Hobby Horse selber nähen

Hobby Horse selber nähen

Irgendwann kommt bei jedem, der beim Hobbyhorsing bleibt, der Wunsch nach einem eigenen Pferd. Fertige Steckenpferde aus dem Spielzeugladen haben meist einen zu langen Stock und wirken eher wie Deko als wie ein Sportgerät. Das eigene Hobby Horse zu nähen gehört deshalb fest zum Sport dazu. Du bestimmst Fellfarbe, Größe und Charakter selbst, und am Ende hast Du ein Pferd mit eigenem Namen, das genau zu Dir passt. Diese Anleitung führt Dich Schritt für Schritt durch den Bau, vom Material bis zum fertigen Kopf am Stock.

Warum sich das Selbernähen lohnt

Ein selbst genähtes Hobby Horse hat drei Vorteile gegenüber der gekauften Variante. Der Stock lässt sich auf die richtige Länge bringen, sodass das Pferd turniertauglich wird. Du gestaltest Fell, Mähne und Gesicht nach Deinem Geschmack. Das Nähen selbst macht einen großen Teil vom Reiz des Sports aus, viele Hobbyhorser sind auf ihr erstes selbst genähtes Pferd besonders stolz.

Für ein einfaches Pferd brauchst Du mit etwas Näherfahrung ungefähr zwei bis vier Stunden. Wer viele Details einarbeitet, sitzt länger dran. Für den Anfang reicht ein schlichtes Modell völlig, verfeinern kannst Du später immer noch.

Was Du an Material brauchst

Für den Kopf und die Grundausstattung legst Du Dir folgende Sachen bereit:

  • Stoff für den Kopf, weich und trotzdem stabil (Plüsch, Fleece, Nicky, Sweat oder fester Webstoff)
  • Füllwatte zum Ausstopfen
  • einen glatten, splitterfreien Rundstab als Griff
  • Nähgarn, am besten etwas dickeres Garn oder Stickgarn
  • eine scharfe Stoffschere, Stecknadeln und ein Maßband
  • Material für die Mähne (Wolle, Mohairwolle oder Kunsthaar)
  • Augen (Sicherheitsaugen aus Plastik, Perlen oder aufgenähter Filz)
  • Textilfarbe zum Schattieren und für die Fellzeichnung
  • Bänder oder dünne Lederriemen für Zügel und Halfter

Als Füllmaterial gehen zur Not auch saubere Stoffreste oder alte Kissenfüllung. Für den ersten Versuch tut es genau das, was Du zu Hause hast.

Der richtige Stoff

Der Stoff entscheidet über das ganze Ergebnis. Er sollte weich sein, gleichzeitig stabil und nicht zu dick, damit sich der Kopf sauber ausstopfen lässt. Plüsch und Fleece geben ein plüschiges, pferdeähnliches Fell. Fester Webstoff hält besonders lange.

Bei dehnbaren Stoffen gibt es einen wichtigen Kniff: Verstärke sie vor dem Nähen mit aufgebügeltem Vlies. Ohne diese Verstärkung zieht sich der Stoff beim Ausstopfen ungleichmäßig, und der Kopf bekommt Beulen, die sich später kaum noch glätten lassen. Mit Vlies bleibt die Form beim Füllen schön gleichmäßig.

Wie viel Stoff Du brauchst, hängt von der Kopfgröße ab. Als Anhaltspunkt: Für einen kleinen Kopf von etwa 25 Zentimetern reichen ungefähr 40 mal 50 Zentimeter Stoff, für einen mittleren Kopf von etwa 35 Zentimetern rechne mit 50 mal 70 Zentimetern, für einen großen Kopf von etwa 45 Zentimetern mit rund 70 mal 100 Zentimetern.

Die richtige Stocklänge

Hier liegt der häufigste Unterschied zwischen einem Spielzeug und einem Sportgerät. Für den Sport ist der Stock kurz. Halte das fertige Pferd so, wie Du damit läufst, das untere Ende soll knapp hinter Deinem Gesäß enden. Ein Stock, der bis zum Boden reicht, stört beim Laufen und Springen.

Für kleine Kinder, die einfach nur spielen wollen, darf der Stock länger sein. Eine Faustregel dafür lautet, der Stock sollte etwa ein Drittel länger als die Körpergröße des Kindes sein. Wichtiger als die genaue Länge ist die Oberfläche: Wähle einen glatten, splitterfreien Rundstab und schleife das obere Ende leicht ab, bevor es in den Kopf kommt.

Schritt für Schritt zum eigenen Hobby Horse

So baust Du den Kopf zusammen:

  1. Übertrage das Schnittmuster auf den Stoff und schneide die Teile aus. Ohne Vorlage zeichnest Du einen einfachen Pferdekopf im Profil auf und schneidest ihn doppelt, für die linke und die rechte Seite.
  2. Lege die Stoffteile rechts auf rechts und nähe den Kopf entlang der Kanten zusammen. Den Hals lässt Du unten offen, damit Du wenden und stopfen kannst.
  3. Wende den Kopf auf die schöne Seite. Jetzt zeigt sich zum ersten Mal die spätere Form.
  4. Stopfe den Kopf gleichmäßig mit Füllwatte aus, fest genug für eine stabile Form und trotzdem weich. Arbeite Dich von der Nüster nach hinten vor und drücke die Watte gut in die Ecken.
  5. Fülle den Hals bis zu der Stelle, an der der Stock beginnt. Rund um das obere Stockende formst Du aus Füllwatte einen festen Pfropfen, der den Stock später umschließt.
  6. Schiebe den Stock in den Hals und sichere ihn mit kräftigen Stichen von innen am Stoff, damit er beim Reiten fest sitzt.
  7. Schließe die offene Naht am Hals mit einem verdeckten Stich, dem sogenannten Matratzenstich. So verschwindet die Naht sauber im Fell.

