Die 20 häufigsten Fehler beim Longieren
Alles über korrektes Longieren
Longieren ist weit mehr als ein Pferd im Kreis laufen zu lassen. Richtig ausgeführt verbessert es Balance, Muskulatur, Takt, Losgelassenheit und die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Fehler beim Longieren bleiben jedoch oft lange unbemerkt. Das Pferd läuft scheinbar brav seine Runden, entwickelt aber mit der Zeit Verspannungen, wird immer unausgeglichener oder beginnt, sich gegen die Arbeit zu wehren.
Gerade weil das Pferd auf einem Kreis läuft, wirken deutlich höhere Kräfte auf Gelenke, Sehnen und Bänder als auf einer geraden Linie. Deshalb kommt es nicht nur darauf an, dass sich das Pferd bewegt, sondern vor allem darauf, wie es sich bewegt.
Viele Probleme entstehen dabei gar nicht aus mangelndem Können, sondern aus Gewohnheiten. Manche Fehler schleichen sich über Monate oder Jahre ein, weil sie zunächst keine offensichtlichen Folgen haben. Erst später zeigen sich Taktfehler, mangelnde Muskulatur oder Schwierigkeiten unter dem Sattel.
Fehler 1: Der Zirkel ist zu klein
Einer der häufigsten Fehler ist ein zu kleiner Longierzirkel. Je enger der Kreis, desto stärker muss sich das Pferd seitlich ausbalancieren. Gleichzeitig werden besonders das innere Vorderbein sowie die Gelenke der Vorhand stärker belastet.
Ein erwachsenes, gesundes Pferd kann kurze Zeit auch auf kleineren Kreisen arbeiten. Für längere Trainingseinheiten sollte der Zirkel jedoch möglichst groß gewählt werden. Ein Durchmesser von etwa 18 bis 20 Metern hat sich für die meisten Pferde bewährt.
Besonders vorsichtig solltest du bei jungen Pferden sein. Ihre Muskulatur, Sehnen und Gelenke befinden sich noch im Aufbau und reagieren empfindlicher auf einseitige Belastungen. Auch ältere Pferde mit Arthrose oder anderen Gelenkproblemen profitieren von größeren Bögen.
Ein kleiner Zirkel ist deshalb kein grundsätzliches Tabu. Er sollte aber gezielt und nur für kurze Übungen eingesetzt werden – niemals als Standard für die gesamte Longiereinheit.
Fehler 2: Das Pferd fällt über die innere Schulter
Viele Pferde laufen zwar auf einem Kreis, tragen sich dabei aber überhaupt nicht selbst. Stattdessen kippen sie nach innen und stützen sich auf die innere Schulter.
Für den Menschen sieht das häufig völlig normal aus. Tatsächlich gerät das Pferd jedoch aus dem Gleichgewicht. Es belastet die Vorhand stärker, verkürzt die Schritte und kann den Rücken nicht locker aufwölben.
Typische Anzeichen sind:
- Das Pferd läuft deutlich schief.
- Die Nase zeigt stark nach innen.
- Die Hinterhand driftet nach außen.
- Der Hals ist stark gebogen, der Körper aber gerade.
- Das innere Vorderbein wirkt überlastet.
Ziel des Longierens ist nicht möglichst viel Biegung im Hals. Das Pferd soll sich über den gesamten Körper gleichmäßig auf dem Kreis ausbalancieren. Die Biegung beginnt nicht am Genick, sondern entsteht durch den gesamten Rumpf.
Fehler 3: Der Mensch läuft ständig hinter dem Pferd her
Wer zum ersten Mal longiert, bewegt sich oft unbewusst im Kreis mit dem Pferd. Manche laufen mehrere Meter hinterher, andere drehen sich ständig oder wechseln unkontrolliert ihre Position.
Dadurch werden die Hilfen unklar.
Die ideale Position liegt ungefähr auf Höhe der Pferdeschulter. Von dort aus lassen sich Tempo, Richtung und Energie am besten beeinflussen.
Steht der Longenführer dauerhaft hinter dem Pferd, entsteht permanenter Vorwärtsdruck. Viele Pferde reagieren darauf mit Eile oder fallen in einen schnelleren Trab.
Steht der Mensch dagegen ständig vor der Schulter, bremst er das Pferd ungewollt aus oder blockiert dessen Bewegungsrichtung.
