Menschen wiedererkennen kann, wurde bislang nicht ausreichend untersucht.

Ein Experiment zeigte die Wiedererkennung eines vertrauten menschlichen Gesichts nach sechs Monaten ohne Kontakt. Andere Untersuchungen fanden Auswirkungen positiver Mensch-Pferd-Interaktionen noch nach fünf bis acht Monaten. (PubMed)

Gleichzeitig wissen wir aus Gedächtnisexperimenten, dass Pferde bestimmte erlernte Informationen nach sechs, sieben und sogar zehn Jahren noch abrufen können. (PubMed)

Es wäre deshalb keineswegs überraschend, wenn ein Pferd auch einen wichtigen Menschen nach mehreren Jahren wiedererkennt.

Nur beweisen können wir diese genaue Zeitspanne noch nicht.

Und vielleicht ist genau das die schönere Antwort als die übliche Behauptung, ein Pferd vergesse einen Menschen „niemals“.

Denn wir wissen inzwischen etwas viel Konkreteres:

Pferde erkennen einzelne Menschen, verbinden Gesicht, Stimme und weitere Merkmale miteinander und erinnern sich daran, welche Erfahrungen sie mit ihnen gemacht haben.

Wenn du also nach Jahren zu einem früheren Pferd zurückkehrst und es dich eine Weile anschaut, näherkommt und an dir schnuppert, ist es durchaus möglich, dass in diesem Kopf gerade sehr viel mehr wiedererkannt wird, als wir von außen sehen können.

Sollte es anschließend allerdings direkt deine Jackentaschen durchsuchen, muss man fairerweise einräumen:

Vielleicht erinnert es sich an dich.

Vielleicht aber auch sehr präzise daran, wo du früher die Möhren aufbewahrt hast.

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