Danach kommen die Details, die dem Pferd sein Gesicht geben.

Den Stock fest verbinden

Für ein Pferd, das viel im Einsatz ist, lohnt sich eine besonders feste Verbindung zwischen Kopf und Stock. Raue dazu das obere Stockende und die Innenseite des Halses mit Schleifpapier leicht an, damit Kleber besser hält. Gib Holzleim auf das Stockende, schiebe es in den Pfropfen aus Füllwatte und halte alles mit Klebeband oder einem Gummiband in Position. Lass die Verbindung mindestens 24 Stunden trocknen.

Wer ganz sichergehen will, bohrt nach dem Trocknen ein kleines Loch quer durch Stoff und Stock und dreht eine kurze Holzschraube hinein. Diese Verbindung hält auch wildem Training stand. Achte darauf, dass Schraubenkopf und Stockende weich von Stoff umgeben bleiben, damit sich niemand daran stößt.

Mähne, Augen und Gesicht gestalten

Die Persönlichkeit steckt in den Details. Für die Mähne schneidest Du Wolle oder Kunsthaar in die gewünschte Länge und nähst oder klebst die Stränge am Nacken und zwischen den Ohren fest. Mohairwolle, gern mit Farbverlauf, wirkt besonders echt.

Die Ohren schneidest Du aus Stoff oder Filz, füllst sie leicht mit Watte und nähst sie oben am Kopf an. Für die Augen nimmst Du Sicherheitsaugen aus Plastik, aufgenähte Perlen oder Filz, den Du aufsteppst. Ein kleiner heller Punkt im Auge, von Hand mit Stickgarn gestickt, bringt Leben in den Blick. Zum Schluss schattierst Du mit Textilfarbe rund um Nüstern, Augen und Backen. Diese Schattierung macht aus einem flachen Stoffkopf ein Pferd mit Ausdruck.

Halfter, Zügel und Zubehör

Sobald der Kopf steht, kannst Du ihn ausstatten. Für Zügel und ein einfaches Halfter eignen sich schmale Bänder, dünne Lederriemen oder ein alter Gürtel, den Du an den Seiten des Kopfes befestigst. Ein Knotenhalfter aus Kordel ist mit etwas Übung schnell geknüpft.

Alles Weitere ist Geschmackssache. Manche nähen Stalldecken, Ohrenkappen oder eine passende Reiterkleidung dazu. Für den Sport reicht das Pferd mit Halfter und Zügel, das Zubehör ist reiner Schmuck und Ausdruck vom eigenen Stil.

Mit oder ohne Schnittmuster

Zwei Wege führen zum Ziel. Freihand zeichnest Du den Kopf selbst auf, das ist der günstigste Einstieg und lässt Dir alle Freiheit bei der Form. Ein fertiges Schnittmuster nimmt Dir das Tüfteln ab und liefert eine saubere Kopfform mit Stegen, Boden und Ohren. In der deutschen Szene ist das Schnittmuster HOLLY am bekanntesten, viele Anleitungen und Videos bauen darauf auf.

Für Deinen ersten Versuch spricht wenig gegen die Freihand-Variante. Du lernst dabei, wie sich der Stoff verhält und wie viel Watte ein gleichmäßiger Kopf braucht. Beim zweiten Pferd greifst Du dann vielleicht zum Schnittmuster und feilst an den Feinheiten.

Häufige Fehler beim ersten Pferd

Drei Sachen gehen am Anfang oft schief, und alle drei lassen sich leicht vermeiden. Ein zu langer Stock macht das Pferd zwar hübsch, beim Laufen und Springen steht er aber im Weg, halte Dich an das kurze Maß bis knapp hinters Gesäß. Eine klumpige Füllung entsteht, wenn Du die Watte in großen Batzen hineindrückst, arbeite lieber in kleinen Portionen und forme laufend nach. Zu dünner oder stark dehnbarer Stoff ohne Vliesverstärkung verzieht sich beim Stopfen, hier zahlt sich das Bügeln von Vlies vor dem Nähen aus.

UMit diesen drei Punkten im Kopf gelingt schon das erste Pferd erstaunlich gut. Der Rest ist Übung, und spätestens beim dritten Hobby Horse hast Du Deinen eigenen Stil gefunden.

Eine Antwort zu „Hobby Horse selber nähen“

  1. Avatar von Hobbyhorsing Fjord – Alles über Pferde

    […] kannst Du lesen, wie Du ein Hobbyhorse selber nähen kannst. Versuch mal, ist gar nicht […]

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