Nicht der Mensch sollte im Kreis laufen – vielmehr bewegt sich das Pferd um den Menschen herum. Kleine Positionskorrekturen sind selbstverständlich notwendig, doch hektisches Mitlaufen führt meist zu unruhigen Hilfen.
Fehler 4: Zu viel Druck mit Peitsche und Stimme
Die Longierpeitsche ist kein Bestrafungsinstrument. Sie verlängert den Arm des Longenführers und dient als feine Hilfe.
Leider wird sie häufig ständig bewegt. Manche Menschen wedeln ununterbrochen mit der Peitsche, schnalzen permanent oder geben alle paar Sekunden neue Sprachkommandos.
Das Pferd gewöhnt sich daran und beginnt, die Hilfen zu ignorieren.
Gute Longenarbeit zeichnet sich durch Ruhe aus. Eine klare Hilfe genügt meistens. Reagiert das Pferd korrekt, folgt sofort wieder Entspannung.
Je weniger Hilfen notwendig sind, desto besser versteht das Pferd die Kommunikation.
Fehler 5: Immer dieselbe Geschwindigkeit
Viele Longiereinheiten bestehen fast ausschließlich aus gleichmäßigem Trab.
Das wirkt zwar anstrengend, bringt das Pferd gymnastisch jedoch kaum weiter.
Erst durch Übergänge beginnt das Pferd, seinen Körper aktiv einzusetzen. Beim Wechsel zwischen Schritt, Trab und Galopp muss es das Gleichgewicht neu finden, die Hinterhand aktivieren und die Muskulatur koordinieren.
Auch Tempowechsel innerhalb einer Gangart fördern Tragkraft und Aufmerksamkeit.
Eine abwechslungsreiche Longiereinheit könnte beispielsweise aus lockerer Schrittarbeit, mehreren Übergängen, kurzen Trabphasen, einzelnen Galoppsequenzen und abschließend wieder ruhigem Schritt bestehen.
Qualität ist dabei wichtiger als Dauer. Zehn konzentrierte Minuten mit sauber ausgeführten Übergängen bringen meist mehr als eine halbe Stunde monotones Kreislaufen.
Longieren bedeutet Gymnastizieren – nicht Kilometer sammeln
Ein Pferd kann zwanzig Minuten lang im Kreis laufen und trotzdem kaum sinnvoll gearbeitet haben. Ebenso kann eine kurze, gut geplante Longiereinheit innerhalb weniger Minuten einen deutlichen Trainingseffekt erzielen.
Deshalb sollte jede Einheit ein klares Ziel haben. Vielleicht möchtest du heute die Balance verbessern, an ruhigen Übergängen arbeiten oder die Losgelassenheit fördern. Mit einem konkreten Trainingsziel fällt es leichter, die Übungen sinnvoll auszuwählen und Überforderung zu vermeiden.
Longieren ist dann am effektivsten, wenn jede Runde einen Zweck erfüllt – und nicht einfach nur Zeit vergeht.

Fehler 6: Zu lange Longiereinheiten
Viele Pferde werden deutlich länger longiert, als es für ein sinnvolles Training notwendig wäre. Nicht selten dauert eine Einheit 30 oder sogar 40 Minuten – dazu kommen Aufwärmen und Abreiten. Das wirkt zwar fleißig, bedeutet aber nicht automatisch besseres Training.
Longieren ist für den Bewegungsapparat anspruchsvoll. Das Pferd läuft permanent auf einer gebogenen Linie und muss sich ständig ausbalancieren. Besonders die innere Körperseite arbeitet intensiver als auf einer geraden Strecke.
Deshalb gilt: Qualität geht immer vor Quantität.
Für viele Freizeitpferde reichen bereits 15 bis 20 Minuten konzentrierte Longenarbeit völlig aus. Bei jungen Pferden oder Pferden, die sich erst an das Longieren gewöhnen, können sogar zehn Minuten genügen. Entscheidend ist nicht die Uhr, sondern ob das Trainingsziel erreicht wurde.
Wer immer weiterarbeitet, obwohl das Pferd bereits müde wird, riskiert eine nachlassende Haltung, unkonzentrierte Bewegungen und unnötige Belastungen für Sehnen und Gelenke.
Fehler 7: Longieren zum Austoben
“Erst einmal zwanzig Minuten an die Longe, damit er überschüssige Energie loswird.”
Diesen Satz hört man auf vielen Reitanlagen. Tatsächlich führt diese Vorgehensweise häufig genau zum Gegenteil.
Lernt das Pferd, dass Longieren bedeutet, möglichst schnell und möglichst lange im Kreis zu rennen, wird genau dieses Verhalten zur Gewohnheit. Das Pferd fällt auf die Vorhand, läuft immer eiliger und achtet kaum noch auf seinen Menschen.
Longieren sollte niemals eine Rennbahn sein.
Natürlich darf ein temperamentvolles Pferd sich bewegen. Ziel ist aber immer kontrollierte Bewegung. Das Pferd soll aufmerksam bleiben, auf feine Hilfen reagieren und seinen Körper bewusst einsetzen.
Ein ruhiger Trab mit aktivem Hinterbein bringt deutlich mehr Trainingsnutzen als hektischer Galopp ohne Gleichgewicht.
Fehler 8: Der Abstand stimmt nicht
Auch der Abstand zwischen Mensch und Pferd wird häufig unterschätzt.
Steht der Longenführer zu dicht am Pferd, wird der Kreis automatisch kleiner. Das Pferd verliert Platz, kann sich schlechter ausbalancieren und fühlt sich oft bedrängt.
Steht der Mensch dagegen zu weit entfernt, entsteht kaum noch Verbindung. Die Longe hängt durch oder zieht ständig am Pferdekopf. Hilfen kommen verspätet an und verlieren ihre Präzision.
Der richtige Abstand verändert sich während der Arbeit immer wieder leicht. Gute Longenführer passen ihre Position ständig unauffällig an, ohne hektisch umherzulaufen.
Dadurch bleibt der Kreis gleichmäßig und das Pferd erhält klare Orientierung.
Fehler 9: Die Longe ist ständig straff oder hängt durch
Die Longe dient der Kommunikation – nicht als Zugseil.
Viele Menschen machen dabei einen von zwei Fehlern.
Entweder ziehen sie dauerhaft an der Longe. Dadurch trägt sich das Pferd nicht selbst, sondern stützt sich gegen den Zug ab. Der Hals wird fest, die Bewegungen verlieren an Lockerheit.
Oder die Longe hängt ständig in großen Schlaufen durch. Dann besteht überhaupt keine Verbindung mehr zwischen Mensch und Pferd. Kleine Hilfen erreichen das Pferd kaum noch.
Ideal ist ein leichter, elastischer Kontakt.
Die Longe sollte weder spannen noch lose über den Boden schleifen. Sie vermittelt feine Signale und erlaubt dem Pferd gleichzeitig, sich frei zu bewegen.
Gerade Anfänger konzentrieren sich oft ausschließlich auf das Pferd und vergessen dabei die Longe. Erfahrene Longenführer beobachten beides gleichzeitig.
Fehler 10: Beide Hände werden nicht gleich trainiert
Fast jedes Pferd besitzt eine Schokoladenseite.
Auf einer Hand läuft es locker, auf der anderen wirkt es steif, fällt nach innen oder verliert den Takt.
Viele Menschen machen nun den Fehler, überwiegend auf der angenehmen Seite zu arbeiten. Dadurch verstärken sich vorhandene Schiefe und Muskulaturunterschiede immer weiter.
Natürlich sollte das Pferd nicht gleichmäßig viele Runden auf beiden Händen laufen. Die schwierigere Seite benötigt häufig etwas mehr Aufmerksamkeit.
Das bedeutet jedoch nicht, sie durch endlose Zirkel zu trainieren.
Viel sinnvoller sind kurze Arbeitsphasen mit häufigen Handwechseln. Dadurch bleibt das Pferd aufmerksam und beide Körperseiten werden gleichmäßig gefordert.
Gerade Übergänge zwischen den Händen, Volten, große Bögen oder kurze Geradeausstrecken können helfen, natürliche Schiefe nach und nach auszugleichen.
Warum Abwechslung so wichtig ist
Ein gutes Longentraining besteht nicht aus zwanzig identischen Runden. Es lebt von wechselnden Aufgaben.
Dazu gehören:
- Übergänge zwischen den Gangarten
- Tempounterschiede innerhalb einer Gangart
- Handwechsel
- unterschiedliche Zirkelgrößen
- Stangenarbeit oder Cavaletti
- kurze Schrittpausen
- gezielte Balanceübungen
Abwechslung hält das Pferd nicht nur körperlich fit, sondern auch geistig motiviert. Ein Pferd, das aufmerksam mitarbeitet, lernt schneller und entwickelt deutlich mehr Freude an der Longenarbeit als eines, das Runde für Runde dieselbe Aufgabe erledigen muss.

Fehler 11: Hilfszügel sollen Ausbildungsfehler lösen
Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie Hilfszügel. Die einen verwenden sie grundsätzlich, die anderen lehnen sie komplett ab. Die Wahrheit liegt – wie so oft – dazwischen.
Hilfszügel können in bestimmten Situationen sinnvoll sein, wenn sie korrekt verschnallt werden und der Mensch genau weiß, warum er sie einsetzt. Sie ersetzen jedoch niemals eine gute Ausbildung.
Ein Pferd lernt nicht automatisch, den Rücken aufzuwölben oder sich korrekt auszubalancieren, nur weil der Kopf in einer bestimmten Position gehalten wird. Die eigentliche Arbeit muss aus der Hinterhand kommen. Erst wenn das Pferd aktiv untertritt, kann es den Rücken anheben und eine gesunde Oberlinie entwickeln.
Wer Hilfszügel nutzt, um mangelnde Balance, fehlende Muskulatur oder Ausbildungsdefizite zu kaschieren, verschiebt das Problem lediglich. Langfristig entstehen häufig Verspannungen und eine unnatürliche Haltung.
Hilfszügel sollten deshalb immer eine vorübergehende Unterstützung sein – niemals eine Dauerlösung.
Fehler 12: Das Aufwärmen wird unterschätzt
Viele Pferde werden nach wenigen Schrittrunden direkt angalloppiert oder müssen sofort im flotten Trab arbeiten.
Dabei benötigen Muskeln, Sehnen und Gelenke Zeit, um sich auf die Belastung vorzubereiten.
Ein gutes Aufwärmen beginnt mit mehreren Minuten ruhigem Schritt auf einem großen Zirkel. Das Pferd darf sich strecken, seinen Bewegungsrhythmus finden und mental im Training ankommen.
Anschließend folgen lockere Trabphasen mit vielen Übergängen, bevor anspruchsvollere Übungen beginnen.
Gerade ältere Pferde profitieren von einem längeren Aufwärmen. Ihre Gelenke benötigen oft etwas mehr Zeit, bis sie geschmeidig arbeiten.
Ebenso wichtig ist das lockere Ausschreiten am Ende der Einheit. So kann sich die Muskulatur entspannen und der Kreislauf langsam wieder herunterfahren.
Fehler 13: Die Körpersprache passt nicht zu den Hilfen
Pferde beobachten den Menschen ständig. Oft reagieren sie stärker auf unsere Körperhaltung als auf Stimme oder Peitsche.
Viele Longenführer senden jedoch unbewusst widersprüchliche Signale.
Sie fordern mit der Stimme mehr Vorwärts, bremsen das Pferd aber gleichzeitig mit ihrer Körperposition aus. Oder sie möchten Ruhe vermitteln, wirken selbst jedoch hektisch und angespannt.
Ein Pferd erkennt kleinste Veränderungen:
- die Blickrichtung
- die Schulterstellung
- die Position der Hüfte
- die Körperspannung
- die Geschwindigkeit der eigenen Bewegungen
Je klarer die Körpersprache ist, desto feiner werden auch die Hilfen.
Deshalb lohnt es sich manchmal, nicht das Pferd zu beobachten, sondern sich selbst. Ein Video der eigenen Longiereinheit zeigt häufig mehr Fehler beim Menschen als beim Pferd.
Fehler 14: Es gibt kein Trainingsziel
“Ich longiere heute einfach ein bisschen.”
Genau hier beginnt häufig das Problem.
Wer ohne Ziel arbeitet, entscheidet spontan über Tempo, Dauer und Übungen. Dadurch fehlt dem Training eine klare Struktur.
Überlege dir bereits vor dem Anlegen der Longe, was du heute erreichen möchtest.
Zum Beispiel:
- ruhigere Übergänge
- bessere Balance
- aktiveres Untertreten
- mehr Losgelassenheit
- Galopparbeit
- Reaktion auf Stimmhilfen
- Verbesserung der Kondition
Mit einem konkreten Ziel wird jede Übung sinnvoll. Gleichzeitig fällt es leichter zu erkennen, wann die Einheit erfolgreich beendet werden kann.
Nicht jede Trainingseinheit muss alles verbessern. Oft genügt ein kleiner Fortschritt in einem einzigen Bereich.
Fehler 15: Warnsignale des Pferdes werden ignoriert
Pferde sprechen ständig mit ihrem Körper.
Viele Anzeichen für Überforderung oder Schmerzen werden jedoch übersehen oder falsch interpretiert.
Achte besonders auf folgende Warnsignale:
- häufiges Stolpern
- ständiges Ohrenanlegen
- Schweifschlagen
- Taktfehler
- plötzliches Beschleunigen
- permanentes Ziehen nach außen
- häufiges Ausfallen über die Schulter
- Kopfschlagen
- Atemgeräusche oder deutliche Erschöpfung
Natürlich bedeutet keines dieser Zeichen automatisch eine Erkrankung. Treten mehrere davon regelmäßig auf, solltest du jedoch nicht einfach weitertrainieren.
Manchmal steckt lediglich ein Ausbildungsproblem dahinter. Ebenso können schlecht sitzende Ausrüstung, Schmerzen oder gesundheitliche Probleme die Ursache sein.
Ein gutes Training beginnt immer damit, das Pferd genau zu beobachten.
Fehler 16: Der Boden ist ungeeignet
Viele achten auf den Trainingsplan, vergessen aber den Untergrund. Dabei entscheidet der Boden maßgeblich darüber, wie stark Gelenke, Sehnen und Hufe belastet werden.
Ein zu tiefer Boden kostet enorm viel Kraft und belastet vor allem Sehnen und Bänder. Ein harter, ausgetrockneter Reitplatz dämpft dagegen kaum und kann die Gelenke stärker beanspruchen. Besonders kritisch sind ungleichmäßige Böden mit Löchern oder tiefen Spurrillen, weil das Pferd ständig kleine Ausgleichsbewegungen machen muss.
Vor jeder Longiereinheit lohnt deshalb ein kurzer Blick auf den Boden. Im Zweifel ist ein Ruhetag oder eine andere Trainingsform sinnvoller als eine belastende Einheit auf schlechten Verhältnissen.
Fehler 17: Das Pferd schaut ständig nach außen
Viele achten nur darauf, ob das Pferd nach innen gestellt ist. Mindestens genauso problematisch ist aber das Gegenteil: Manche Pferde richten ihren Blick permanent nach außen und verlieren dadurch den Fokus auf den Longenführer.
Oft driften sie anschließend über die äußere Schulter weg oder vergrößern den Zirkel immer weiter.
Die Ursache liegt häufig nicht beim Pferd, sondern in einer unklaren Hilfengebung oder mangelnden Aufmerksamkeit. Bevor das Problem größer wird, helfen häufige Handwechsel, Übergänge und abwechslungsreiche Übungen, die das Pferd wieder gedanklich zum Menschen holen.
Fehler 18: Jede Longiereinheit sieht gleich aus
Pferde lernen durch Abwechslung. Wer Woche für Woche dieselben Runden im gleichen Tempo auf demselben Zirkel arbeitet, trainiert zwar Ausdauer, fördert aber weder Koordination noch Motivation.
Plane bewusst unterschiedliche Schwerpunkte ein. An einem Tag stehen Übergänge im Mittelpunkt, an einem anderen Stangenarbeit, Gelassenheit oder die Verbesserung des Galopps. Dadurch bleibt das Training spannend und das Pferd arbeitet deutlich motivierter mit.
Fehler 19: Das Pferd wird mental überfordert
Longieren fordert nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf. Gerade junge oder sensible Pferde verlieren schnell die Konzentration, wenn zu viele neue Übungen hintereinander verlangt werden.
Typische Anzeichen sind Unruhe, häufiges Anhalten, hektisches Tempo oder mangelnde Aufmerksamkeit.
Besser ist es, wenige Übungen sauber auszuführen und dem Pferd zwischendurch immer wieder kurze Entspannungsphasen zu gönnen. Lernen funktioniert am besten, wenn das Pferd weder unter- noch überfordert ist.
Fehler 20: Fortschritte werden nicht dokumentiert
Viele Reiter verlassen sich auf ihr Gefühl. Dadurch bleiben kleine Verbesserungen oder schleichende Probleme oft unbemerkt.
Ein einfaches Trainingstagebuch kann helfen. Notiere nach jeder Einheit beispielsweise:
- Wie locker war das Pferd?
- Waren die Übergänge flüssig?
- Auf welcher Hand fiel das Longieren schwerer?
- Gab es Taktfehler oder Stolpern?
- Was soll beim nächsten Training verbessert werden?
Nach einigen Wochen lassen sich Fortschritte und wiederkehrende Schwierigkeiten deutlich besser erkennen. Das macht das Training nicht nur systematischer, sondern hilft auch dabei, Überlastungen oder gesundheitliche Veränderungen frühzeitig wahrzunehmen.
Diese fünf Fehler findest du in dieser Form nur selten in klassischen Longier-Ratgebern. Sie ergänzen den Artikel sinnvoll, ohne einfach die Standardpunkte der Konkurrenz zu wiederholen.
Woran erkennst du gutes Longieren?
Eine gelungene Longeneinheit sieht oft unspektakulär aus.
Das Pferd läuft ruhig, gleichmäßig und aufmerksam. Es muss weder spektakuläre Lektionen zeigen noch besonders schnell laufen.
Typische Merkmale sind:
- ein gleichmäßiger Takt
- ein konstanter Zirkel
- lockere, schwingende Bewegungen
- aktives Untertreten der Hinterhand
- ein entspannter Schweif
- aufmerksam nach innen gerichtete Ohren
- feine Reaktionen auf Stimme und Körpersprache
- eine ruhige, elastische Verbindung über die Longe
Wer diese Grundlagen beherrscht, schafft die Basis für nahezu jede weitere Ausbildung – ganz gleich, ob Freizeit-, Dressur- oder Geländepferd.
Häufige Fragen zum Longieren
Wie oft sollte man ein Pferd longieren?
Zwei- bis dreimal pro Woche reichen für die meisten Pferde völlig aus. Longieren sollte immer Teil eines abwechslungsreichen Trainingsplans sein und nicht täglich als Ersatz für Reiten oder andere Bewegungsformen dienen.
Wie lange sollte eine Longiereinheit dauern?
Bei den meisten Pferden sind 15 bis 20 Minuten konzentrierte Arbeit ausreichend. Junge Pferde oder Trainingsanfänger benötigen häufig sogar deutlich kürzere Einheiten.
Ist Longieren schädlich?
Nein – wenn es korrekt durchgeführt wird. Dauerhaft kleine Zirkel, monotones Kreislaufen oder mangelnde Balance können den Bewegungsapparat jedoch unnötig belasten.
Kann Longieren Muskeln aufbauen?
Ja. Richtiges Longieren fördert insbesondere die Rücken-, Bauch- und Hinterhandmuskulatur. Voraussetzung ist allerdings, dass das Pferd in Balance läuft und aktiv untertritt.
Braucht man immer einen Kappzaum?
Nein. Je nach Ausbildungsstand kommen auch Trense oder Halfter infrage. Für viele gymnastizierende Übungen bietet ein gut sitzender Kappzaum jedoch Vorteile, weil die Hilfen präziser gegeben werden können, ohne direkt auf das Gebiss einzuwirken.
Fazit
Longieren ist weit mehr als Bewegung auf einem Kreis. Es ist eine anspruchsvolle Form der Bodenarbeit, bei der jede Hilfe, jede Körperbewegung und jede Entscheidung Einfluss auf das Pferd hat.
Die häufigsten Fehler entstehen nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Routine. Wer immer denselben Zirkel läuft, zu lange trainiert oder ohne klares Ziel arbeitet, verschenkt einen großen Teil des Potenzials dieser Trainingsform.
Ein gutes Longentraining muss weder spektakulär noch besonders lang sein. Entscheidend sind ruhige Hilfen, eine saubere Balance und ein Pferd, das sich losgelassen und aufmerksam bewegt.
Dann wird Longieren zu einer wertvollen Gymnastik, die Muskulatur, Koordination und Vertrauen gleichermaßen fördert – und nicht einfach nur zu Runden im Kreis.
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